«Iranischer Schindler» – Er rettete tausende Juden vor den Nazis

Konzentrationslager Auschwitz Birkenau
Imported Image
Konzentrationslager Auschwitz Birkenau
30.4.2022
2 min

Ein Muslim rettete während des Zweiten Weltkriegs viele iranische Juden. Als persischer Diplomat in Paris rettete Abdol-Hossein Sardari Qajar tausenden Juden das Leben. Wer ist dieser mutige Held, der den Beinamen «Iranischer Schindler» erhielt?

Abdol-Hossein Sardari Qajar rettete tausende iranische Juden vor den Vernichtungslagern der Nazis. Der spätere Botschafter Irans in Belgien entstammt laut «Israel heute» der aserbaidschanischen Qajar-Dynastie, die Persien knapp 200 Jahre regierte.

Die Juden aserbaidschanischen Ursprungs verwalten mit Qirmisi Qesebe noch heute die weltweit einzige jüdische Stadt ausserhalb Israels; der 4000-Seelen-Ort liegt entsprechend in Aserbaidschan. Etliche prominente Juden, darunter Schach-Gigant Garry Kasparov, haben einen aserbaidschanischen Hintergrund.

Er widerstand den Nazis

Abdol-Hossein Sardari Qajar
Imported Image
Abdol-Hossein Sardari Qajar

Als die Nazis in Paris einmarschierten, wurde dem 26-jährigen Jung-Diplomaten Sardari Qajar die Verantwortung für die iranischen Juden Frankreichs übertragen. Anno 1940 forderten die Besatzer die französischen Juden auf, sich bei der Polizei registrieren zu lassen.

Doch der mutige, junge Muslim stellte sich dagegen, schliesslich hätten sich die persischen Juden ganz in die persische Kultur eingegliedert. «Dieser einzigartige Stellenwert, den die Juden in der persischen Welt innehalten, geht zurück bis zur Königin Esther, die den persischen König Ahasverus, der die persischen Juden vor Haman rettete, heiratete», schreibt «Israel heute» anlässlich des Holocaust-Gedenktages, der im Laufe der aktuellen Woche begangen wurde.

Tatsächlich wurden die persischen Juden Frankreichs nicht in die Nazi-Todeslager geschickt.

Flucht-Pässe hergestellt

Und für Juden, welche die «Grande Nation» hinter sich lassen wollten, fertigte Sardari Qajar – ohne Teheran um Zustimmung zu erfragen – mutig iranische Pässe für jüdische Familien an. Zuletzt hatte er Tausende Juden vor dem Holocaust gerettet.

Legendär ist sein Statement, welches er dem Holocaust-Museum Yad Vashem gab: «Wie Sie vielleicht wissen, hatte ich das Vergnügen, während der deutschen Besetzung Frankreichs iranischer Konsul in Paris zu sein, und als solcher war es meine Pflicht, alle Iraner zu retten, einschliesslich der iranischen Juden.»

Posthum wurde der 1981 verstorbene Diplomat im Jahr 2004 vom Simon-Wiesenthal-Center in Los Angeles ausgezeichnet. Die Zeitschrift «Israel heute» hält fest: «Sardari Qajar wuchs unter Aserbaidschanern auf, die in Harmonie mit den Juden lebten, und begriff, wie wichtig Respekt und die Achtung der Heiligkeit des Lebens sind, und er hatte den Mut, sie zu beschützen. Eine Lektion, die wir alle bezüglich des Holocaust lernen müssen.»

Teile diesen Beitrag
Das könnte dich auch interessieren
Story
gaby-stamm-portraet

«Wir haben 52 Söhne bekommen …»

Gaby und David Stamm sind nie Eltern geworden. Trotzdem gehören Kinder zu ihnen und ihr Haus ist immer wieder belebt. Sie nahmen schon mehrfach Menschen in Not auf, manchmal für mehrere Jahre. Und sie beherbergen Wandergesellen auf der Walz.
Story
anna-shammas-im-klassenzimmer

Neun Jahre heimatlos

Das Magazin «Amen» hat in Form von Kurzfilmreportagen festgehalten, wie Menschen in der heutigen Zeit Jesus erleben. Heute berichtet Anna Shammas aus Syrien, wie es ihr erging, als sie in die Schweiz kam.
Story
Craig DeMartino überlebte den Sturz und kann heute wieder klettern

«Gott ist keine Krücke, sondern die Brücke»

Von rund dreissig Metern auf einen Felsen zu stürzen, würde für viele Menschen tödlich enden. Doch Spitzenkletterer Craig DeMartino überlebte den Sturz. Heute klettert er wieder – mit einer Prothese – und tritt als Ermutigungsredner auf.
Story
Mike Flynt

Reue brachte ihn zu einem unglaublichen Comeback

Mit 59 Jahren war Mike Flynt einer der ältesten College-Spieler der Geschichte. Das Durchhaltevermögen des Sohnes eines Kriegshelden – sein Vater war beim D-Day dabei – wurde durch frühe Widrigkeiten geformt.