Vor dem Himmelstor – «Es war realer, als dass wir jetzt hier stehen»

Urs Diem
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Urs Diem
19.8.2022
5 min

Ein Nahtoderlebnis kann erschreckend und herrlich zugleich sein; das zeigt Urs Diem in seinem Gespräch mit Wunderheute, wo er von seinen Erfahrungen aus dem künstlichen Koma berichtet.

Urs Diem aus dem Thurgau war im November 2021 aufgrund einer Corona-Erkrankung mit Lungenentzündung und Sauerstoffmangel für mehrere Wochen im Krankenhaus. Nach zehn Tagen im Kantonsspital Frauenfeld wurde er für 14 Tage ins künstliche Koma versetzt, intubiert und wegen Platzmangels auf die Intensivstation im Kantonsspital Glarus verlegt. Danach hielt er sich noch drei Wochen zur Erholung in der Reha-Klinik in Mammern auf, bevor er wieder nachhause gehen konnte.

«Wie wird das nur enden?»

Etwa während drei Wochen war Diems Zustand sehr kritisch, und die Ärzte und seine Familie wussten nicht, ob er den Virus überleben würde. Seine Frau bekam jeden Tag vom Krankenhauspersonal Bescheid und erhielt immer die Nachricht: «Wir wissen noch nicht, auf welche Seite Ihr Mann kippen wird.»  

Als Diem in Frauenfeld an der Beatmungsmaschine hing, dachte er sich: «Wie wird das nur enden? Werde ich je wieder mit meinen Enkelkindern Fussball spielen können? Werde ich noch einmal mit meinen Freunden und Verwandten zusammen sein können?»

Während der Zeit im künstlichen Koma hat Urs Diem nichts bewusst miterlebt, aber «in meinem Unterbewusstsein – in der Bibel steht, im menschlichen Geist – habe ich sehr viel mitbekommen. Dabei habe ich spezielle Erfahrungen gemacht».

Schrecklich und wunderschön

Diem hat im Koma viele verschiedene Eindrücke erlebt; zwei davon waren besonders einprägsam: «Die eine Erfahrung war schrecklich. Ich musste mit einem Würgeband um den Hals Runden drehen und bekam keine Luft mehr. Wie ich das überlebt habe: natürlich dank den wertvollen Gebeten.»

Das andere Erlebnis war dagegen wunderschön. Urs Diem erzählt: «Es spielte sich vor der Himmelstüre ab. Eigentlich war es gar keine Tür, sondern ein Tor, ein riesiges Fenster, und es hat herrlich gestrahlt, heller als das weisseste Weiss. Eine wunderbare Liebe floss durch dieses Fenster, aber ich war nicht drin, sondern nur davor. Und davor zu sein, ist schrecklich, weil du dann reingehen und nicht nur davorstehen willst. Ich habe sehr gelitten.»

«Wieso darf ich nicht rein?»

Diem konnte Jesus bei dieser Erfahrung zwar nicht persönlich sehen, aber er ist sich sicher, dass Jesus direkt bei ihm war. Er fragte Jesus: «Wieso darf ich nicht rein?» Diem hat gehört, wie Menschen neben ihm in den Himmel gekommen sind. Das Tor habe sich geöffnet, neben ihm sei ein Rauschen vorübergezogen und dann habe er wahrgenommen, dass jetzt jemand den Himmel betreten haben muss. «Dann ist das Fenster wieder zugegangen, und die Person war drin. Ich habe gesagt: 'Ja, und ich?' Später wurde mir dann bewusst, dass meine Zeit noch nicht gekommen ist, dass ich noch einen Auftrag zu erfüllen habe. Deshalb durfte ich wieder zurück zu meinen Lieben, und darüber sind wir natürlich sehr froh und dankbar.»

Diese Erfahrung hat Diem gezeigt, dass es tragisch ist, nicht in den Himmel zu kommen und dass es wunderbar ist, wenn man es hineinschafft. «Den Glauben an Jesus habe ich dadurch nicht verloren, sondern erst recht Schub für ein Leben mit ihm gewonnen.»

Wieder bei Null anfangen

Als Diem wieder aus dem Koma erwachte, war er elf Kilogramm leichter. Er konnte weder reden noch laufen, weil bei ihm ein Luftröhrenschnitt durchgeführt werden musste und seine Muskeln vom langen Stillliegen geschwächt waren. «Ich musste auch wieder richtig Denken lernen. In der Zeit im Koma und in den Wochen danach in der Reha habe ich mich nur auf Jesus fokussiert und auf meine Frau, die mir täglich beistand. Meine Welt war nicht offen, wie sie normalerweise ist, sondern sehr schmal. Das war am Anfang rudimentär: Ich konnte kein Handy bedienen, keinen Code eingeben, keine Wörter schreiben.»

Diem musste wieder bei Null anfangen und alles, selbst etwas zu essen und zu schlucken oder richtig zu atmen, neu lernen. Nach und nach hat es Diem geschafft, sich all diese Fähigkeiten erneut anzueignen. Auf diesem Weg hatte Diem von vielen Menschen Unterstützung, die ihm geholfen und für ihn gebetet haben. «Zusätzlich haben mich Gottes Hilfe und mein eigener Wille angefeuert. Es war erschreckend und herrlich zugleich, das miterleben zu dürfen.»

Neue Prioritäten und wichtiger Auftrag

Durch die Erfahrungen, die Diem im künstlichen Koma gemacht hat, veränderte sich auch seine Beziehung zu Gott. «Die Prioritäten in meinem Leben haben sich verschoben. Vorher habe ich in der Bibel gelesen und bin in den Gottesdienst gegangen. Das war und ist mir immer noch sehr wichtig. Aber jetzt konzentriere ich mich viel weniger auf das Weltliche und wende mich mehr ab von all den Ängsten hin zum Vertrauen. Den Menschen von Jesus zu erzählen, ist der Hauptauftrag, den ich vor dem Himmelstor erhalten habe. Denn wir befinden uns in der Endzeit, und deshalb ist es umso dringender und wichtiger, anderen Jesus näherzubringen.»

Diem verweist darauf, dass er durch diese Erlebnisse nicht nur von Gott lesen, sondern ihn wahrhaftig erfahren konnte. «Was ich da erlebt habe, war realer, als dass wir jetzt hier stehen. Es war eine tiefgreifende Erfahrung – die prägt für die Ewigkeit.»

Hier geht's zum Gespräch bei Wunderheute.tv.

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