Walter J. Hollenweger gestorben – Evangelist und interkultureller Theologe

22.8.2016
3 min

Mit Walter J. Hollenweger ist ein Schweizer Theologe von internationalem Rang gestorben. Er hat die Geschichte der Pfingstbewegung beschrieben, die narrative Theologie stark gefördert, Salbungsgottesdienste eingeführt und wird als interkultureller Theologe in die Kirchengeschichte eingehen.

Schweizer Theologen wie Karl Barth oder Hans Küng wurden nicht nur in ihrem Land oder Sprachraum bekannt. Sie haben einen weltweiten Einfluss. Dies trifft auch auf Walter J. Hollenweger zu, der am 10. August 2016 im Alter von 89 Jahren verstarb, wie erst jetzt bekannt wurde.

Wurzeln und erste Dienste in der Pfingstbewegung

Die ersten dreissig Jahre seines Lebens verbrachte er in der Pfingstbewegung, die ihn für ein ganzes Leben prägte. Zuerst war er in Zürich Leiter der Jugendgruppe der dortigen Pfingstmission. Nach seinem Bibelschulstudium wurde er Evangelist und Prediger. Er war ein begabter Kommunikator und von einem unstillbaren Wissensdurst beseelt. Er begann das Studium der Theologie an der Universität Zürich und war der erste, der in einem mehrbändigen Werk die Geschichte und das Wesen der weltweiten Pfingstbewegung beschrieb und analysierte.

Professor für Missiologie in Birmingham

Hollenweger schloss sich der Reformierten Kirche an und war von 1965–1971 im Ökumenischen Rat der Kirchen Sekretär für Evangelisation. Seine internationalen Kontakte führten dazu, dass er an die Universität von Birmingham, England, zu einer Professur für Mission berufen wurde.  Dort entwickelte er eine interkulturelle Theologie, welche die Aussagen der Christen in der südlichen Hemisphäre ebenso ernst nahm wie die Schriften der Europäer und Amerikaner. Gleichzeitig setzte er sein Engagement für die Pfingstbewegung fort und wurde durch seine Schriften und Vorträge zur weltweiten Autorität über diese kirchliche Strömung, ihre gesellschaftliche und ökumenische Bedeutung.

Narrative Theologie: Die Predigt als Bühnenstück

Walter Hollenweger war immer bemüht, nicht nur mit den Wissenschaften, sondern mit allen Menschen im Gespräch zu bleiben. Sein pfingstlicher Einfluss führte dazu, dass er das Erzählen von religiösen Erlebnissen und die Frage nach Gott in Bühnenstücke und biblische Spiele verpackte. Zur 700 Jahrfeier der Eidgenossenschaft verfasste er, zum Beispiel, das Mythenspiel für die Freilichtbühne in Schwyz. Während vielen Jahren war er an den deutschen Kirchentagen ein gern gesehener Referent. In späteren Jahren wurde er auch durch seine Salbungsgottesdienste bekannt, die in vielen Kirchen der Schweiz und Deutschland dazu einluden Menschen zu segnen und für sie zu beten.

Dynamischer und unkonventionaller Theologe

Die zahlreichen Schriften Hollenwegers sind nun in Archiven an der Freien Universität in Amsterdam und am Fuller Theological Seminary in Pasadena, USA zugänglich. Nach wie vor werden seine oft provozierenden Gedanken in der ganzen Welt aufgenommen, weil sie nicht an Relevanz eingebüsst haben.  Er war ein dynamischer, unkonventioneller und leidenschaftlich denkender Mensch, der alle mit seinen scharfen und manchmal subversiven Einsichten in Frage stellte.

Zur Webseite:
Walter Hollenweger

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