Selbsterfüllende Prophezeiung – «Ich glaubte an meinen Misserfolg»

Gerd Sobbe
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Gerd Sobbe
8.7.2022
3 min

Schon in der Schulzeit leidet Gerd Sobbe immer wieder an Prüfungsblockaden, was sich auch negativ auf die Noten auswirkt. Ganz schlimm wird es bei seiner Meisterprüfung. Doch plötzlich ist da ein unbekannter Mann im grauen Kittel...

Mir fiel nichts mehr ein, dabei hatte ich mich auf die Klassenarbeit gut vorbereitet. Alles Wissen in meinem Kopf war wie weggeschlossen. Es war genauso gekommen, wie ich es befürchtet hatte – eine totale Blockade. In meiner Schulzeit haben mich solche Prüfungs-Blackouts immer wieder begleitet. Ein Klassenlehrer gab mir im Zeugnis in Mathematik einmal zwei Zensuren besser als ich eigentlich im Schnitt der Klassenarbeiten war und sagte mir dazu: «Gerd, du weisst das, aber du hast einfach zu viel Angst!» Ich glaubte nicht an mich und an das, was ich weiss, sondern an meinen Misserfolg. Und mit diesem Glauben habe ich oft den Misserfolg herbeigeführt.

Meine Eltern waren keine Kirchgänger. Mit 15 Jahren habe ich zum ersten Mal Christen in meinem Alter kennengelernt. Das hat mich überzeugt und so habe ich selbst eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus begonnen.

Mit Glauben der Angst begegnen

Jahre später, ich war schon verheiratet, war sie dann plötzlich wieder da, diese Prüfungsangst. Ich sass im Auto auf dem Weg zu meiner KFZ-Meisterprüfung und man hatte uns gesagt, dass ein Drittel von uns durchfallen würde, egal, wie sehr wir uns anstrengten. Innerhalb von einer Woche sollte ich in praktischen und theoretischen Prüfungen all mein Fachwissen und fachliches Geschick unter Beweis stellen.

Und plötzlich spürte ich in mir drin, wie sie wieder begann, diese Prüfungsblockade. Aber ich lebte jetzt mit Gott und wollte mit meinem Glauben und mit Gebet dieser Angst begegnen. Also betete ich im Auto: «Herr Jesus Christus, mit dir kann ich auch versagen. Du liebst mich auch ohne Meistertitel. Meine Existenz hängt nicht an dieser Prüfung, sondern an dir und dir will ich vertrauen!»

Der Mann im grauen Kittel

Das hat mich dann auch durch diese Prüfungswoche durchgetragen, bis es am Ende der Woche zu einer Katastrophe kam: Eine Stunde, bevor wir unser Meisterstück abgeben sollten, fiel mir das aus einem Stück gefeilte Teil von der Werkbank auf den harten Werkstattboden – und es musste bis aufs Hundertstel Millimeter genau sein. Mit Panik im Gesicht hob ich das gute Stück wieder auf, da sprach mich unvermittelt ein Mann im grauen Kittel an und sagte: «Du sollst nicht zweifeln, du sollst glauben!»

Ich konnte meinen Ohren nicht trauen: Das war, als ob Gott selbst zu mir gesprochen hätte. Ich hatte diesen Prüfungsmeister vorher nie gesehen und konnte ihn auch hinterher nicht mehr entdecken. Für mich war es, als ob Gott selbst in meine Prüfungsangst hinein redet – und ich wusste: Er ist da! Die Bibel nennt solche Boten Engel. Dass Gott in den Situationen, die ich fürchte, da ist, das hat mich verändert.

Mut trotz Überforderung

Heute bin ich Pastor und das schon seit 32 Jahren. Dass ich immer wieder frei sprechen muss, manchmal auch vor Hunderten von Menschen, ist mir nicht mehr wichtig. Das einzige, was für mich zählt, ist das Wissen: Gott ist da, auch in aussergewöhnlichen Situationen, wenn ich eine Todesnachricht überbringen oder einen Jugendlichen beerdigen muss. Damals hat Gott mir durch seinen Boten gezeigt, dass er in der Situation ist, vor der ich mich fürchte. Er hat mich aufgefordert, ihm in dieser Situation zu vertrauen. Daraus ziehe ich heute meinen Mut in Situationen, in denen ich mich eigentlich überfordert weiss. 

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