Brüssel-Attentat überlebt – «Ich habe begonnen, für Terroristen zu beten»

Fred und Janet Winston-Young
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Fred und Janet Winston-Young
17.6.2021
4 min

Am 22. März 2016 wurden in Brüssel mehrere Bomben-Attentate durchgeführt, bei denen 32 Menschen getötet und rund 340 verletzt wurden. Zu den Überlebenden gehört Janet Winston-Young. Eindrücklich berichtet sie, wie der Heilige Geist sie am Tag selbst und in den folgenden Jahren führte und half.

Es ist der 22. März 2016. Janet Winston-Young bringt ihren Mann zum Brüsseler Flughafen. Er will junge Athleten auf einer Reise in die USA begleiten. Plötzlich hört Janet einen Knall und sieht einen Feuerball auf sich zukommen – ein Terroranschlag, zu dem sich später die radikale Gruppierung «Islamischer Staat» bekennt. Ihr Mann Fred und sie befinden sich nur vier Meter vom Attentäter entfernt. Sie wird für kurze Zeit ohnmächtig. «Nachdem ich die zweite Bombe hörte, dachte ich: 'Jetzt sterbe ich … aber es ist gut so.' Und während ich dachte, dass ich sterben würde, war ich vollkommen ruhig», berichtete Janet Winston-Young kürzlich gegenüber dem Portal Evangelical Focus.

Die ersten Stunden

Es ist der schlimmste Angriff in Belgien seit dem zweiten Weltkrieg. 32 Menschen sterben bei den Anschlägen auf Flughafen und Metro, über 300 werden verletzt. Auch Janet gehört dazu. Ihr Mann sucht zwischen Toten und Verletzten nach seiner Frau und hilft ihr auf. Beide haben diverse Verletzungen, heute müssen sie Hörgeräte tragen. «Aber an dem Tag konnten wir laufen.» Sie laufen auf den Bürgersteig nach draussen, wo immer mehr Verletzte hingebracht werden. «Die erste Stunde und 15 Minuten waren wir da und kümmerten uns um sie, manche von ihnen waren schwerverletzt. Wir warteten auf medizinische Hilfe. Eine Frau, die ich lange Zeit hielt, verbrachte danach drei Jahre im Krankenhaus. Eine andere starb dort, sie war Mutter von vier Kindern…»

Inmitten der Trostlosigkeit ermutigt sie die Menschen um sich rum: «Satan ist böse und die Menschen tun schreckliche Dinge, aber Gott ist gut und Sie können sich an ihn wenden!» Und das sagt sie auch sich selbst und merkt: «Gott zeigt uns einen Weg, dem wir folgen können; er ist ein Licht, selbst inmitten des schlimmsten Albtraums.» Sie hört innerlich genaue Anweisungen, wie sie den Menschen um sich herum helfen kann, dass sie beten soll, mit ihnen reden soll... «Heute weiss ich, dass es der Heilige Geist war, der zu mir sprach. Die Anweisungen halfen mir, in dieser schrecklichen Situation fokussiert zu bleiben, während wir auf Hilfe warteten.»

Vergeben?!

Für Fred und Janet war die Traumaüberwindung ein langer Prozess, den sie nur mit Hilfe von Gottes Wort und seiner Hilfe durchleben konnten. In diesem Prozess schrieb Janet ihre Gedanken auf, die heute zu einem Buch zusammengefasst sind. Und sie lernte, dem Bomber zu vergeben. Ganz unerwartet. «Der Bomber starb (beim Attentat). (…) Lange Zeit, vielleicht zwei oder drei Jahre lang, dachte ich kaum an ihn.» Bei einem Mittagessen fragte eine Freundin unerwartet, was sie dem Attentäter denn sagen würde, wenn er vor ihr stünde. «Mein Kopf war plötzlich leer. Lange Zeit konnte ich gar nichts denken. Und dann sagte ich plötzlich: 'Gott liebt dich!' Ich wollte diese Worte wieder zurückholen. Dann begann ich zu schwitzen. Die Worte kamen nicht von mir… Gottes Wort formte einen Weg für mich in diesem Thema…»

Ihre Emotionen schrieb sie auch an dem Tag in ihr Tagebuch. Und dann kamen ihr Jesu Worte in den Sinn: «Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen.» (Matthäus, Kapitel 5, Vers 44) «Ich weiss nicht, ob ich sagen kann, dass ich meine Feinde liebe, aber ich begann, für die Terroristen zu beten, die noch am Leben sind.»

«Gott zeigt den Ausweg»

Fünf Jahre später ist das Leben immer noch nicht leicht für das Ehepaar. Die Hörgeräte, auf die sie angewiesen sind, erinnern sie jeden Tag an den folgenschweren 22. März. Sie sei durch das Erlebnis zerbrechlicher geworden, erzählt Janet im Interview. «Doch ein Christ kann sich in der Mitte des Feuers oder im Auge des Sturms befinden… und Gott vertrauen und ihm folgen, einen Tag nach dem anderen. Er zeigt uns den Ausweg. (…) Ich kann sagen, dass Gott in der Hölle des Bombenanschlags bei mir war. Er begleitete mich und zeigte mir den Ausweg.»

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