Alleinerziehender Vater – Mit der Bibel aus dem Burnout

10.4.2022
4 min

Matthias Menzel aus Hamburg arbeitet gerne und merkt gar nicht, wie durch die Arbeitswut seine Ehe und sein Leben langsam zerbricht. Er landet im Burnout, fühlt sich leer und gefühlslos. Bis ihn ein Satz aus der Bibel aufrüttelt. Hier erzählt er seine Geschichte.

Ich bin gelernter Kirchenmusiker. Doch weil ich keine Stelle fand, fing ich bei einer grossen Werbeagentur an. Ich arbeitete gern und gerne auch mehr. Die anderen sollten sehen, wie viel ich machte. Es war ein schleichender Prozess. Der Zerfall meiner Ehe und auch das Zuviel im Beruf. Probleme in der Familie kompensierte ich mit noch mehr Arbeit. Irgendwann sah ich meine Tochter an und dachte: Wo bist du eigentlich, während sie heranwächst?

Als die Ehe zerbrach, blieb unsere Tochter bei mir. Ich wollte Verantwortung zeigen. Doch beruflich war ich in der Zwickmühle. Mein Job ernährte uns zwar, aber wenn ich für meine Tochter da sein wollte, konnte ich nicht so weiterarbeiten. Monatelang quälte ich mich mit der Entscheidung, dann machte ich einen radikalen Schnitt, stieg aus dem Job aus und wir lebten erst einmal von meinen Ersparnissen. Doch was dann kam, damit hatte ich nicht gerechnet.

Leben wie ein Roboter

Daheim kam der psychische Zusammenbruch. Zuvor hatte ich mich immer voller Disziplin darauf konzentriert zu funktionieren. Als ich dann nicht mehr diszipliniert sein musste, nicht mehr den ganzen Tag lang funktionieren sollte, erst da realisierte ich, was eigentlich alles kaputt ist. Trotzdem merkte ich nicht nicht, dass ich einen klassischen Burn-Out hatte. Meine Gefühlsebene war nicht mehr vorhanden. Ich schaffte es noch einzukaufen und für meine Tochter zu kochen, ansonsten schlief ich und lag auf dem Sofa. Ich konnte mich an nichts mehr freuen.

Irgendwann dachte ich, es könnte mir helfen, wieder ein bisschen Musik zu machen. Als Junge hatte ich mir immer eine E-Gitarre gewünscht und ich glaubte, wenn ich mir diesen Traum erfülle, dann werde ich sicher einen Moment lang glücklich sein. Aber so war es nicht.

«Das ist etwas Ernstes»

Die Gitarre war da und alles funktionierte. Aber glücklich war ich nicht. Vielmehr überkam mich die Enttäuschung: So fühlt man sich also, wenn man sich einen Kindheitstraum erfüllt? – Leere? Erst da wurde mir bewusst, dass ich gar nichts mehr fühlen kann. 

Freunde dachten, ich leide eben unter der Scheidung und verstanden nicht, was mit mir los ist. Einer riet mir, etwas zu lesen, aber ich konnte mich nicht konzentrieren. Ich kam einfach nicht über die fünfte Seite hinaus und konnte mir nichts merken. Als ich realisierte, dass ich nichts mehr fühle und nicht mal mehr in der Lage bin, ein normales Buch zu lesen, da wurde mir klar: Das ist etwas Ernstes.

Sehnsucht nach Leben

Obwohl mir das Lesen so schwerfiel, griff ich damals nach der Bibel. Und es war ein Satz aus der Bibel, der die Wende einleitete. Im Epheser-Brief ist die Rede vom inwendigen Menschen, der ernährt und gestärkt werden muss. Als ich diesen Satz las, fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ja, mein inwendiger Mensch, der ist mir irgendwie abhandengekommen. Ich spürte: Wenn ein Satz aus der Bibel sagt, was mit mir los ist, dann kann mir dieses Buch auch helfen, wieder Neues wachsen zu lassen.

Ich fing an, viel in der Bibel zu lesen und tatsächlich fand ich dadurch neuen Lebensmut, wurde motivierter beim Aufstehen am Morgen. Ich fing an, spazieren zu gehen und mich wieder für das Leben um mich herum zu interessieren.

«Das Wort Gottes kann auch mich lebendig machen»

In dieser Zeit begriff ich zum ersten Mal, was es heisst, dass das Wort Gottes lebendig ist. Nämlich: dass es auch mich lebendig machen kann, selbst wenn ich innerlich eigentlich tot bin. Schritt für Schritt fand ich zurück in ein normales Leben.

Heute arbeite ich als Organist und Musiklehrer. Doch das wichtigste: Ich habe mein inneres Gleichgewicht wiedergefunden. Heute stehe ich morgens auf und freue mich schon. Und ich hab das Gefühl, dass nichts diese Freude trüben kann. Noch nicht einmal der Moment, wo meine Tochter – die jetzt mittlerweile 16 ist – morgens noch sehr schlecht gelaunt die Treppe runterkommt. Selbst darüber kann ich mich freuen, weil ich genau weiss, mit 16 war ich genau so...

Hier erzählt Matthias Menzel seine Geschichte, ein Beitrag von CBN-Deutschland, Autor: Stephan Dublasky:

Diese Geschichte wurde mit freundlicher Genehmigung von CBN Deutschland publiziert.

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