Ex-Muslim im Libanon – «Nahen Osten mit Liebe erobern statt mit Marschflugkörpern»

Mohammad Yamout
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Mohammad Yamout
17.12.2020
6 min

Mohammad Yamout entkam Beirut nur knapp lebendigen Leibes. Längst ist er zurückgekehrt ins damalige Chaos des Krieges im Libanon. Seither gibt er vor Ort die hoffnungsvolle Botschaft von Christus weiter.

Mohammads Vater war einer der vielen Palästinenser, die im Kampf gegen Israel involviert waren und im Libanon Zuflucht suchte. Dort heiratete er Mohammads Mutter. Als er die Familie verliess, musste die Mutter zwei Jobs annehmen, um die drei Kinder zu versorgen. Mohammad, dem die elterliche Aufsicht fehlte, trieb sich auf der Strasse herum.

In der Nähe gab es eine Kirche, die die Kinder der Umgebung zur Sonntagsschule aufnahm, und Mohammad, der Muslim war, besuchte sie wegen der Unterhaltung und des kostenlosen Essens. Im Alter von 14 Jahren entschied er sich für ein Leben mit Jesus Christus. Nachts um 3 Uhr auf der Plastikplane, auf der er schlief, betete er. «Herr Jesus, bitte hilf mir. Ich bin verzweifelt. Ich bin hilflos. Ich bin hoffnungslos. Ich halte es nicht mehr aus. Ich brauche dich», sagte er unter Tränen, und dann schlief er innerhalb einer halben Stunde ein. «Am Morgen nahm ich eines der vielen Neuen Testamente in der Sonntagsschule, steckte es in meine Schultasche und ging in die Schule und begann, den Leuten von meinem Erlebnis zu erzählen.»

Gegenwind

Er war begeistert, dass er die Antworten auf seine quälenden Fragen gefunden hatte und er erzählte allen mutig von Jesus. «Alle haben sich gefragt, warum das passiert ist», sagt er. «Ich war damals Feuer und Flamme und konnte nicht still sein. Ich musste reden. Ich musste den Leuten erzählen, was mit mir passiert war. Ich fühlte innere Ruhe und Frieden. Ich war traumatisiert gewesen, denn ohne Vater aufzuwachsen, war traumatisierend für dich. Gott wollte mich retten, weil Gott einen Plan hatte.»

Die Nachbarn wurden zornig und bedrängten seine Mutter, das zu tun, was der Islam erfordert: Ihn rauszuschmeissen. Das war kein Problem für Mohammad. Er begann, in dem Lagerhaus zu schlafen, in dem er arbeitete.

Sechs Monate versteckt

Nachdem Extremisten versucht hatten, ihn zu töten, versteckte ihn sein Pastor für sechs Monate in dessen Heimatstadt. Als er zurückkehrte, setzte er sein mutiges Zeugnis für Christus fort. Er schloss sich einem evangelischen Lehrer an, mit dem er  Strassenevangelisation in Beirut machte, bis der Lehrer getötet wurde.

«Du bist der Nächste», warnte ihn sein Pastor und sorgte dafür, dass er mit einem Studentenvisum in die Vereinigten Staaten reisen konnte, um 1986 sein Bachelor-Studium an der Bob Jones University in Greenville, South Carolina, zu beginnen. Mohammad schloss 1989 sein Studium der Buchhaltung ab und erhielt ein Jobangebot von Arthur Andersen in New York und ein weiteres von Price Waterhouse in Kairo, da er fliessend Arabisch sprach. Er war auch in ein hübsches Mädchen verliebt.

«Aber irgendwie hat der Herr mich diese Jobs nicht annehmen lassen und mich nicht in den USA bleiben lassen. Ich spürte, dass ich zurückgehen sollte.»

Er diente auf Beiruts Strasse

Der Libanon befand sich zum Zeitpunkt seiner Rückkehr gerade in einem bewaffneten Konflikt, und Mohammads alte Kirche existierte fast nicht mehr. Der Pastor war geflohen, ebenso wie die meisten Mitglieder. Nur vier ältere Frauen trafen sich noch.

Unerschrocken begann Mohammad, auf der Strasse zu dienen und die Mitglieder der Gemeinde zu besuchen, sie zu ermutigen, sich neu zu gruppieren, und Gott brachte einen erneuten Zuwachs auf 100 Mitglieder im Jahr 1991. Der Pastor kehrte zurück und übernahm die Leitung erneut. Mohammad heiratete eine Konvertitin aus der Gemeinde.

Sechs Wochen hinter Gittern

Zwischenzeitlich arbeitete er in der Geschäftswelt, baute mehrere Geschäfte aus, blickte bald auf ein Vermögen von rund einer halben Million Dollar und finanzierte die Kirche und er stand bedürftigen Menschen bei. Doch Mohammad wusste, dass dies nicht der Wille Gottes war. «Ich war für den vollzeitlichen Dienst berufen.»

Sein Vermögen schwand plötzlich auf null, konfrontiert mit Schulden und Prozessen ging er bankrott und kam für sechs Monate ins Gefängnis.

Eines Tages joggte er danach am Strand und Gott versetzte ihn zurück an den Tag, an dem er sich für Jesus entschieden hatte. «Es machte einfach wieder klick, dieselben Gefühle, dieselbe Situation wie in dem Moment, als ich gerettet wurde. Ich fühlte, wie dumm ich war, weil ich Gottes Ruf vernachlässigt hatte, wie töricht ich gewesen war.»

Seine Frau staunte nicht schlecht: «Wir haben fünf Kinder», fragte sie ungläubig. «Wie sollen wir unsere Kinder grossziehen?»

Zurück auf der Strasse

Mohammad kehrte zu seiner ersten Liebe, dem Dienst auf der Strasse, zurück. Er missionierte in Tripolis, Beirut und Byblos. Als sie nach Tyros kamen, geschah etwas Besonderes. Mohammad verliebte sich in den Ort. «Jesus war vor zweitausend Jahren hier. Paulus, der Apostel, war hier. Dies ist das Land des Evangeliums in Obergaliläa. Hier ist Jesus herumgegangen und hat den Menschen die Gute Nachricht verkündet.»

Er erkannte, dass Gott ihm zeigte: «Geh, hol das Land aus der totalen Finsternis zurück.» Gleichzeitig war der Ort gefährlich, «aber ich glaube, dass wir eine Waffe haben, die viel grösser ist als Gewalt und die Gewalt überwinden kann, und das ist die Liebe. Wer hat gesagt, dass die Verkündigung des Evangeliums umsonst ist. Jesus sagte: 'In der Welt werdet ihr Bedrängnis haben, aber seid guten Mutes. Ich habe die Welt überwunden.'»

Kosten überschlagen

«Als meine Frau und ich nach Tyros gingen, überschlugen wir die Kosten. Wir wussten, dass wir sterben könnten. Wir wussten beide, dass unsere Kinder in Gefahr sein könnten, aber wir wussten auch, dass der Gott, der uns gerufen hat, und der Gott, der uns gesandt hat, sich um uns kümmern würde.»

Er wolle die Frohe Botschaft nicht kompromittieren, um Verfolgung zu vermeiden. «Viele Leute sagen unter dem Vorwand der 'Weisheit': 'Du weisst, dass du weise sein musst.' Ich weiss nicht, wie weise man sein kann. Ich glaube nicht, dass wir weiser sein können als Jesus Christus.»

Es sei wichtig, die islamische Welt zu erreichen: «Die muslimische Welt ist verzweifelt; Brüder bringen sich gegenseitig um. Junge Menschen sind hilflos und hoffnungslos, sie suchen nach einer Alternative. Die Alternative ist nicht da, denn wir haben Angst. Wir müssen hingehen. Wir müssen anfangen, den Nahen Osten mit Liebe zu erobern, nicht mit Marschflugkörpern.»

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