Er entfloh einst der Armut – «Ohne Gott könnte ich nicht die Hälfte tun»

Francisco Cornelius mit seiner Familie
Imported Image
Francisco Cornelius mit seiner Familie
5.10.2020
3 min

Francisco Cornelius (59) aus Kapstadt erlebte in seiner Kindheit eine schwere Enttäuschung. Mit einem Kinderheim steht er mit seinem Team heute 60 anderen jungen Menschen bei. Die Kraft schöpft er bei Gott.Francisco wuchs als ältestes von elf Kindern in Kapstadt auf. «Wir waren arm, es gab weder fliessendes Wasser noch Toiletten mit Spülung. Es gab ein Schlafzimmer für die Jungs, eines für die Mädchen, eins für die Eltern sowie eine Küche und einen Aufenthaltsraum.»

Früh lernte er zu teilen und auf jene zu achten, die weniger hatten. «Mit 16 verliess ich die Schule, um zu arbeiten und die Familie zu unterstützen.» Dies war gleichzeitig die grösste Enttäuschung seines Lebens: «Am liebsten wäre ich weiterhin mit meinen Freunden zur Schule gegangen.»

Zwei Jahre arbeitete er für die südafrikanische Marine und durchlief gleichzeitig ein Fernstudium, um dennoch das Abitur zu beenden.

Gelernt, auf Menschen einzugehen

Durch seinen Vater lernte er, «mit Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und Kultur zu arbeiten. Er war ein weiser Mensch, an seiner Seite habe ich gelernt, Menschen zu verstehen.» Oft wurde Francisco von anderen um Rat gefragt, was sie tun sollten, wenn sie in Schwierigkeiten irgendwelcher Art gerieten. Mit 28 Jahren erkannte er, dass er dazu berufen war, mit jungen Menschen zu arbeiten, obwohl es in seinem Job eigentlich gut lief. Daraufhin hat er sich ein Diplom für Kinder- und Jugendhilfe in Heimen erworben.

Er nahm eine Stelle in einem Heim der Städtischen Mission in Kapstadt an, zu einem Bruchteil seines vorherigen Salärs. In der Folge arbeitete er für verschiedene Kinderzentren im ganzen Land, heiratete MaryJean und wurde Vater von vier Kindern.

«Sie brauchen Fürsorge, Liebe, Bestätigung»

Leliebloem House
Imported Image
Leliebloem House

Vor elf Jahren kam er dann ins «Leliebloem House». Seit 152 Jahren ist dies ein Wohnheim, ein Ort der Fürsorge und Ermutigung für Kinder, die von der Justiz als pflege- und schutzbedürftig erachten. Die 4- bis 18-Jährigen Kinder und Jugendlichen, die er mitbetreut, seien «oft durch grosse Traumata wie Trennung und Verlust gegangen. Die meisten Kinder haben bei der Aufnahme ein Defizit auf allen Entwicklungsstufen und brauchen Liebe, Fürsorge, Bestätigung und Ehrlichkeit», so Francisco.

Der Ansatz sei, Dinge mit den Kindern und nicht für sie zu tun. Spielen sei dabei eine wichtige therapeutische Intervention. «Vielen Kindern fällt es aufgrund des immensen Traumas, das sie in der Vergangenheit erlitten haben, schwer, zu sitzen und ihre Herausforderungen und Erfahrungen zu teilen. Die organisierten Spiele und Spieltherapiesitzungen helfen ihnen bei der Aufarbeitung früherer traumatischer Erlebnisse.»

Kinder besuchen lokale Schulen

Ziel sei es, jedes Kind zurück zu seiner Familie zu führen. «Die Eltern werden ermutigt, in Leliebloem mitzuhelfen, vielleicht beim Putzen oder bei der Wäsche. Auf diese Weise lernen sie den Rhythmus und die Konsequenz, die bei der Betreuung von Kindern notwendig sind, kennen. Gleichzeitig sieht das Kind, wie die Eltern etwas Praktisches tun, um das Familienleben wiederherzustellen.»

Die Kinder werden in 17 verschiedene lokale Schulen geschickt. Stets arbeitet zudem ein halbes Dutzend Freiwillige aus Europa mit. «Um unsere eigene Stärke als Team zu erhalten, treffen wir uns jeden Montagmorgen zu einer Andacht, bei der wir miteinander reden, singen und beten. Ich vertraue auf einen Gott, von dem ich glaube, dass er mich führt und mir Kraft gibt. Ich weiss zweifellos, dass ich ohne ihn nicht einmal die Hälfte dessen, was ich tue, schaffen könnte. Ich glaube, dass alle wahre Weisheit von Gott kommt.»

Teile diesen Beitrag
Das könnte dich auch interessieren
Story
gaby-stamm-portraet

«Wir haben 52 Söhne bekommen …»

Gaby und David Stamm sind nie Eltern geworden. Trotzdem gehören Kinder zu ihnen und ihr Haus ist immer wieder belebt. Sie nahmen schon mehrfach Menschen in Not auf, manchmal für mehrere Jahre. Und sie beherbergen Wandergesellen auf der Walz.
Story
anna-shammas-im-klassenzimmer

Neun Jahre heimatlos

Das Magazin «Amen» hat in Form von Kurzfilmreportagen festgehalten, wie Menschen in der heutigen Zeit Jesus erleben. Heute berichtet Anna Shammas aus Syrien, wie es ihr erging, als sie in die Schweiz kam.
Story
Craig DeMartino überlebte den Sturz und kann heute wieder klettern

«Gott ist keine Krücke, sondern die Brücke»

Von rund dreissig Metern auf einen Felsen zu stürzen, würde für viele Menschen tödlich enden. Doch Spitzenkletterer Craig DeMartino überlebte den Sturz. Heute klettert er wieder – mit einer Prothese – und tritt als Ermutigungsredner auf.
Story
Mike Flynt

Reue brachte ihn zu einem unglaublichen Comeback

Mit 59 Jahren war Mike Flynt einer der ältesten College-Spieler der Geschichte. Das Durchhaltevermögen des Sohnes eines Kriegshelden – sein Vater war beim D-Day dabei – wurde durch frühe Widrigkeiten geformt.