Trotz Mobbing und Scham – Sue Corl: «Ich bin wunderbar gemacht»

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Sue Corl ist die Gründerin der gemeinnützigen Organisation «Crown of Beauty International». Sie wurde mit einer schweren Lippen-Kiefer-Gaumenspalte geboren und musste aufgrund ihres Aussehens Mobbing und schlimme Übergriffe ertragen.
25.2.2025
5 min

«Ich wurde mit einer extrem schweren Lippen-Kiefer-Gaumenspalte geboren – so schwer, dass ich keine Nase, keine Oberlippe und keinen oberen Gaumen hatte», erinnert sich Sue Corl an ihre ersten Lebenstage. «Nach drei Wochen konnten mich die Ärzte nicht mehr ernähren und schickten mich nach Hause, weil sie nicht glaubten, dass ich überleben würde.»

Doch ihre Mutter, die als Kinderkrankenschwester im selben Krankenhaus arbeitete, gab sie nicht auf. «Zufälligerweise arbeitete genau in diesem Krankenhaus einer der führenden Chirurgen für Lippen-Kiefer-Gaumenspalten. Und Mama hatte schon viele Kinder mit dieser Krankheit behandelt und betete verzweifelt: 'Herr, rette mein Baby. In ihrem Herzen hörte sie eine klare Antwort: ‘Nein, sie wird nicht sterben. Ich habe einen Plan für sie.'»

Dank ihrer Kreativität fand die Mutter einen Weg, Sue zu ernähren. «Nach drei Monaten kehrte sie mit mir ins Krankenhaus zurück und bestand darauf, dass der Arzt mich operierte. Trotz der Bedenken wegen meines schwachen Herzens überlebte ich die Operation – der erste von insgesamt 26 schweren Eingriffen in den ersten 15 Jahren meines Lebens.»

Mobbing, Einsamkeit und Schmerz

Ihre Mutter hielt sie nicht nur körperlich, sondern auch emotional am Leben. «Aber als ich in die Schule kam, wurde es richtig schlimm. Während mich die Kinder in der Nachbarschaft kannten und meine Brüder mich beschützten, war ich in der Schule auf mich allein gestellt. Ich hatte eine schwere Sprachstörung, fehlende Zähne und musste im Laufe der Jahre viele zahnärztliche Eingriffe über mich ergehen lassen. Sogar eine Lehrerin sagte mir in der ersten Klasse, dass ich nicht bei den anderen Kindern sitzen dürfe, weil ich 'komisch' sprechen würde.»

Sie begann zu glauben, was die anderen über sie sagten, «dass ich hässlich sei, nicht liebenswert und ein ‘Freak’. Sie nannten mich ‘Hundegesicht’. Ich zog mich immer mehr zurück und baute eine Schutzmauer um mich auf, die mich bis ins Erwachsenenalter begleitete.»

Bis ins Nationalteam geschafft

In der Mittelschule entdeckte sie ihr sportliches Talent und wurde zur besten Athletin ihrer Schule. «Das hat mir Selbstvertrauen gegeben. Aber im Grunde war ich überzeugt, dass ich nicht wegen meiner Persönlichkeit oder meines Aussehens akzeptiert wurde, sondern nur wegen meiner sportlichen Leistungen.»

Auf dem College schaffte sie es ins US Nationalteam im Lacrosse. «Aber ich glaubte fest daran, dass kein Mann mich als Frau jemals wirklich lieben könnte. Ich sehnte mich nach Nähe und ging auf Partys – nur um Freunde zu finden. Doch gleich zu Beginn geschah etwas Schreckliches: Ein junger Mann, der freundlich zu mir war, bot mir an, mich nach Hause zu begleiten. Unterwegs hat er mich vergewaltigt.»

Dieses traumatische Erlebnis zerbrach etwas in ihr: «Ich zog mich noch mehr zurück und kehrte Gott den Rücken zu. Ich habe mich so geschämt.»

Die Erkenntnis: «Ich bin wunderbar gemacht»

In ihrem dritten Studienjahr begann ihr Bruder, der durch «Campus für Christus» seinen Glauben wiederentdeckt hatte, sie wieder näher zu Gott zu führen. «Zum ersten Mal habe ich erfahren, dass der Heilige Geist in uns lebt und uns Kraft gibt.»

Sie vertiefte sich in die Bibel, besonders in Psalm 139. Dort heisst es: «Du hast mich mit meinem Innersten geschaffen, im Leib meiner Mutter hast du mich gebildet. Herr, ich danke dir dafür, dass du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast! Grossartig ist alles, was du geschaffen hast – das erkenne ich!» (Psalm 139, Verse 13-14)

Sie hatte diese Verse schon oft gelesen, aber plötzlich wurde ihr klar, dass sie sie im Grunde nie wirklich geglaubt hatte. «Ich dachte: 'Das gilt für andere – aber nicht für mich. Aber Gottes Wort ist wahr – für jeden Menschen. Diese Erkenntnis begann, mein Denken und mein Herz zu verändern.»

Sue Corl wird zur Schlüsselperson

Im Sommer ihres dritten Studienjahres unternahm sie eine Missionsreise zu ihrem Bruder auf die Philippinen. «Dort erkannte ich, dass Gott mich in den vollzeitlichen Dienst berufen hatte.»

Nach dem Studium schloss sie sich «Campus für Christus» an und arbeitete zehn Jahre lang in der Jugendarbeit auf Hawaii. «Danach ging ich für 25 Jahre nach Asien.» Sie sah, dass viele Menschen, die in den Dienst gingen, mit Depressionen, Eheproblemen oder Konflikten kämpften. «Ich erkannte, dass Gott mich durch meinen eigenen Heilungsprozess geführt hatte – und dass ich nun anderen helfen konnte, dasselbe zu erleben.»

«Gott kann die dunkelsten Zeiten verändern»

Nach 42 Jahren bei «Campus» gründete die Ehefrau und Mutter zweier Kinder ihr eigenes Werk «Crown of Beauty International» (dt. Schönheitskrone International).

Ein besonderes Erlebnis hatte sie in Thailand. «Nach einem Vortrag kam eine alte Frau auf mich zu. Sie sagte mir durch den Übersetzer: ‘Ich wollte gar nicht hierher kommen. Ich wollte mir heute Abend das Leben nehmen. Mein Sohn hat mich gezwungen, zu dieser Veranstaltung zu gehen. Aber als ich hörte, was du und deine Mutter durchgemacht habt, wurde mir klar, dass ich all den Lügen des Feindes geglaubt hatte. Jetzt weiss ich, dass Gott einen Plan für mein Leben hat.'» In diesem Moment sei ihr bewusst geworden, «dass Gott selbst die dunkelsten Momente unseres Lebens in Hoffnung verwandeln kann».

Heute leitet sie ein Team, das Frauen auf der ganzen Welt ausbildet – unter anderem im Libanon, in Bangladesch, auf den Fidschi-Inseln und bald auch in Nepal. «Crown of Beauty International» konzentriert sich darauf, Frauen durch biblische Lehre Freiheit und Heilung zu bringen. So wie Sue Corl selbst emotionale Heilung erfuhr und ihre wahre Identität in Christus erkannte.

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