Von Erfolg zu Bedeutung – «Wenn es dir schlecht geht, diene jemandem, dem es noch schlechter geht»

15.1.2016
3 min

Als sein erfolgreiches Unternehmen mit einem Mal pleite geht und seine Ehe zerbricht, fragt Oie Osterkamp nicht «Warum ich», sondern vielmehr «Wozu, Gott?». Und er findet eine Aufgabe, die ihn heute mehr erfüllt als jedes grosse Gehalt oder erfolgreiche Geschäft. Auch punkto Familie erhielt er die Chance für einen Neuanfang.

Oie Osterkamps Leben ist nahezu perfekt. Gemeinsam mit einem Partner führt der US-Amerikaner ein Millionen-Unternehmen, eine private Arbeitsvermittlung und beschäftigt Arbeitnehmer im gesamten Südosten der USA. «Wir wurden gebeten, Mitglieder in Vorständen zu werden, zu Gruppen zu sprechen… es war eine tolle Zeit», erinnert sich Osterkamp.

Plötzlich pleite

Mit einem Mal beginnt die Krankenversicherung, zu der alle Angestellten gehören, Rechnungen nicht mehr zu bezahlen. Schlussendlich stellt sie alle Zahlungen ein: Osterkamp und sein Partner sehen sich mit Schulden von 350'000 US-Dollar konfrontiert. Ihr Anwalt rät ihnen, die einzelnen Firmen, bei denen die Angestellten arbeiteten, zum Zahlen aufzufordern. «Das wäre die richtige Entscheidung gewesen – aber es war keine ethisch korrekte Entscheidung…» Seine Firma übernimmt 100 Prozent der Kosten, doch der Betrag ist zu hoch. Die Bank gibt ihnen keinen Kredit mehr und es geht mit der Firma bergab. Letztlich können sie das Unternehmen an einen Konkurrenten verkaufen und mit dem Gewinn gerade mal ihre Schulden abbezahlen.

«Was kann ich tun, um Gott zu ehren?»

Doch mit der Firma geht auch Osterkamps Ehe zu Ende. «Ich hatte keine Arbeit, keine Perspektiven, keinen Ort zum Schlafen…» Er kommt auf dem Gästebett seines ehemaligen Partners unter. Was jetzt? Osterkamp erinnert sich: «Häufig beten wir [in solchen Situationen]: 'Gott, gib mir dies und tu das!' Aber ich glaube, was mir geholfen hat, ist, dieses Gebet umzudrehen und zu sagen: 'Gott, was willst du mir dadurch beibringen? Gott, was kann ich in dieser Situation tun, um dich zu ehren?'»

Dort, ganz unten angekommen, erinnert er sich an die Worte seiner Mutter: «Wenn es dir schlecht geht, diene jemandem, dem es noch schlechter geht…» Und genau das tut er. Er beginnt, sich im Missionsdienst seiner Gemeinde einzubringen und gründet eine Hilfsorganisation, die arme Menschen in Honduras unterstützt.

Jeder Tag ist eine Predigt…

Doch er muss auch irgendwo Geld verdienen – und die richtige Arbeitsstelle lässt auf sich warten. Er hilft hier und dort, aber es ergibt sich nichts Dauerhaftes – bis er Ende 2014 auf das «Ronald McDonald House» in Durham, North Carolina trifft. Hier können Familien gratis übernachten und essen, deren Kind im weltbekannten «Duke Children’s Hospital» behandelt werden. Viele von den Kindern, die beispielsweise an Krebs leiden, müssen wochen- oder sogar monatelang im Krankenhaus bleiben. Die Familien geben ihre gesamten Ersparnisse für die Behandlung des Kindes aus und können sich kein Hotel leisten. Für sie steht das Gästehaus offen, das sich durch Spenden der Menschen Durhams finanziert.

Liebe und Trost

Heute ist Oie Osterkamp Leiter vom «Ronald McDonald House». «Man könnte mir kein Angebot machen, das hoch genug wäre, um mich dazu zu bringen, etwas Anderes zu machen», ist sich Osterkamp sicher. «Ich bin von Erfolg zu Bedeutung gekommen…»

Laut dem ehemaligen Unternehmer schreibt ein Christ jeden Tag durch seine Taten eine Predigt. «Jeden Morgen, wenn du aufstehst und deine Füsse den Boden berühren, beginnst du zu predigen… Du entscheidest an jedem Tag deines Lebens, wie diese Predigt aussehen soll…» Die Predigt von Osterkamp ist definitiv ermutigend und beispielhaft!

Mittlerweile konnte Osterkamp auch punkto Familienleben einen Neuanfang machen. Die Zeit mit seiner Frau und seinem fünfjährigen Sohn geniesse er besonders, schreibt er auf seinem Facebook-Profil.

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