Häusliche Gewalt – «Wer zuschaut und schweigt, wird Teil des Problems»

Häusliche Gewalt
Imported Image
Häusliche Gewalt
30.11.2021
4 min

Die gebürtige Kenianerin Abbie Mumbi war einst selbst Opfer häuslicher Gewalt. Mit Gottes Hilfe erlebte sie Heilung ihrer Wunden und Verletzungen. Heute schreibt und predigt Abbie über diese gesellschaftliche Not, die sich durch die Pandemie noch verschärft hat.

Heute lebt Abbie Mumbi in Grossbritannien in sicheren Umständen. Kürzlich kam ihr Buch «More Than Just a Face» heraus, in dem sie ihre Geschichte schildert. «Mein Ex-Mann biss mir die Nase ab, schnitt mein Ohr ab und zerschnitt mein Gesicht wie einen Kohlkopf, um mir die Kehle aufzuschlitzen», erinnert sich Abbie Mumbi. Die Kirche dürfte zur häuslichen Gewalt nicht schweigen, sagt Abbie heute.

Zunahme in Covid-Krise

«Häusliche Gewalt hat aufgrund der Covid-19-Pandemie stark zugenommen», bilanziert Abbie Mumbi. «Sie hat sich zu einer Pandemie innerhalb der Pandemie entwickelt, aber es gibt keine globalen Bemühungen oder Impfstoffe gegen diese Gräueltat.»

Obwohl häusliche Gewalt eine unübersehbare Realität in unserer Welt sei, würden viele noch immer die Augen davor verschliessen. «Oft wird dieses Problem noch verharmlost», bedauert Abbie Mumbi. Die Opfer würden teilweise beschuldigt und ausgegrenzt. Die Frauen würden oft verdächtigt, sich selbst so verhalten zu haben, dass sie es verdient haben. Auch die Kirche habe sie noch kaum als Hilfe erlebt. «Die Kirche hat hauptsächlich mit Schweigen, Trägheit und einer Haltung reagiert, die eher die Täter als die Opfer unterstützt.»

Warum lässt Gott das zu?

Abbie Mumbi wäre selbst beinahe aufgrund häuslicher Gewalt gestorben. «Nur durch die Gnade und Barmherzigkeit Gottes bin ich heute noch am Leben.»

Nachdem sie die eigentlichen Angriffe überlebt hatte, sei eine zweite Welle auf sie niedergegangen. Diesmal ging es um Anschuldigungen und Vorwürfe. «Die Menschen, die ich kannte, zeigten nicht viel Mitgefühl; viele gaben mir sogar die Schuld daran, dass mein Mann im Gefängnis war. Ich war körperlich, seelisch und geistlich gebrochen und wurde mit der Schuld am zerrütteten Zuhause belastet. Ich hatte so viele Fragen, auch an Gott. Wie und warum konnte er zulassen, dass mir so etwas passiert?»

Befreiende Heilige Schrift

Abbie Mumbi
Imported Image
Abbie Mumbi

Sie fand ihre Antworten, indem sie die Heilige Schrift studierte. «Sehen Sie, Christus hat Sexismus und andere Ungerechtigkeiten in der jüdischen Tradition radikal bekämpft; denken wir an die Frau – und den Mann! –, die auf frischer Tat ertappt wurden.»

Gleichzeitig beobachtet Abbie Mumbi: «Doch die Heilige Schrift wird oft benutzt, um diese negativen Einstellungen gegenüber Frauen und Mädchen zu propagieren. Aussagen wie 'Gott hasst Scheidung' werden aus dem Zusammenhang gerissen. Sogar der Teufel zitiert die Schrift, lassen Sie sich also nicht täuschen!»

Abbie Mumbi fährt fort: «Ich glaube, dass Maleachi Kapitel 2Gottes ausgezeichnete Standarts darlegt. Er sagt uns, wie wir uns zum Bruder, zum Ehepartner und zu Gott verhalten sollen. Er warnt uns davor, Menschen zu verraten, weil Gott ein Zeuge ist. Ich hatte einen Heureka-Moment, als ich diese Schriftstelle las. Die Schuldgefühle, die mich wegen meiner zerbrochenen Ehe belasteten, schmolzen dahin.»

Eintreten und Aufstehen

Eine weitere ermutigende Bibelstelle für Abbie ist die Geschichte von Abigail und Nabal in 1. Samuel, Kapitel 25. «Die Bibel berichtet, dass Nabal aus Torheit starb, aber als diese Frau sein bevorstehendes Ende sah, weigerte sie sich, stillschweigend zuzusehen, wie ihr Haus zerstört wurde. Sie unternahm etwas dagegen. Der Ehemann sollte seinen Teil als Oberhaupt des Hauses tun, aber in Wirklichkeit war er das Problem. Abigail schritt ein und meldete sich zu Wort.»

Zunächst hatte sie selbst in ihrem Leben anders gehandelt: «Viele Jahre lang habe ich nichts gegen die Misshandlungen meines Mannes unternommen, weil ich an eine Veränderung durch Gott glaubte, aber jetzt glaube ich, dass ich teilweise naiv war und teilweise einer Gehirnwäsche unterzogen wurde. Gott hat uns einen Verstand und Weisheit gegeben, und er erwartet von uns, dass wir auch selbst aktiv werden und handeln. Die Weisheit verlangte von mir, mich und unsere Kinder an einen sicheren Ort zu bringen.»

Heilskraft ist verfügbar

Aus ihrer heutigen Perspektive rät Abbie Mumbi: «Ich möchte diejenigen ermutigen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, etwas zu tun, bevor es zu spät ist. Lesen Sie das Wort Gottes im Zusammenhang und lesen Sie es täglich, bis es ein Teil von Ihnen ist und reichlich in Ihnen wohnt. Seine unglaubliche Heilkraft ist auch für Sie verfügbar.»

Für diejenigen, die nicht in einer solchen Situation gefangen sind, aber jemanden kennen, der es ist, stellt Abbie Mumbi die Frage: «Was tun Sie dagegen? Unterstützen, lieben und ermutigen Sie das Opfer ... oder sind Sie durch Ihr Schweigen und Ihre mangelnde Bereitschaft zu handeln Teil des Problems?»

Teile diesen Beitrag
Das könnte dich auch interessieren
Story
gaby-stamm-portraet

«Wir haben 52 Söhne bekommen …»

Gaby und David Stamm sind nie Eltern geworden. Trotzdem gehören Kinder zu ihnen und ihr Haus ist immer wieder belebt. Sie nahmen schon mehrfach Menschen in Not auf, manchmal für mehrere Jahre. Und sie beherbergen Wandergesellen auf der Walz.
Story
anna-shammas-im-klassenzimmer

Neun Jahre heimatlos

Das Magazin «Amen» hat in Form von Kurzfilmreportagen festgehalten, wie Menschen in der heutigen Zeit Jesus erleben. Heute berichtet Anna Shammas aus Syrien, wie es ihr erging, als sie in die Schweiz kam.
Story
Craig DeMartino überlebte den Sturz und kann heute wieder klettern

«Gott ist keine Krücke, sondern die Brücke»

Von rund dreissig Metern auf einen Felsen zu stürzen, würde für viele Menschen tödlich enden. Doch Spitzenkletterer Craig DeMartino überlebte den Sturz. Heute klettert er wieder – mit einer Prothese – und tritt als Ermutigungsredner auf.
Story
Mike Flynt

Reue brachte ihn zu einem unglaublichen Comeback

Mit 59 Jahren war Mike Flynt einer der ältesten College-Spieler der Geschichte. Das Durchhaltevermögen des Sohnes eines Kriegshelden – sein Vater war beim D-Day dabei – wurde durch frühe Widrigkeiten geformt.