Saroeun Sek – Wie ein DJ half, Hunderte von Mädchen zu retten

Saroeun Sek
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Saroeun Sek
26.6.2020
4 min

Saroeun Sek war DJ in einem für Kindersexhandel berüchtigten Club in Phnom Penh, Kambodscha. Er begann, Undercover zu arbeiten und rettete dadurch Hunderte von Mädchen aus dem Menschenhandel.Eines Tages wurde Saroeun Sek von zwei Männern angesprochen, die zunächst ganz normale Kunden zu sein schienen. Es war April 2004, und der Jura-Student legte jeden Abend im «Martini»-Club als DJ auf, während Zuhälter offen minderjährige Mädchen in den Club brachten, damit Kunden um Sex feilschen konnten.

«Sie kamen zum DJ-Tresen und versuchten, mit mir zu plaudern», erinnert sich Saroeun an das Treffen, das sein Leben veränderte. «Sie versuchten nur, meinen familiären Hintergrund, meine Ausbildung, mein Gehalt, meine Motivation zu erkunden.»

Plötzlich Undercover

Und sie fragten auch, wie viele der Mädchen minderjährig sind, woher sie kommen und von wo die 'Kunden' kommen. Bald merkte Saroeun, dass die Männer nicht Kunden waren, sondern Ermittler gegen Menschenhandel aus dem neu eröffneten kambodschanischen Büro der «Internationalen Justizmission» (IJM).

Die IJM ist eine christliche Nichtregierungsorganisation, die mit lokalen Behörden zusammenarbeitet, um Gewaltopfer zu retten, Kriminelle vor Gericht zu bringen, Überlebende wiederherzustellen und das Justizsystem zu stärken.

Zwei Wochen später, als die IJM-Mitarbeiter zurückkamen, fragten sie Saroeun, ob er bereit wäre, als Undercover-Agent zu arbeiten, um Informationen über die sexuelle Ausbeutung von Kindern im Club zu sammeln und wöchentliche Berichte zu erstellen.

«Wenn Sie nervös sind, lesen sie einfach die Bibel»

Als Jurastudent war Saroeun sehr daran interessiert, eine berufliche Beziehung zur IJM aufzubauen. Doch als er am 3. Mai 2004 einen Vertrag unterschrieb, um für die IJM als Informant zu arbeiten, war er sehr nervös wegen der Gefahr, die dieses Doppellebens mit sich brachte.

«Ich bin ein wenig nervös, weil ich Angst habe, dass der Eigentümer davon erfährt. Er ist ein schlechter Mensch», gestand Saroeun. «Der IJM-Chef antwortete: 'Wenn Sie nervös sind, lesen Sie einfach die Bibel.'»

Saroeun, ein Buddhist, war skeptisch, wie ein Buch ihn schützen könnte, aber er begann, jeden Abend die Bibel zusammen mit seinen Gesetzesbüchern zu lesen, während er in seiner DJ-Kabine Musik spielte.

Er betete vor den Razzien

«Als ich anfing, als Undercover-Agent zu arbeiten, war es beängstigend, und ich fühlte mich nervös.» Denn er musste sich auch auf die Täter einlassen – was wäre, wenn diese seine wahre Tätigkeit entdecken würden?

Als die Polizei seine Informationen nutzte, um Razzien im «Martini»-Club durchzuführen, die Mädchen zu retten und die Zuhälter festzunehmen, betete Saroeun um Schutz. «Und Gott schützte mich. Ich arbeitete schon lange Zeit dort und niemand wusste, dass ich der Undercover-Agent war.»

Nachdem Saroeun sein Jurastudium abgeschlossen hatte, begann er zu beten, dass er den Club verlassen und hauptberuflich für die IJM arbeiten könne, damit er Gott näher kommen und sich seiner Mission voll und ganz anschliessen könne.

Über 200'000 Kambodschaner versklavt

Heute ist er überzeugter Christ und seit 2009 Leiter der Rechtsabteilung der IJM in Kambodscha. Über 130 Personen wurden erfolgreich wegen sexueller Ausbeutung strafrechtlich verfolgt. Seit 2004 hat IJM über 750 Opfer in Kambodscha gerettet, und mehr als 500 Polizeibeamte in der Bekämpfung des Menschenhandels ausgebildet.

Heute betreffe die Prostitution in Phnom Penh noch ein Prozent minderjähriger Mädchen, verglichen mit bis zu 30 Prozent im Jahr 2004. IJM hat in Kambodscha seinen Schwerpunkt auf die Zwangsarbeit gelegt, insbesondere auf den Handel mit Kambodschanern, die in die thailändische Fischereiindustrie eingeschleust werden. Gemäss dem «Global Slavery Index» leben mehr als 200'000 Kambodschanerinnen und Kambodschaner in der modernen Sklaverei.

Saroeun Sek: «Diese Art des Verbrechens ist verdeckt. Aber Gott ist der Gott des Lichts, also kann er Licht überall dort bringen, wo das kriminelle Netzwerk ist; wir können beten, dass er uns zur Identifizierung der Opfer auf den Fischerbooten führt.»

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