Nach Nordirland-Konflikt – Wie ein Ex-Paramilitär zum Hoffnungsträger wurde

16.4.2017
3 min

Für seine terroristischen Straftaten verbüsste Billy McFetridge mehrere Jahre im Gefängnis. Er kämpfte im Nordirland-Konflikt und machte sich in 58 Anklagepunkten schuldig. Doch in seinen dunkelsten Stunden veränderte sich sein Leben hinter Gittern.

Zur Welt kam Billy McFetridge rund 30 Kilometer der nordirischen Hauptstadt Belfast entfernt, als älteres von zwei Kindern. «Mein Vater war Lastwagenfahrer. Er arbeitete hart und trank viel – was später zu einem Problem in seinem Leben wurde.» McFetridge spricht von einer normalen Arbeiterfamilie, einem anständigen protestantischen Haus. «Wir gingen aus Tradition in die Kirche.»

In seinen frühen Teenagerjahren überwarf er sich mit seinem Vater. «Ich verliess die Schule mit 15 ohne Qualifikation und erhielt einen Job in einem örtlichen Möbelladen.» Wenn er alt genug wäre, würde er der Armee beitreten und sehen, was die Welt ihm zu bieten hat, dachte Billy McFetridge damals. Und so leistete er während sechs Jahren Dienst in Afrika, Deutschland und England.

Der Funke

«Im August 1969 war ich in Derry, als eine Gruppe namens 'Apprentice Boys' («Lehrburschen») begannen, bei einer Parade Steine zu werfen. Wir brauchten die Polizei als Eskorte», erinnert sich McFetridge. Es sei der Funke gewesen, der die angespannte Lage zu einem Flächenbrand ausbreiten liess.

«Ich habe eine Reihe von Freunden in diesem Konflikt verloren.» Auch an seiner Türschwelle stoppte die Gewalt nicht: «1972 wurde der Cousin meines Vaters von der IRA («Irish Republican Army») entführt und ermordet. Ich selbst war gerade daheim auf Diensturlaub, als das geschah.»

Von Vergangenheit eingeholt

«Ich bestand darauf, auf der Beerdigung teilnehmen zu dürfen, obschon man das in der Armee nicht gern sah. Anschliessend kehrte ich zu meinem Regiment zurück – noch immer wütend ob diesem brutalen Mord», blickt Billy McFetridge zurück.

Anfang 1973 verliess er die Armee und trat der UDA (Ulster Defense Association) bei, der grössten protestantischen paramilitärischen Gruppe. «Ich sah dies als Möglichkeit, mich zu rächen. Ich war bei Terroranschlägen in Ost-Antrim dabei.» Ansonsten versuchte er so normal wie möglich zu leben, er heiratete und gründete eine Familie.

In den frühen Morgenstunden im September 1980 holte ihn jedoch die Vergangenheit ein. Er wurde verhaftet und während sieben Tagen verhört. Er wurde des Mordes beschuldigt und im Crumlin-Road-Gefängnis in Belfast eingekerkert.

Um zweite Chance gebetet

In seiner Gefängniszelle dachte Billy über sein Leben nach. Eines nachts bat er Gott um eine zweite Chance.

1982 wurde er vor Gericht gestellt. Die Mordanklage wurde in Totschlag umgewandelt. Deswegen wurde er zu 12 Jahren verurteilt. Insgesamt belief sich die Strafe auf 152 Jahre Haft wegen 58 Verstössen gegen das Terrorismusgesetz.

Rund fünf Jahre später wurde er freigelassen, als Bewegung in die Lösung des Konflikts kam. Anschliessend durchlief er eine Bibelschule. Nach dem Abschluss arbeitete er von der Schweiz aus für eine christliche Gefängnisarbeit in Nordirland.

Gefangene werden frei

2001 kehrte die Familie nach England zurück. «Für die Kirche arbeitete ich seither in meiner Gemeinde für Obdachlose, Drogenabhängige und ehemalige Straftäter. Rückblickend erkenne ich, dass Gott mir eine zweite Chance gegeben hat.»
Unermüdlich besucht er heute verschiedene Gefängnisse, um den Insassen anhand seiner Lebensgeschichte Mut zur Veränderung zu machen.

Seine Vergangenheit im nordirischen Konflikt und im Gefängnis bezeichnet er als «zweifellos die dunkelste Zeit meines Lebens. Auf einen Schlag war alles, was mir wichtig war, weg: Meine Familie, meine Freunde und die Freiheit.» Doch in der Dunkelheit hinter Gittern habe er entdeckt: «Jesus macht die Gefangenen frei.»

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