Erwacht aus dem Zauber – Wie sieht ein ex-Marxist den Sozialismus heute?

28.3.2019
4 min

«Ich fühlte mich schon sehr früh zum Marxismus hingezogen», erinnert sich Joseph M. Bianchi in einem Bericht der «Christian Post». «Es war für mich mehr als eine frühe Teenager-Rebellion.» Er vermutete, dass Karl Marx den Schlüssel menschlichen Seins gefunden hatte.Die Philosophie von Marx schien die Lücke zu füllen, welche die grossen Religionen nicht füllen konnten, dachte der Autor und Journalist Joseph M. Bianchi. «Ich war zu dem Schluss gekommen, dass es keinen Gott gibt, aber es musste dennoch einen Grund geben, warum wir hier sind und warum die Menschen sich so verhalten, wie sie es tun», erinnert sich Bianchi in einem Gastbeitrag in der «Christian Post».

Marx gab die Antwort: «Es ist die Wirtschaft. Vermieter des Mieters. Chef des Arbeiters. Regierung des Bürgers. Es gab eine Hierarchie der wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten. Die Antwort war die Abschaffung des Privateigentums und die Schaffung einer Gesellschaft, die auf den Bedürfnissen aller – nicht nur der wenigen Reichen – aufbaut.»

«Alles schien perfekt zu passen»

Das erschien auch Joseph M. Bianchi rational, vernünftig und mitfühlend. «Ich verschlang jedes Schriftstück von Marx, Engels und Lenin. Marx und Engels waren die Theoretiker und Lenin der Lieferant der Revolution. Meiner Meinung nach passte alles so perfekt zusammen, dass ich nicht verstehen konnte, warum sich andere nicht auch dem Licht des Kommunismus als Allheilmittel für die Probleme der Welt zuwandten.»

Als Bianchi Student an der New York-Universität wurde, fühlte er sich natürlich zu den Kommilitonen hingezogen, die gleichgesinnt waren. «Ich kannte bald Leute, die Mitglieder der 'Socialist Workers Party' waren. Ich besuchte ihre Treffen und lernte sogar ihren Präsidentschaftskandidaten kennen.»

USAdSSR

Diese Partei plante eine kommunistische Zukunft der USA. «Aber das ging mir immer noch nicht weit genug. Dann wurde ich der Führerin einer extremen Gruppe vorgestellt, einer jungen Frau, die eine wahre Enzyklopädie des Marxismus war. Sie sprach nie über ihr Privatleben, was sie gerne ass, ob sie verheiratet war oder heiraten wollte, oder irgendetwas im Zusammenhang mit der Familie.» Jeder ihrer Atemzüge gehörte dem Kommunismus.

«Dies war der Beginn meines Erwachens aus dem marxistischen Zauber. War dies die Art von Mensch, die der Sozialismus hervorbringen wollte – ein marxistischer Automat ohne Liebe zu Menschen, Familie oder Natur? Ich erinnere mich, dass ich sie nach bestimmten Dingen gefragt habe, die mich beunruhigten. Insbesondere die Blutspur, die von marxistischen Regimen hinterlassen wurde. Es gab die Gulags der UdSSR, die Schauprozesse unter Stalin, deren Opfer wussten, dass es keine Gerechtigkeit geben würde, nur den Tod. Oder die 'Killing Fields' in Kambodscha, als Pol Pot Mitte der 1970er Jahre fast 25 Prozent der Bevölkerung tötete.»

«Was ist es dann?»

Die Antwort, die Joseph M. Bianchi erhielt, war stets die gleiche: Das war kein echter Kommunismus. «Aber meine Reaktion auf ihre Antwort war auch immer die gleiche: 'Was ist es dann?' Die Schriften von Marx tendierten zum Theoretischen. Das Problem war, dass er uns nie genau gesagt hat, wie eine kommunistische Regierung funktioniert.» Denn viele Menschen verlieren beim Übergang in eine marxistische Regierung sehr viel. «Dieses Chaos konnte nur mit Gewalt kontrolliert werden, und so verwandelt sich der Kommunismus immer in einen Totalitarismus. Die alte Bourgeoisie wurde einfach durch eine neue Reihe von Eliten ersetzt, die darauf bedacht waren, die Macht zu behalten und alles zu ihren Gunsten zu nutzen.»

In einem Land nach dem anderen scheiterten die marxistischen Menschenexperimente. Bianchi: «Es ist jedem klar, dass das venezolanische, sozialistische Experiment gescheitert ist, und zwar kläglich. Fast zwanzig Jahre lang litt das Volk von Venezuela unter Hyperinflation und Knappheit. Grundlegende Güter fehlten, es mangelte an Medikamenten und Gesundheitsversorgung.»

Christliche Werte tragen

Heute glaube er an die christlichen Werte und einen freien Markt, sagt Joseph M. Bianchi: «Ich habe entdeckt, dass es im Leben um viel mehr geht als nur um Wirtschaft. Das heisst nicht, dass viele junge, aufgeweckte Sozialisten und Linke nicht aufrichtig sind in ihrem Wunsch nach einer gerechteren Gesellschaft.» Im Gegenteil, weiss Bianchi aus jahrelanger, eigener Beobachtung.

«Das ist in der Tat ein Ziel, an dem wir uns alle beteiligen sollen. Auch sollten wir den Rassismus in all seinen Formen beseitigen. Aber wir können das nicht mit einem System tun, das einer gesunden Wirtschaft Handschellen anlegt und die Anreize verringert.»

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