Jamaika-Fussballerin Shaw – «Wir Mädchen beten die ganze Zeit»

30.6.2019
3 min

Shaw sorgt für die Show: Erstmals überhaupt qualifizierte sich Jamaika für eine Frauen-Fussball-WM. Khadija Shaw führte ihre Equipe in die Endrunde in Frankreich, ein Grosserfolg für die Kickerinnen von FIFA-Weltrang Nummer 53. Doch sie kennt auch schwierige Zeiten: Sie verlor vier Brüder und zwei Neffen, vorwiegend durch Gang-Gewalt.«Ob im Leben generell oder vor den Spielen mit den Mädchen: Wir beten die ganze Zeit», sagt Khadija Shaw. «Denn es ist auch zu 100 Prozent dank Gott, dass wir uns für die Weltmeisterschaft qualifiziert haben und dass wir diese unglaubliche Erfahrung machen dürfen.» In der Gruppenphase waren Brasilien, Italien und Australien allerdings ein Spürchen stärker als die Karibik-Kickerinnen.

Khadija Shaw ist das Aushängeschild der Jamaika-Mannschaft. Nach einer schwierigen Kindheit auf den Strassen Jamaikas zog sie dank eines Stipendiums in die Vereinigten Staaten. Die 22-Jährige spielte dort im Uni-Team «Tennessee Volunteers» in Knoxville. Kommende Saison ist sie nun bei den «Girondins Bordeaux» in Frankreich unter Vertrag.

Im Armenviertel aufgewachsen

Khadija hat fünf Schwestern und sieben Brüder. Sie wuchs in Spanish Town, einem Armenviertel von Kingston, Jamaika auf. Vater George war Schuhmacher und Mutter Monica züchtete Hühner.

Khadijas Erinnerungen kommen nahezu aus dem Bilderbuch: Nachbarn spielen Dominosteine an der Ecke, Musik hallt auf den Gehwegen, Kinder kicken den Ball auf den Strassen herum – weitgehend geschützt vor der ständig drohenden Bandengewalt, die in ihrer Kindheit einen finsteren Höhepunkt erreichte. Durch das Gute und das Schlechte hielten Shaws Eltern die Familie zusammen.

Vier Familienmitglieder in Banden-Gewalt verloren

Strassen- und Bandengewalt raubten ihr vier Familienmitglieder, drei Brüder und einen Neffen. Sie räumt ein, dass sie angesichts dieses Schmerzes manchmal Gott gefragt hat, warum... Ihre Familie habe gesagt, «dass man Gott nicht fragen soll, ‘warum?’, aber manchmal fragte ich ‘Warum? Warum ist das passiert?’»

Doch sie traf den Entscheid, ihrem Glauben treu zu bleiben. Gleich wie ihre Angehörigen: «Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der Gott nie in Frage gestellt wird. Dinge passieren immer aus einem bestimmten Grund, auch wenn man sie zu diesem Zeitpunkt nicht versteht. Wenn etwas Schwieriges passiert, musst du weiterleben, glauben und glauben. »

«Fussballer des Jahres»

Die britische Zeitung «The Guardian» ernannte Khadija zum «Fussballer des Jahres», ein Titel, der in den Vorjahren an Männer ging. Doch das Überwinden der Widrigkeiten und die Leistung, Jamaika an die Frauen-WM-Endrunde zu führen, wurde von den Blattmachern honoriert.

Schon im Alter von 14 Jahren spielte sie in den U15-, U17- und U20-Teams Jamaikas und stand dabei neben den heutigen Teamkollegen Konya Plummer und Deneisha Blackwood auf dem Feld.

Nicht brechen lassen

Während der Zeit in den USA geschahen die beschriebenen familiären Verluste. Neben jenen, die durch Bandengewalt ihr Leben verloren, gab es zwei weitere Todesfälle: Ein Bruder verlor sein Leben bei einem Autounfall und ein Neffe wurde durch einen Stromschlag getötet.

Khadija Shaw wollte mit dem Fussball aufhören und nach Hause gehen. «Ich fragte mich, was noch kommen wird.» Doch letztendlich liess sie sich nicht brechen und verdoppelte ihre Arbeit, die nun mit dazu geführt hat, dass sie mit ihrem Land Fussball-Geschichte schreiben durfte.

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