Kampf dem Menschenhandel – «Wir ziehen sie als Sieger auf, nicht als Opfer»

17.3.2019
3 min

Vor rund zehn Jahren zog Jeremy Kraus nach Thailand. Dort hat er ein Zentrum für Kinder errichtet, die aus dem Menschenhandel befreit wurden. Die Berufung dazu fand er im Gebet.«Wir gingen auf eine Fähre, um eine Insel zu besuchen», erinnert sich Jeremy Kraus. Ein Pastor hatte ihn angerufen und berichtet, dass er gerade ein junges Mädchen gerettet hatte.

«Es wurde regelmässig von seinen Angehörigen an ein grosses Frachtschiff verkauft.» Es war auf das Schiff gebracht worden. Die Händler willigten ein. Das Mädchen wurde nochmal mitgenommen, doch sobald die Händler kurz darauf bezahlt hätten, hätten sie das etwa zehnjährige Kind mitnehmen können. In letzter Sekunde konnte der Pastor einschreiten und sie in Sicherheit bringen – wusste aber selbst nicht, was nun geschehen sollte.

Jeremy Kraus erklärte ihm: «Deshalb sind wir hier.» Das war vor rund zehn Jahren. Vorausgegangen war, dass Kraus im Gebet nach Gottes Willen geforscht hatte. «Ich fühlte, wie er sagte: 'Geht nach Thailand!'»

«Wo sollen sie bleiben?»

«Menschenhandel ist hier eine massive Einnahmequelle von Kriminellen – die zweithöchste nach dem Drogenhandel», erklärt Sonthaya Maenpuen von der Anti-Menschenhandelspolizei. «Die Betreuung der Opfer nach ihrer Rettung ist einer der wichtigsten Punkte bei der Bekämpfung dieses Problems. Aber es ist sehr schwierig, Organisationen zu finden, die eine qualitativ hochwertige Langzeitfürsorge anbieten.»

«Wenn es keine Nachsorge gibt, wo sollen wir die Kinder unterbringen? Wie werden sie sich erholen? Wie kommen sie aus der Krise heraus?», fragte sich Kraus. 

Selbst zur Lösung geworden

Er wurde gemeinsam mit seiner Frau selbst zur Lösung: «Ich begann, nach einer Organisation zu suchen, die Kinder unter 13 Jahren aufnimmt, welche aus dem Menschenhandel stammen und missbraucht worden sind.» Doch er fand nichts. Eigentlich wollte er nur drei Monate in dem Land bleiben, doch nun zog er ganz nach Thailand, um selbst eine Einrichtung zu gründen, «Thrive Rescue».

Bald waren die Kontakte zu Sozialarbeitern, Polizei und Pastoren geknüpft. Und so kam auch der Pastor mit dem eingangs erwähnten Mädchen zu Jeremy Kraus, um sich das Haus anzusehen.

«Die Kleine war noch nie zuvor in einem klimatisierten Raum gewesen. Und sie hatte noch nie auf einer Matratze mit Federn geschlafen. Sie wollte bleiben und war unser erstes Mädchen.»

Sonthaya Maenpuen sagt inzwischen, dass dieses Zentrum eines der besten im Land sei. «Wir wollen jedes Kind, das wir retten und das die Kriterien erfüllt, dahinbringen.»

Jeremy Kraus hat mittlerweile mehrere Häuser mit einheimischen Hauseltern eröffnet und in den zehn Jahren schon viele Kinder aus dem Menschenhandel gerettet. Sein Motto: «Wir ziehen sie als Sieger auf, nicht als Opfer.»

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