Max Lucado – Zwischen heimlichem Bier und Mesopotamien

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Um Dampf abzulassen, trank der christliche Bestseller-Autor Max Lucado heimlich Alkohol. Heute reflektiert er: «Gott findet uns, gleich ob wir im Auto auf dem Parkplatz eines Supermarktes sitzen oder in der Wüste auf dem Weg nach Mesopotamien sind.»
23.9.2023
4 min

«Als ich 50-jährig war, tuckerte das Leben vor sich hin», erinnert sich Bestseller-Autor Max Lucado (68). «Die Gemeinde, in der ich Pastor bin, wuchs. Wir hatten ein neues Gebäude und ich war – ich sage das nicht gern – prominent.»

Er habe gedacht, er wäre etwas Besonderes. Manchmal fuhren Busse voller Menschen bei der Gemeinde vor. «Was die Leute nicht wussten: Wir befanden uns gerade im freien Fall. Die Mitarbeiter waren zerstritten, manche traten sogar zurück. Und was tat ich als damals leitender Pastor? Nun, ich hatte keine Zeit dafür. Ich war zu sehr damit beschäftigt, ein Superstar zu sein.»

Suche im Alkohol

Er stand unter grossem Stress: «Ich versuchte, die Erwartungen aller zu erfüllen. Da waren die Fristen für die Bücher und die Predigten. Und ich war wütend auf die Mitarbeitenden unserer Gemeinde. Ich neige dazu, Probleme mit Alkohol zu bekämpfen.»

Er begann, quer durch die Strassen zu fahren. Bei einem Supermarkt kaufte er sich eine grosse Dose Bier, steckte sie in eine braune Papiertüte, setzte sich wieder in den Wagen und begann zu trinken.

«Das tat ich vielleicht ein halbes Dutzend oder sogar zehnmal. Einmal war es, als würde Gott zu mir sagen: ‘Was tust du? Warum versteckst du dich vor den Leuten? Warum gibst du vor, jemand zu sein, der du nicht bist?’»

Keinen Tag ohne Gott überstehen

Er habe mit Gott gerungen und sei wie Jakob auf die Knie gezwungen worden. Ihm sei klar geworden, dass er ohne Gott keinen einzigen Tag überstehen könnte. Er sprach mit der Gemeindeleitung über die Situation. «Ich kam wieder auf den richtigen Weg. Wenn wir etwas im Schatten tun müssen, ist dies ein Zeichen dafür, dass wir vom richtigen Weg abgekommen sind.»

Natürlich könne man alles schönreden und wegerklären. «Das bedeutet, Ausreden zu finden oder etwas zu rechtfertigen und zu denken, dass andere in der gleichen Situation ebenso handeln würden.»

Max Lucado erinnert an die Geschichte von Jakob, als sich dieser im Hochland versteckte: «Er hatte nicht einmal ein Kopfkissen. Der künftige Patriarch schlief auf einem Stein auf dem Wüstenboden. Da gab Gott ihm die Vision von einer Leiter, die vom Himmel herabkam. Gott ermutigte Jakob im Ödland – und Gott wird dasselbe für uns tun. Ich glaube, dass Gott uns in schweren Zeiten begegnet.»

Max Lucado heute: «Er kommt zu uns, ob wir im Auto auf dem Parkplatz eines Supermarktes sitzen oder ob wir in der Wüste auf dem Weg nach Mesopotamien sind. Suche dir Hilfe, bekenne die Probleme zum Beispiel im Freundeskreis, fange an, dein Leben in Ordnung zu bringen.»

Sicher durch Turbulenzen

Er erinnert sich, wie er einst in ein Linien-Flugzeug stieg. «Ich kannte den Piloten, er flog auch Kampfjets für die Luftwaffe. Mitten im Flug hörte ich seine Stimme über Lautsprecher: ‘Bereiten Sie sich auf einige Turbulenzen vor. Es wird hart, aber wir werden das durchstehen.’ Ich kannte seine Erfahrung und hatte eine persönliche Beziehung zu ihm. Ich war beruhigt.»

Max Lucado hatte einen grossen Vorteil gegenüber den anderen Passagieren. «Man konnte die Angst in ihren Gesichtern sehen, weil es eine Zeit lang wirklich schüttelte. Aber ich konnte das Ganze furchtlos überstehen; nicht wegen den Turbulenzen, sondern weil ich eine persönliche Beziehung zum Piloten hatte.»

«Wir kennen den Piloten»

Wir selbst hätten im Leben einen grossen Vorteil: Wir kennen den Piloten. «Der Schlüssel liegt also nicht darin, zu versuchen, allen Turbulenzen im Leben zu entkommen oder sie allein zu bewältigen. Der Schlüssel liegt darin, sicherzustellen, dass wir den Piloten kennen.»

Gerade in den stürmischen Zeiten. «Stress und Angst sind unvorstellbar gross. Das zeigt sich am tragischsten in der Selbstmordrate – sie ist die höchste seit dem Zweiten Weltkrieg.»

Die Welt verändert sich in Windeseile. Es sei keine Schande, (pharmazeutische) Hilfe in Anspruch zu nehmen, erläutert Max Lucado. «Und es gibt überhaupt nichts, wofür du dich schämen musst, wenn du zum Beispiel regelmässig einen Therapeuten aufsuchen möchtest.»

Grosser Gott, kleine Probleme

Angst sei oft das Ergebnis von wahrgenommenem Chaos, bilanziert Max Lucado. «Eine ausser Kontrolle geratene Welt hält uns nachts wach. Aber wenn Gott gross ist, dann sind unsere Probleme klein. Sind aber unsere Probleme gross, dann bedeutet das normalerweise, dass unsere Wahrnehmung von Gott klein ist. Machen wir also Gott zu etwas Grossem.»

Max Lucado verweist auf diesen grossen Gott: «Er lässt sich vom Zustand der Welt nicht einschüchtern. Er sagte sogar, dass die Welt so werden würde, wie sie heute ist – und dass wir ihn dann um Hilfe bitten würden.» Er rät dazu, Gott im Gebet zu suchen.

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