Natürlich ist es schwierig, Kunst als christlich zu bezeichnen. Wann ist sie denn christlich? Wenn auf einem Gemälde ein Kreuz abgebildet ist? Wenn es in einer Kirche hängt? Wenn ein Lied von Gott und der Erlösung handelt? Wenn sich die Hauptperson eines Romans spätestens auf Seite 190 bekehrt? Engführungen wie diese sorgen dafür, dass so manche Kreative nicht in die Schublade der «christlichen Künstler und Künstlerinnen» gehören möchten.
Kennst du das? Du glaubst an Gott, aber du willst weder immer von Jesus erzählen noch deine Bilder ausschliesslich für den Kirchengebrauch malen? «Neutral» bist du aber auch nicht, denn der Glaube prägt dein gesamtes Dasein – und damit auch deine Kunst. Ein Blick in die Bibel und die Geschichte zeigt, dass du damit in guter Gesellschaft bist, denn Kunstschaffende haben durchaus unterschiedliche Selbstverständnisse.
Kunst schaffen wie ein transparenter Mensch
Vielleicht mehr als andere Menschen tragen Künstlerinnen und Künstler ihr Herz auf der Zunge und zeigen das nach aussen, was sie zutiefst im Inneren beschäftigt. Ein typisches biblisches Beispiel ist König David, der aus seinem Erleben, seinen Begegnungen mit Gott, seinen Zweifeln und genauso seiner Begeisterung Lieder schuf. Diese waren zunächst einmal seine eigenen Gedanken und in der Zwiesprache mit Gott entstanden, doch das Ziel dabei war von Anfang an der Gottesdienst.
David wollte andere anleiten zum Beten, Klagen und Loben. Wenn du deine Kunst verstehst wie David, dann machst du dich einerseits transparent mit deinem (Glaubens-)Leben, andererseits nimmst du gern Menschen mit und beziehst sie ein, so wie David das in seinem ersten Gesangbuch der Geschichte getan hat: «HERR, von ganzem Herzen will ich dir danken! Dir und keinem anderen Gott will ich singen.» (Psalm 138, Vers 1; HFA)
Kunst schaffen wie eine Übersetzerin
Während einige Kreative mit ihrer Kunst gläubige Menschen im Blick haben, fragen sich andere: «Wie kann ich mit dem, was mich bewegt, Brücken bauen zu Menschen, die nie eine Kirche besuchen würden? Wie kann ich christliche Inhalte verständlich übersetzen?» Wenn du deine Kunst so verstehst, dann bist du ständig auf der Suche nach einem gemeinsamen Nenner und greifst Themen oder Symbole auf, die den meisten Menschen wichtig sind.
Das kann evangelistisch sein, also direkt zum Glauben einladen, muss es aber nicht. Ein bekanntes Beispiel ist der Autor C. S. Lewis, der mit seinen «Chroniken von Narnia» ein Werk schuf, das aufgeladen ist mit christlicher Symbolik. Diese macht sie bis heute zugänglich für Menschen, die die Bücher lesen oder die Filme schauen. Gleichzeitig ist es möglich, den Inhalt «einfach so» als spannende Geschichte wahrzunehmen.
Kunst schaffen wie ein Designer
Während Kunst frei und erst einmal ohne Selbstzweck entsteht, ist Design meist an einen Auftrag gebunden, es erfüllt einen Zweck und löst ein Problem. Zwei biblische «Designer» werden im 2. Buch Mose genannt: Bezalel und Oholiab. Sie erhalten den Auftrag, das Zelt zu gestalten und zu bauen, in dem Gott sein Volk durch die Wüste begleiten möchte. Dazu erhalten sie einen detaillierten Bauplan. Sie sind handwerklich geschult, um mit Holz, Stoffen, Gold und Silber umzugehen. Und dazu erfüllt Gott sie sogar mit seinem Heiligen Geist. Ist das Kunst? Natürlich. Und vielleicht ist dies dein Ansatz: Schönes schaffen, das dazu dient, dass andere Menschen sich im Gottesdienst und darüber hinaus auf Gott fokussieren können.
Kunst schaffen wie ein Handwerker
Martin Luther wird der Satz zugeschrieben:
«Ein christlicher Schuhmacher soll keine Kreuze auf seine Schuhe malen, sondern gute Schuhe machen.»
Viele Kunstschaffende arbeiten in Kreativberufen – beim Film, in der Werbung oder einer Marketingagentur. Es ist nicht erwünscht, dass sie dort christliche Themen einbringen, und es ist auch nicht sinnvoll. Stattdessen können sie qualitativ hochwertige Arbeiten abliefern, den Bedürfnissen ihrer Kunden begegnen und durch ihren Lebensstil überzeugen. Wenn du auf diese Weise Kunst schaffst, hast du anderen Gläubigen gegenüber oft den grössten Erklärungsbedarf, aber auch die grössten Freiheiten.
Kunst schaffen wie eine Heimlichtuerin
Das ist nicht negativ gemeint. Viele sind künstlerisch tätig, ohne damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Vielleicht hilft dir deine Kunst dabei, dich selbst zu sortieren. Oder sie findet nur zwischen Gott und dir statt. Warum nicht? Du musst deine Gedichte niemandem vorlesen oder dein Bild niemandem zeigen. Es ist auch dann Ausdruck deiner Kreativität, wenn es «nur» in deinem Schlafzimmer an der Wand hängt.
Sicher liessen sich noch mehr Formen entdecken, wie Menschen als Gläubige ihre Kunst ausleben und umsetzen können. Wenn du als Künstlerin oder Künstler unterwegs bist, kann es dir helfen, deine persönliche Perspektive hierfür zu entwickeln.





