Hymne des Jahres 2025 – «Shine, Jesus, shine» und seine Geschichte

Graham Kendricks Lied «Shine, Jesus, Shine» wird seit Jahrzehnten gesungen – in Gottesdiensten, in der Royal Albert Hall oder beim Papstbesuch. Was ist die Geschichte des erfolgreichen Lobpreis-Liedes?

7.1.2026
3 min
«Shine, Jesus, Shine» ist ein erfolgreicher Worship Song (Symbolbild)
Unsplash / NATHAN MULLET
«Shine, Jesus, Shine» ist ein erfolgreicher Worship Song (Symbolbild)

Gerade hat die BBC «Shine, Jesus, Shine» im Rahmen ihres «The Big School Assembly Singalong» als beliebteste Schulhymne der Nation ausgezeichnet. Dabei stammt es bereits aus dem Jahr 1987, als viele der heutigen Lehrerinnen und Lehrer noch nicht geboren waren oder zumindest noch selbst die Schulbank drückten. Das Lobpreis-Lied war auf dem Glastonbury-Festival vertreten, einem der grössten Open-Air-Musikfestivals der Welt. Es war fast in jedem christlichen Liederbuch seiner Zeit abgedruckt – im deutschsprachigen Raum in der Übersetzung «Jesus, dein Licht» –, es wurde zusammen mit anderen Glaubensliedern 2012 in der Londoner Royal Albert Hall aufgeführt. Im Gegensatz zu anderen Stücken wurde es allerdings nicht nur vom Orchester gespielt, sondern vom gesamten Publikum mitgesungen. Als Papst Franziskus Anfang 2015 seinen Besuch auf den Philippinen beendete, war dies das Abschiedslied, das ihm ein gewaltiger Jugendchor mitgab. Das eigentliche Highlight ist aber, dass der Song über Jahre hinweg in kaum einem Gottesdienst fehlen durfte.

Singbar und zugänglich

Für das britische Nachrichtenportal «Premier Christianity» erzählt Graham Kendrick (75), was «Shine, Jesus, Shine» aus seiner Sicht so besonders macht: ein für die damalige Zeit frischer und origineller Titel, eine starke Melodie mit einem interessanten Mix aus Spannung und Entspannung und eine Tonlage, die die meisten Leute direkt mitsingen konnten. Dieses Mitsingen ist ein Markenzeichen des britischen Lobpreisleiters. Sein Motto ist bis heute «Songs that help the Church to sing» – Lieder, die die Gemeinde beim Mitsingen unterstützen. Als Kendrick das Lied schrieb, war er in einer Londoner Gemeinde, die Mission und soziales Engagement genauso auf dem Schirm hatte wie Gebet.

Damals bekamen Anbetung, Lobpreismärsche und Gebetsspaziergänge neue Bedeutung. Kendrick wollte das ausleben und suchte dazu Heiligung. Eines seiner Anliegen war: «Prüf mich, Herr, lass mein Dunkel vergehen. Sei mein Licht!» Der Musiker schrieb zu diesen Gedanken ein dreistrophiges Lied, das ihm aber nicht vollständig erschien. Erst eine Weile später kam ihm die Idee mit dem Refrain als Ausruf und Bitte: «Shine, Jesus, Shine … Jesus, dein Licht füll’ dies Land mit des Vaters Ehre! Komm, Heil’ger Geist, setz die Herzen in Brand! Fliess’, Gnadenstrom, überflute dies Land mit Liebe! Sende dein Wort, Herr, dein Licht strahle auf!»

Viele kennen Jesus nur dadurch

Graham Kendrick
Facebook / @GrahamKendrickMusic
Graham Kendrick

Trotz des Erfolgs – oder gerade deswegen – hört Graham Kendrick immer wieder Kritik, dass das Lied Ausdruck einer Kultur sei, die Gefühl über Fakten setzen würde. Dabei enthält der Song eine Menge biblischer Grundlagen, die wörtlich oder kaum umschrieben übernommen wurden. Es ist laut Aled Jones, dem Leiter des «Big School Assembly Singalong», eine Art «Hymne der Hoffnung mit der wunderbaren Botschaft, dass die Welt noch so dunkel erscheinen mag, aber das Licht immer durchscheinen wird». Nicht nur im schulischen Umfeld kann es sein, dass Lieder wie dieses für jüngere Menschen die einzigen Lieder über Jesus sind, die sie kennen. Gedacht ist «Shine, Jesus, Shine» als Gebetshymne – und diesen Zweck erfüllt es bis heute für viele Gläubige.

Ein Nebeneffekt seiner Popularität ist jedoch, dass das Lied auch der spirituellen Sehnsucht von Leuten begegnet, die mit Gebet überhaupt nicht vertraut sind. Natürlich kann dies zu Missverständnissen oder sogar Missbrauch führen, wenn christliche Lieder so ihren Weg in die Populärkultur finden, doch der Segen überwiegt bei Weitem, wenn Christen zusammen mit Noch-nicht-Christen begreifen, dass es stimmt: «Herr, das Licht deiner Liebe leuchtet auf, strahlt inmitten der Finsternis für uns auf …»

Zum Lied:

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