Apokalypse aus anderer Sicht – «Den Frühling der Welt ankündigen»

3.5.2017
3 min
kleine Kirche hinter einem gelben Feld, mit einem Regenbogen (Plateau de Valensole, Provence, Frankreich; Bigstock: 59983520)
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kleine Kirche hinter einem gelben Feld, mit einem Regenbogen (Plateau de Valensole, Provence, Frankreich; Bigstock: 59983520)

Die Offenbarung des Johannes enthält verstörende Texte, die viele Christen irritieren. Für sie eröffnet der mennonitische Theologe Claude Baecher eine neue Perspektive.

Claude Baecher war bis 2011 Leiter der französischen Abteilung des Theologischen Seminars Bienenberg. In jüngeren Jahren hat er eine Doktorarbeit zur biblischen Eschatologie geschrieben. Am TSB unterrichtete er auch «Biblische Eschatologie». Im Buch «Fit für die Welt!?», der Festschrift zum 65. Geburtstag des Theologen Bernhard Ott, fasst Baecher seine Sicht zusammen, die gerade solchen Christen einen neuen Zugang zur Offenbarung des Johannes verschafft, die davon irritiert sind. 

Eine neue Weltordnung

Zentraler Gedanke dabei ist eine Reich-Gottes-Theologie, die bezeugt, dass mit Jesus Christus und seiner Auferstehung Gottes Welt auch in diese Welt gekommen ist und sich in der christlichen Kirche manifestiert, die wiederum ein Zeugnis für diese Welt ist und eine neue Weltordnung predigt. Sie stellt Reich Gottes zwar nicht vollkommen dar, sondern ist sich bewusst, dass sich ihre Hoffnung erst mit dem zweiten Kommen Christi vollkommen erfüllt. Dennoch ist sie Teil der neuen Schöpfung, die mit der Auferstehung angebrochen ist. Sie steht für eine Hoffnung, die «den Frühling der Welt ankündigt», so Baecher.

Der Himmel unter uns

Claude Baecher
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Claude Baecher

Auch bei der Offenbarung des Johannes geht es um den Anbruch der neuen Schöpfung, die geheilt werden muss, bis die neue Welt Gottes wirklich für alle sichtbar wird. Denn die Täufer warten laut Baecher nicht auf einen Himmel, der an einem andern Ort ist, sondern darauf, dass das «Lamm Gottes über das Böse triumphiert». Die Gemeinde sei berufen, zu vollenden, was mit der Auferstehung Christi begonnen habe.

Eine andere Sichtweise

Diese andere Sicht der Apokalypse unterscheidet sich zum Beispiel von derjenigen der Dispensationalisten, die noch eine Zeit grosser Katastrophen erwarten, bevor Christus wieder kommen kann. Bei den Texten in der Apokalypse gehe es vielmehr um wiederkehrende Ereignisse, so Baecher: «Die Offenbarung schildert Verhaltensweisen, die in menschlichen Gesellschaften zu allen Zeiten und an allen Orten sich stets neu wiederholen. Und sie stehen für eine bestimmte Weise, das Böse, aber auch den Sieg Christi zu benennen, der in die menschliche Geschichte eingreift und eine umfassende Antwort auf alle Not verspricht.»

Kritische Distanz zu Obrigkeiten

Die Offenbarung zeichnet sich laut Baecher durch eine kritische Distanz zu den Obrigkeiten ihrer Zeit aus: «Oft werden diese aufgrund ihres Verhaltens als Monster und Bestien bezeichnet: Sie verlangen die Anbetung ihrer Person, sie verfolgen Minderheiten und die Jünger Jesu. Und sie belohnen diejenigen, die ihnen zu Willen sind. Dieses Verhalten ist in der Menschheitsgeschichte wohlbekannt.»

Der Auftrag der Christen

Claude Baecher wendet sich daher gegen alle Versuche, die Offenbarung spekulativ zu deuten und kommende Katastrophen daraus abzuleiten und Termine zu berechnen. Der Auftrag der Kirche und der Christen sei ein anderer: «Nicht zu wissen, ist uns aufgetragen, sondern zu lieben, dem Bösen und der Ungerechtigkeit zu widerstehen und das Gute zu tun.»

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