The answer, my friend... – Der Mann, der sich nicht vereinnahmen lässt

14.12.2016
3 min

Mit Bob Dylan hat am Samstag ein Musiker den Literatur-Nobelpreis erhalten: für seine Liedtexte! Er nahm aber nicht an der Verleihung teil. Typisch für ihn, der sich nie instrumentalisieren liess.

Dylan, der den Nobelpreis nicht selbst abholte, versteht sich nicht als Schriftsteller. Vielmehr als Denker, kritischer Zeitgenosse mit einer oft verklausulierten Art, gesellschaftliche und persönliche Stimmungsbilder in Melodien zu verpacken.

Kauzig war und ist er nach wie vor – wer sonst hätte nach Bekanntwerden dieser hohen Auszeichnung einfach 14 Tage lang geschwiegen, offenbar weil ihn diese Nachricht «sprachlos» gemacht hat? Er meidet, was gerade «hip» ist und alles, was trendy ist, ist nicht seins.

Dylan, der Christ ...

Interessant ist, dass sein 1979 veröffentlichtes Album «Slow Train Coming» 1980 in den USA und Kanada sein allererstes Platinum Album wurde. Das sind eine Million verkaufte Exemplare (in den USA). Dieses Album thematisierte seine Beziehung zu Gott und «You gonna serve somebody» wurde zum Hit. Viele Christen triumphierten und «vereinnahmten» den berühmten Musiker für ihre Zwecke. Doch Dylan grenzte sich schnell ab. Er meinte, er habe sich nun zum Thema seines Glaubens geäussert. Und wandte sich nach Veröffentlichung von «Saved» im gleichen Jahr – das Cover dazu stammt übrigens von Dylan selber – in den nächsten Alben wieder anderen Facetten des (Zusammen-) Lebens auf dieser nicht immer so rund laufenden Erde zu.

Nicht von dieser Welt?

«Er ist vom Glauben abgefallen!», hörte man da und dort munkeln. Wirklich? Warum sollten denn gut formulierte Sozialstudien, komplizierte Beziehungstexte und protestierende Aufschreie über himmelschreiende Ungerechtigkeiten weniger mit Gott und seinen Geschöpfen zu tun haben als Glaubenstexte? Ist nicht gerade das Gegenteil der Fall? In diesen Liedern finden sich die Menschen wieder. Ihr Schmerz, ihre Emotionen, ihre Sehnsüchte werden lebendig. Wohl deshalb lieben sie den Poeten so. Dass bis heute viele seiner Texte wie selbstverständlich spirituelle Dimensionen mit einschliessen, empfinden seine Hörer offenbar nicht als störend.

Anders läuft es bei vielen Versuchen, «christliche» Lieder im säkularen Umfeld zu präsentieren. Offenbar werden diese Songs als «nicht von dieser Welt» erlebt und von Medien meist ignoriert. Eigentlich keine Überraschung, steht doch schon in der Bibel, dass wir zwar in, aber nicht von dieser Welt sind.

... aber mitten in dieser Welt

Könnte es sein, dass wir hier etwas missverstehen? Jesus wurde mit seinen Worten, seinem Verhalten und seiner Liebe zu den Menschen zum Gesprächsthema Nr. 1. Sowohl einfache Menschen wie auch die Führungsriege der damaligen Zeit wurden von ihm gleichermassen aufgeschreckt und herausgefordert. Wie würde er sich wohl in der heutigen Kulturlandschaft präsentieren?

Ich bin mir sicher, er wäre einer der meist beachteten Exponenten. Er würde unerwartete Kontraste setzen, Geschichten mit überraschendem Ausgang erzählen und mit Kunstaktionen – wie mit der Verwandlung von Wasser in Wein – Schlagzeilen machen. Eines seiner Markenzeichen wäre, dass er «mitten in dieser Welt» lebt.

Copyright: Magazin INSIST Nr. 1/17 vom 10. Januar 2017

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