Von wegen nett und anständig – Der unverschämte Drängler

3.5.2017
3 min
Finger auf Klingel
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Finger auf Klingel

Es ist Mitternacht, die ganze Familie schläft. Da läutet es an der Tür, und draussen ist die Stimme eines Freundes zu vernehmen, der Essen borgen will. Für einen unverhofften Besuch, sagt er. Oh je.

Der Vater probiert schlaftrunken, den Bittsteller abzuwimmeln, bevor er noch die ganze Familie aufweckt. Es gelingt dem Hausherrn aber nicht – schliesslich muss er dem «unverschämten Drängler» (Zitat Bibel) geben, worum er bittet. Martin Luther (Erinnerung: Lutherjahr) wählt noch drastischere Worte: Um seines «unverschämten Geilens willen» (Lukas, Kapitel 11, Vers 8) wird der Vater seinem Nachbarn geben, worum er ihn bittet. Geil, oder? Der Freund gibt nicht nach und lässt nicht locker – schliesslich hat er einen Gast, und dem muss man etwas vorsetzen. «Ich brauche Brot, und zwar jetzt!» drängt er. Und nicht einmal aus Freundschaft, sondern nur weil der Kerl so unverschämt drängt, bekommt er seine Brote.

«Sehr geehrter Vater»

Was Jesus mit dieser Geschichte meint: So dürfen wir mit Gott umgehen. Suchen. Bitten. Anklopfen. Stürmen. Drängen. Natürlich ist Gott nicht einfach irgendein Freund, Kollege oder Nachbar. Aber offenbar schätzt es der Allmächtige, wenn wir ehrlich, direkt und fast unverfroren mit ihm reden.

Für viele ist das ungewöhnlich. Und wenn wir in der Schweiz einmal ein Nein bekommen, dann reicht das für lange Zeit, nicht wahr?

Nicht so bei Gott. Immer wieder überrascht er uns und sagt: «Ich will nicht, dass ihr höflich und nett mit mir umgeht, sondern ehrlich. Sagt mir eure Not und schüttet euer Herz vor mir aus!» (ein anderes Bibelzitat)

Bettelnder Junge hält Bein des Vater fest
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Bettelnder Junge hält Bein des Vater fest

Die Geschichte vom Mann im Bett und seinem unverschämten Freund hängt Jesus direkt an das «Unser Vater» an – und macht damit klar: Beten ist nicht ein Runterleiern von Formeln, sondern ein grundehrliches Gespräch von Freund zu Freund. Mehr noch: vom Kind zum Vater. Haben Sie schon mal ein Kind eine Formel im Sinn von «Sehr geehrter Vater…» reden gehört? Na also.

Die Geschichte sprengen

Wir würden diese Geschichte – und die Linie der Bibel – missverstehen, wenn wir erwarten würden, dass Gott uns auf unsere dringenden Gebete hin nun immer genau das gibt, worum wir ihn bitten. Er ist kein Gebets-Automat. Aber was garantiert ist: Er wird uns das geben, was für uns kurz- und langfristig das Richtige ist. Wenn Gott eine Bitte erfüllt – herrlich, sagen Sie Danke. Wenn er sie nicht erfüllt, ist das vielleicht kurzfristig enttäuschend, aber langfristig das Beste.

Hellwach

So oder so: Was auch immer die Not oder das Bedürfnis Ihres Lebens im Moment ist, suchen Sie. Nehmen Sie mit Gott das Gespräch auf. Bitten Sie. Klopfen Sie an. Und Gott wird die Tür auftun und Sie nicht schlaftrunken, sondern hellwach begrüssen. Jenseits all unserer grossen und kleinen Probleme ist das die Begegnung, auf die es eigentlich ankommt und die uns verändert. Gott in die Augen sehen. Durch Jesus ist das möglich geworden.

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