Die Bibel im Glaubwürdigkeits-Check

Für die einen ist die Bibel das Buch der Bücher, für die anderen ein veralteter Staubfänger. Wieder andere finden sie gefährlich. Stefan «Sent» Fischer vom Bibellesebund Schweiz fragt: Kann man so alten Texten noch Glauben schenken?

7.7.2026
6 min
geschrieben von
Stefan «Sent» Fischer
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Unsplash
Wie glaubwürdig ist die Bibel wirklich?

Ich wohne gleich neben Baden im Kanton Aargau. Und in Baden kann man in heissem Wasser baden. 18 der mineralreichsten Thermalquellen der Schweiz bringen aus über 3’000 Metern Tiefe täglich 72 Tausend Liter frisches Thermalwasser mit einer Temperatur von 47 Grad an die Oberfläche. Schon die Römer haben die heissen Quellen entdeckt. Das Suchen und Entdecken von Quellen sind in Zeiten von weit verbreiteten Fake News und den Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz absolut elementar. Gerade wenn wir uns mit dem Glauben an Jesus Christus befassen, ist folgende Frage zentral: Ist die Bibel als Informationsquelle verlässlich?

Die Bibel ist eine einzigartige und beeindruckende Bibliothek von Büchern. Im «Buch der Bücher» befinden sich, aufgeteilt ins Alte und Neue Testament (AT und NT), unter anderem Gebete, Visionen, Biografien, Briefe, Verheissungs- und Gerichtsworte, Liebes- und Betrugsgeschichten, Gleichnisse und historische Erzählungen. Sie alle erzählen die grosse Story Gottes mit den Menschen, in der Jesus Christus den Höhepunkt bildet. Die Bibel schlägt alle Rekorde: So ist sie das meistverkaufte, meistübersetzte, meistgedruckte, meistgelesene und meistverfilmte Buch der Welt!

Seit Jahrtausenden inspirieren, prägen und verwandeln ihre Worte Menschen aller Herkünfte und sozialer Schichten. Dies liegt nicht daran, dass sie so eindrücklich geschrieben sind, sondern, weil der allmächtige, lebendige Gott durch sie spricht (vgl. 2. Timotheus 3,16; 2. Petrus 1,19-21) – wovon Christinnen und Christen überzeugt sind. Wenn diese Bibel das von Gott inspirierte Buch ist, das uns alles zeigt, was wir zum Leben und zum Glauben brauchen, dann habe ich bestimmte Erwartungen an ihre Glaubwürdigkeit.

1. Wir müssen den ursprünglichen Text kennen

Ein bekannter Vorwurf ist, dass der Bibeltext über all die Jahrhunderte hinweg verfälscht worden sei. Doch wer sich etwas genauer mit der alt- und neutestamentlichen Textüberlieferung auseinandersetzt, kommt schnell zu einem anderen Schluss. Es gibt weltweit wohl keine akribischeren Textüberprüfer als die jüdischen Schriftgelehrten: Sie stellten sicher, dass der empfangene Text der hebräischen Bibel (AT) bis aufs letzte Pünktchen und Strichlein unverfälscht weitergegeben wurde. Dafür zählten sie beispielsweise im Frühmittelalter bei jeder neuen Handschrift 304'805 Buchstaben der fünf Bücher Mose. Biblische Handschriften bezeichnen handgeschriebene Kopien biblischer Texte aus der Zeit vor der Erfindung des Buchdrucks. Auch im NT ist der Befund überwältigend (siehe Graphik).

Hier gibt es nicht nur bei weitem die grösste Anzahl an Handschriften, sie befinden sich auch zeitlich dem Original am nächsten. Als Vergleich: Plinius der Jüngere hat eine Schrift über den Vulkanausbruch des Vesuvs im Jahr 79 nach Christus herausgegeben. Die Beschreibung ist so genau, dass bis heute ein klassischer Ausbruch als «plinianische Eruption» bezeichnet wird. Von Plinius existieren 112 Handschriften, die mindestens 400 Jahre älter als das Original sind.  Wenn wir also schon den Worten von Plinius so vertrauen, wie viel mehr dürfen wir dann denjenigen des Neuen Testaments vertrauen? Wir können also festhalten: Mit allergrösster Wahrscheinlichkeit haben wir im Neuen Testament tatsächlich Texte vor uns, die die ursprünglichen Autoren geschrieben haben.

Handschriftenvergleich Neues Testament
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2. Die Ereignisse müssen nachprüfbar sein

Viele halten die Bibel für ein Märchenbuch. Doch während Märchen meistens mit «Es war einmal vor langer, langer Zeit» beginnen, ist Gottes Geschichte mit den Menschen in den biblischen Texten auffallend oft in die Weltgeschichte eingebettet. In Lukas 3,1 werden zum Beispiel gleich fünf Machthaber erwähnt: «Es war im 15. Regierungsjahr des Kaisers Tiberius. Pontius Pilatus war römischer Statthalter in Judäa. Herodes regierte als Landesfürst in Galiläa, sein Bruder Philippus als Landesfürst in Ituräa und Trachonitis. Und Lysanias war Landesfürst in Abilene.» Im AT wird in Jesaja 36,1 zum Beispiel davon berichtet, wie die israelitische und assyrische Geschichte zusammenkommen: «Im 14. Regierungsjahr von König Hiskija unternahm der assyrische König Sanherib einen Feldzug gegen Juda.»

Sofern die biblischen Texte in die Menschheitsgeschichte eingebettet sind, können wir auch erwarten, dass sie durch die Archäologie bestätigt werden. Obwohl nur wenig Material aus diesen Zeiten im Boden überlebt hat, noch weniger entdeckt und noch weniger ausgegraben wurde, haben wir heutzutage erstaunliche archäologische Beweise für die historische Zuverlässigkeit der biblischen Schriften. Der Platz reicht nicht, um von den AT-Beispielen wie den Silberröllchen von Ketef Hinnom, dem Bleitäfelchen vom Berg Ebal oder dem Gemarja-Siegel zu berichten. Als Beweise für die Zuverlässigkeit von NT-Texten gelten das Kajaphas-Ossuar, die Pilatus- und die Gallio-Inschrift, der Teich von Siloah und natürlich auch das sagenumwobene Grabtuch von Turin. Es gibt gute Gründe, anzunehmen, dass es sich bei dem Grabtuch um das echte Grabtuch von Jesus Christus handelt.

Delphes-Gallion
Wikipedia, Gérard, CC BY-SA 4.0
Die Gallio-Inschrift, die 1900 gefunden wurde, ermöglichte die Datierung der Ereignisse in der Apostelgeschichte

3. Die Texte müssen ein Gesamtbild ergeben

J. Warner Wallace ist ein amerikanischer Mordkommissar und hat in seinem Buch «Ungelöster Fall Christentum» die vier Evangelien im NT anhand von vier Augenzeugen-Merkmalen untersucht: Aussagen von Augenzeugen müssen perspektivisch, persönlich und teilweise identisch sein. Spätere Aussagen müssen ausserdem die vorhandenen Lücken ausfüllen. Alle diese Merkmale können wir in den Evangelien beobachten. Nach klassischer Lesart wurden zwei Evangelien von Jüngern von Jesus verfasst (Matthäus und Johannes), eines von einem engen Begleiter des Petrus und Paulus (Markus) und eines von einem akribisch arbeitenden Historiker, der Augenzeugen befragte (Lukas).

Als die Evangelien entstanden, waren noch unzählige weitere Augenzeuginnen und Augenzeugen am Leben, die zur Zeit der darin beschriebenen Ereignisse rund um die Kreuzigung von Jesus gelebt hatten. Sie hätten sicherlich protestiert, wenn lügnerische Berichte in Umlauf gekommen wären. Paulus weist in 1. Korinther 15,6 darauf hin, wenn er schreibt: «Später zeigte er sich über fünfhundert Brüdern und Schwestern auf einmal. Die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind aber gestorben.»

4. Die Bibel muss die ganze Wahrheit berichten

Lügen sind ein gutes Stichwort. Denn die Glaubwürdigkeit nimmt zu, wenn wir uns bewusstwerden, dass sich die Autoren der Auferstehungsberichte mit ihren Texten keine Vorteile verschaffen konnten – weder finanziell noch machttechnisch. Sie sind sogar so realitätsgetreu, dass Peinlichkeiten nicht ausgespart wurden. Dazu ein Zitat von Markus Spieker aus «Jäger des verlorenen Verstandes»:

«In keiner anderen Weltreligion werden die eigenen Helden derart schonungslos kommentiert, alle Versuche der Legendenbildung dekonstruiert. Statt eine ‚Hall of Fame‘ zu errichten [...] führen uns die biblischen Autoren durch eine ‚Hall of Shame‘, vorbei an Massenmördern, Sexualverbrechern und Volksverrätern. [...] Entsprechend hoch ist die Glaubwürdigkeit und Faszination der heiligen Schriften. Wahrhaftigkeit ist die beste Skandalvermeidungs-Strategie.»

Markus Spieker

Autor und Journalist

5. Die Worte der Bibel müssen unzählige Leben verändert haben

Zum Schluss meine grösste Erwartung an die Bibel, wenn sie tatsächlich das entscheidende göttlich inspirierte Buch sein soll: Sie muss Leben verändern. Und zwar auf der ganz grossen Skala über alle Jahrtausende hinweg. Und zwar zum Positiven. Denn diese Ereignis-Religion wird zum Ereignis in unserem Leben. Da passiert etwas. Das beste Beispiel sind die Jüngerinnen und Jünger von Jesus direkt nach der Auferstehung: Aus verängstigten Menschen – man könnte sagen: aus richtigen Angsthasen – wurden mutige Zeuginnen und Zeugen von Jesus. Und seitdem hat diese Botschaft der Hoffnung, diese Botschaft der Rettung nicht mehr aufgehört, Menschenleben zu verändern.

Motiviert durch den christlichen Glauben wurden die ersten öffentlichen Spitäler gebaut, wurden neben Jungen und Männern auch Mädchen und Frauen unterrichtet, und zwar reiche und arme! Die Bibel hat die gesamte Kunst-, Musik- und Literaturgeschichte des Abendlandes geprägt. Die Bibel-Dokumentation ZIEMLICH BESTE WORTE (Video unten), die der Bibellesebund im Jahr 2025 zu seinem 100 Jahr-Jubiläum produzieren liess, bringt das wunderbar auf den Punkt!

Diese Botschaft hat auch mein Leben geprägt und stellt es immer wieder auf den Kopf. Und obwohl die säkulare Gesellschaft den Einfluss des christlichen Glaubens und die Botschaft der Bibel zurückdrängt – zumindest bei uns in Mitteleuropa – ist die Wirkung und Strahlkraft des Evangeliums ungebrochen.

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