An gewissen Tagen ist man gut gelaunt, manchmal sogar richtig euphorisch. An anderen Tagen aber weniger. Dies ist auch immer abhängig von unseren Umständen, ob wir gut aufgestellt oder niedergeschlagen sind. Vielleicht erlebt man auch etwas Unerwartetes, die Lieblingsmannschaft gewinnt oder man bekommt die Zusage für einen neuen Job. Dies alles kann in uns Glücksgefühle und Euphorie auslösen.
Wenn der Apostel Paulus im Galaterbrief aber von Freude als einer «Frucht des Geistes» spricht, meint er nicht diese Form von Euphorie. Bei der Freude geht es um eine tiefe, beständige Gewissheit und Frieden mit Gott.
Die göttliche Freude
Im Neuen Testament kommt das Wort Freude vom altgriechischen Wort «Chará» (χαρά). Das bedeutet ganz wörtlich übersetzt «Herzensfreude». Es ist eine tiefe Heiterkeit und das Gefühl, dass man geborgen ist und deshalb jubeln kann.
Das Wort «Chará» stammt von dem Wort «Charis» ab, was «Gnade» und «Zuwendung» bedeutet. Echte Freude ist für Christen ein Geschenk Gottes, das durch seine Gnade hervorgebracht wird.
Das Wort «Freude» kommt etwa 74 Mal im Neuen Testament vor, besonders häufig im Philipperbrief, der als der «Brief der Freude» bekannt ist.
Freude – unabhängig von den Umständen
Eine «tiefe Herzensfreude» ist es also, wovon Paulus im Galaterbrief spricht. Sie kann uns auch in schwierigen Zeiten tragen, auch bei Prüfungen in unserem Leben oder wenn wir leiden müssen.
Wir können diese Art von Freude aber nicht durch unsere menschliche Anstrengung, durch Willenskraft oder irgendeine Methode hervorrufen. Vielmehr ist es essenziell, dass wir unser Leben nach dem Heiligen Geist ausrichten und uns immer wieder Gott zuwenden, damit sie sich von selbst in uns entfalten kann.
Freude trotz Leiden
Aber wie geht das überhaupt, Freude im Leiden? Das klingt zunächst wie ein Widerspruch. Das Neue Testament bezeugt aber, dass Freude im Leiden existieren kann. Paulus selbst hat das erlebt und schreibt darüber in einem anderen seiner Briefe. Während er den Philipperbrief schreibt, ist er im Gefängnis und fordert seine Empfänger mehrmals auf:
«Freut euch zu jeder Zeit, dass ihr zum Herrn gehört. Und noch einmal will ich es sagen: Freut euch! Alle Menschen sollen eure Güte und Freundlichkeit erfahren. Der Herr kommt bald! Macht euch keine Sorgen! Ihr dürft in jeder Lage zu Gott beten. Sagt ihm, was euch fehlt, und dankt ihm! Dann wird Gottes Friede, der all unser Verstehen übersteigt, eure Herzen und Gedanken bewahren, weil ihr mit Jesus Christus verbunden seid.!»
Philipperbrief Kapitel 4, Verse 4 bis 7
HFA
Eine bemerkenswerte Aufforderung, die wohl unmöglich ist, wenn sie von unseren Umständen abhängig wäre. Paulus unterscheidet also zwischen äusserem Glück und geistlicher Freude. Unsere Umstände und damit auch unser Glück verändern sich ständig. Die «göttlichen Freude» dagegen ist beständig und bleibt, denn sie ist ja die Gewissheit, dass wir bei Gott geborgen sind und dass seine Gnade bestehen bleibt. Deshalb können wir Freude auch in schwierigen Zeiten erleben. Diese Spannung gehört gewissermassen zu einem Leben in der Nachfolge von Jesus Christus.
Freude als Zeugnis
Eine weitere Dimension dieser göttlichen Form der Freude ist, dass sie auch eine missionarische Dimension besitzt. In einer Welt, die häufig von Angst, Unsicherheit und Leistungsdruck geprägt ist, wird echte Freude zu einem sichtbaren Zeugnis für das Evangelium. Sie ist keine künstliche, oberflächliche Art der Freude. Sie ignoriert weder Schmerz noch Leid.
Sie basiert vielmehr auf der Tatsache, dass Gott gegenwärtig ist, dass Jesus Christus den Tod überwunden hat und der Heilige Geist in uns Gläubigen wohnt. Ausserdem sind wir uns als Christen gewiss: Das Reich Gottes wird kommen (Lukas 17,20-21, Matthäus 6,10, Matthäus 24, Markus 13, Offenbarung 11,15). Deshalb hat die christliche Freude auch immer eine endzeitliche Perspektive. Sie lebt aus der Hoffnung, dass Jesus eines Tages wiederkommen und den Himmel und die Erde erneuern wird.
Die Freude als Kennzeichen des Reiches Gottes
Auch der Römerbrief im Neuen Testament stammt aus der Feder des Apostels Paulus. Dort schreibt er:
«Denn wo Gottes Reich beginnt, geht es nicht mehr um Essen und Trinken. Es geht darum, dass wir ein Leben nach Gottes Willen führen und mit Frieden und Freude erfüllt werden, so wie es der Heilige Geist schenkt.»
Römerbrief Kapitel 14, Vers 17
HFA
Freude gehört also zum Wesen des Reiches Gottes. Wo Gottes Herrschaft Raum gewinnt, entsteht Freude. Nicht oberflächliche Begeisterung, sondern die tiefe Gewissheit, dass Gottes Heil bereits begonnen hat.
Wie wächst diese Freude?
In der Bibel stossen wir auf verschiedene Wege, wie der Heilige Geist in uns diese Freude wachsen lässt. Ich möchte hier einige aufzählen:
durch die Gemeinschaft mit Christus (Johannes 15)
durch das Verweilen in Gottes Wort
durch das Gebet
durch Dankbarkeit
durch Gemeinschaft mit der Gemeinde
durch Gehorsam gegenüber Gottes Willen.
All diese Dinge erzeugen die Freude nicht selbst. Sie sind vielmehr die Orte, an denen der Heilige Geist wirkt.
Fazit
Die göttliche Form von Freude ist mehr als eine emotionale Reaktion auf unsere Umstände. Sie ist vielmehr der Ausdruck unseres neuen Lebens, dass wir in Jesus Christus begonnen haben. Weil wir als Menschen durch Gottes Gnade gerechtfertigt sind und der Heilige Geist in uns wohnt, wächst diese Freude, die ihre Wurzeln nicht in wechselnden Umständen hat, sondern im unveränderlichen Wesen Gottes.
Freude ist die Antwort unseres erneuerten Herzens auf die erfahrene Gnade Gottes. Sie ist ein Geschenk, keine Leistung; Frucht, nicht Produkt menschlicher Anstrengung.
So wird die Freude des Geistes zu einem Kennzeichen des christlichen Lebens. Sie trägt durch Schwierigkeiten, stärkt in Leid, öffnet den Blick auf Gottes kommende Herrlichkeit und verweist letztlich auf Christus selbst – den Ursprung, den Inhalt und das Ziel der echten Freude.

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