Es ist so einfach, die eigenen Ängste zu nähren. Du musst nur die aktuellen Nachrichten schauen, eine Info zur Klimakatastrophe lesen oder andere fragen, was sie noch von der Zukunft erwarten. Spürst du es schon? Dein Herz rast, die Atmung geht schneller, du schwitzt, vielleicht zitterst du auch. Und in der Brust macht sich ein Engegefühl breit. Genau diese Enge ist es, aus der sich unser Wort «Angst» entwickelt hat.
Angst – eine Basisemotion
«Wie fühlst du dich gerade?», fragst du andere bei der Begegnung und wenn du mehr als nur «gut» als Antwort hören willst, landest du meist bei den Grundgefühlen Freude, Trauer, Wut oder Angst. Diese sogenannten Basisemotionen haben folgende Eigenschaften: Sie sind quasi angeboren und du erlebst sie bereits als Baby. Sie sind eine Reaktion auf etwas in deinem Umfeld und dauern nur kurz an (sonst nennt man sie Stimmung). Sie treten zwar auch in Kombination mit anderen Emotionen auf, sind aber klar von diesen unterscheidbar.
Du weisst es, wenn du Angst hast. Wenn sich das Gefühl von Angst in Menschen breit macht, dann geschieht das durchaus auf unterschiedliche Weise. Du hast gelernt, wie du das Gefühl von Angst wahrnimmst. Ob und wem du davon erzählen kannst. Aber auch, wie du es verarbeitest.
Ein wichtiger Schutzfaktor
Oft entsteht das Bild, dass Angst an sich negativ wäre und dringend überwunden werden müsste. Diese Haltung ignoriert ihre wichtige Aufgabe. Das Alarmsystem «Angst» soll dich über deine Erinnerung vor bekannten Gefahren schützen oder dich vor unbekannten, potenziell gefährlichen Situationen bewahren. Dafür ist sie in einem Teil deines Gehirns angesiedelt (der Amygdala), die dem langsamen Nachdenken und Abwägen vorgeschaltet ist und sofort zu einer Reaktion führt. «Fight or flight», Kampf oder Flucht, ermöglichen sofortiges In-Sicherheit-Bringen.
Allerdings hilft dieses biologische Warnsystem nur wenig bei strukturellen Bedrohungen oder dem Leben in deinem komplexen Alltag. Und so kann es gut sein, dass du auf der Suche nach Wegen bist, wie du mit deiner Angst umgehen oder sie überwinden kannst. Sagt die Bibel etwas zu diesem Thema?
«In der Welt habt ihr Angst …»
Wahrscheinlich hast du als christliche Antwort auf deine Ängste schon Bibelverse wie den folgenden gehört: «In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.» (Johannes Kapitel 6, Vers 33; LUT)
Ist das jetzt die Herausforderung von Jesus an uns, dass deine Angst eigentlich unnötig ist, weil er sie besiegt hat? Hier ist Vorsicht angebracht, denn das steht so nicht da. Was Luther mit «Angst» übersetzte, nennen andere wörtlich und wesentlich besser: «In der Welt werdet ihr hart bedrängt…» (HFA)
Es geht hier nicht um den Gefühlszustand der Angst, sondern das Bedrücktwerden von aussen. Luther wollte die dadurch entstehende Enge ausdrücken, doch 500 Jahre nach seiner Übersetzung wird Angst wesentlich innerlicher und psychologischer wahrgenommen als damals bei ihm. Die Bibel tabuisiert oder verbietet das Gefühl der Angst gerade nicht. Jesus hat auch nicht die Angst besiegt, sondern die Welt. Seine Lösung hier ist seine tröstende Gegenwart.
Was hilft nun?
Glaube ist kein Automatismus, der Ängste verhindern kann – oder soll. Angst gehört als Grundemotion zu deinem Menschsein dazu. Wo sie zu viel Raum einnimmt, da kann es sinnvoll sein, andere Gefühle oder Gedanken dagegenzusetzen.
Du bist gehalten: Dieser Gedanke nimmt Ängste nicht einfach weg, aber das Wissen um Gott, der da ist und dich trägt und hält, dir einen «safe space» bietet, lindert deine Isolation.
Du kannst etwas tun: Christliche Rituale wie Gebet, Meditation, das Singen von Glaubensliedern oder sogar das gemeinsame Feiern verändern etwas in dir – und nicht nur das vegetative Nervensystem.
Du siehst Zusammenhänge: Es kann dich krank machen, wenn du überall einen tieferen Sinn finden willst. Aber es kann dich ungemein trösten, wenn du Panik und Zukunftsängste immer wieder in einen grösseren Zusammenhang stellst. Wenn du zurückschaust auf gute Erfahrungen, die du bereits mit Gott gemacht hast.
Du findest Gemeinschaft: Wenn du dich in einer wertschätzenden Glaubensgemeinschaft bewegst, kannst du dort Ermutigung und Korrektur erfahren. Du wirst resilienter und heilst.
Hier ging es nur um allgemeine Ängste, wie sie jede und jeder erlebt. Aber Ängste können auch übermächtig werden, krank machen und als Angststörung das Leben verdunkeln. Darum wird es in einem zweiten Teil gehen.





