Ordnung schafft Freiraum

Miriam Scherrer aus Volketswil sieht viel Ordnung in der Schöpfung. Das motiviert sie, als Ordnungscoach mitzuhelfen, Haushalte, Keller und Schränke von Ballast zu befreien. Sie erlebt: Wenn das Umfeld geordnet ist, fühlt sich auch die Seele wohler.

30.9.2026
4 min
geschrieben von
Mirjam Fisch
Kleider sortieren
Unsplash+
Loszulassen und das alltägliche Leben zu ordnen, schafft auf verschiedenen Ebenen Raum für Neues.

«Ich bin ein Sammlertyp», erklärt Miriam Scherrer. Sie nahm von jedem Strand Muscheln und Sand mit und stellte sie wie viele andere Erinnerungsstücke auf allen Ablageflächen ihrer Wohnung auf. Ihr gefiel das. Doch mit knapp 50 Jahren wollte sie nochmals etwas Neues anpacken. Die Kauffrau nutzte ihre Freude am Ordnung schaffen und bildete sich darin aus. Seither unterstützt sie Menschen, die in ihrer Papier- oder Materialflut zu ersticken drohen.

Gott schafft Ordnung

Loslassen ist lernbar und es entlastet, bestätigt Aufräum- und Minimalismus-Coach Scherrer. Gott habe uns viele Beispiele von Ordnung gegeben: vier Jahreszeiten, Tag und Nacht, Arbeits- und Ruhetage. «Ordnung schafft Freiheit für das, was zählt», hält sie fest. Sie schenke Zeit für Beziehungen, ermögliche Gelassenheit und Ruhe.

Miriam Scherrer
Mirjam Fisch
Miriam Scherrer ist Aufräum-Coach und von der Ordnung der Schöpfung inspiriert.

Gott schenke inneren Frieden, kein aufgeräumter Haushalt. Aber dieser göttliche Friede helfe, aus dem Chaos auszubrechen. Entrümpeln habe wiederum Auswirkungen auf die Seele – sie atme auf, wenn die Umgebung nicht überstellt sei.

Etwas steckt dahinter

Es gibt viele Gründe, die verhindern, dass wir Ordnung in unser Leben oder den Haushalt bringen. Das kann eine ärztliche Diagnose, eine Trennung oder ein Umzug sein – herausfordernd wird es vor allem, wenn diese Faktoren in Kombination auftreten. Manchmal lohnt es sich, Hilfe zu holen. Denn Chaos ist ein Energieräuber: Jeder Gegenstand verlangt Aufmerksamkeit, kostet Zeit und Geld.

Wenn ich Ordnung in den Haushalt bringen, hat jedes Ding seinen Platz. Ich finde, was ich brauche. Und meinen Sachen dienen mir – nicht umgekehrt. Das hat ganz praktische Vorteile: Ich verbringe weniger Zeit mit Suchen, habe eine bessere Übersicht, die Hausarbeit ist schneller erledigt und ich fühle mich wohler.

Schritt für Schritt vorgehen

Zuerst gilt es, den Ist- vom Wunschzustand zu unterscheiden. Was stört mich und wie soll es danach aussehen? Welche Gründe halten mich davon ab, etwas loszulassen? Vielleicht denke ich: «Ich habe es geschenkt bekommen.» Doch ein Geschenk darf ich annehmen – und danach auch selbst darüber verfügen. War es teuer? Wenn ich es nicht nutze, gewinnt es dadurch keinen Wert. Vielleicht könnte es jemand anderem noch dienen.

Am besten beginnt man mit einfachen Dingen und nimmt sich nicht zu viel auf einmal vor. Ein Apotheken- oder Spiegelschränkchen eignet sich ebenso wie eine einzelne Schublade. Mehr muss es für den Anfang nicht sein.

Hilfreich ist es zudem, Kategorien zu bilden: Ist etwas ein Schatz oder Ballast? Wird es gebraucht oder geliebt? Was will ich deshalb behalten, was kann ich weggeben? Dafür können Schachteln entsprechend beschriftet werden. Eine weitere Schachtel kann als Zwischenlager dienen. Was ich während drei Monaten nicht vermisse, darf weiterziehen. Das gilt auch für Kleidung: Was jahrelang nicht getragen wurde, wird vermutlich auch künftig kaum zum Lieblingsstück werden

Bei anderen Dingen lohnt sich die Frage: Kann etwas noch repariert werden – oder wurde es längst durch etwas anderes ersetzt? Und muss ich Dinge, die ich nur selten benutze, tatsächlich besitzen? Vielleicht kann ich sie auch ausleihen.

So entsteht Schritt für Schritt mehr Klarheit und Raum – nicht nur in den Schränken und Schubladen, sondern auch im Kopf.

Fünf praktische Tipps für den Alltag

Ein paar einfache Gewohnheiten helfen dabei, Ordnung nicht nur einmalig zu schaffen, sondern sie auch langfristig zu erhalten:

  1. Jeder Gegenstand hat seinen Platz: Was einen festen Platz hat, lässt sich leichter wieder versorgen und man findet es beim nächsten Mal schneller.

  2. Oberflächen möglichst frei halten: Freie Flächen vermitteln Ruhe und machen es leichter, den Überblick zu behalten.

  3. 10-Minuten-Regel: Zehn Minuten am Abend genügen oft, um Dinge zurückzuräumen, Oberflächen zu ordnen und den Tag abzuschliessen. So wächst die Unordnung gar nicht erst an.

  4. Einkaufsverhalten überprüfen: Nicht alles muss sofort gekauft werden. Eine kurze Bedenkzeit hilft herauszufinden, ob man etwas wirklich braucht.

  5. Sofort-Prinzip: Post wird gleich sortiert, die Wäsche versorgt und Dinge werden möglichst direkt an ihren Platz zurückgelegt. Denn Unordnung zieht leicht weitere Unordnung nach sich.

Wer frühzeitig damit beginnt, den Haushalt bewusst zu reduzieren, dem fällt eine spätere Veränderung wie Umzug oder Aufgabe des eigenen Haushalts leichter. Nachkommen werden dankbar sein, wenn sie eines Tages nicht muldenweise entsorgen müssen … Es ist nie zu früh, mit Aufräumen und Loslassen anzufangen. Im Gegenteil – Ordnung schafft Freiraum.

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