«Ruft alle Menschen dazu auf, meine Jünger zu werden! Tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes!»
Matthäus 28,19
HFA
Dazu hat Jesus seine Jünger ausgesandt – und dieser Auftrag gilt bis heute. Aber reicht es nicht, an die Rettungstat von Jesus zu glauben? Warum soll man sich zusätzlich ins Wasser tauchen lassen? (Die Taufe durch Besprengen mit wenigen Tropfen kam übrigens erst später auf.)
Jesus hätte sagen können: Glaubt an mich, und ihr werdet gerettet. Doch er sagt:
Geht hin, verkündigt, macht zu Jüngern – und tauft die Menschen. Bringt ihren Körper ins Spiel.
Viele Bedeutungen
Die Taufe ist ein einschneidendes Erlebnis am Anfang des Glaubens und hat eine besondere Bedeutung. Denken wir an Philippus: Er muss seinem Gegenüber von Jesus erzählt haben. Dieser kommt zum Glauben, sieht Wasser und fragt: «Warum sollte ich mich nicht gleich taufen lassen?»
Auch auf unserer Themenseite «Taufe» gibt es zahlreiche Artikel, die die Bedeutung dieses Sakraments erklären. Sie reicht vom «Reinwaschen» über das «Mit Christus sterben und auferstehen» bis zum öffentlichen Bekenntnis: Ich meine es ernst mit Jesus. Es lohnt sich, die geistliche Bedeutung der Taufe näher zu betrachten.
Der körperliche Glaube
Warum aber dieses Eintauchen? Man wird bei der Taufe nass und spürt sie am eigenen Körper. Warum war Jesus diese körperliche Erfahrung wichtig?
Wir sind körperliche und soziale Wesen. Beides wird bei der Taufe berücksichtigt: Niemand tauft sich selbst – es braucht einen anderen Menschen. Und dieser taucht unseren Körper ins Wasser. Damit wird von Anfang an deutlich:
Unser Körper gehört dazu. Auch er ist in Gottes Erlösung eingeschlossen.
Wir neigen dazu, den Glauben zu vergeistigen. Er findet dann in Gedanken und Gefühlen statt, vielleicht noch in Worten. Doch in der Bibel gehört der Körper immer dazu. Auch beim Abendmahl wird diese Realität sichtbar: Wir kauen, essen und verdauen tatsächlich Brot und trinken Wein.
Die Taufe veranschaulicht, was einmal geschieht: Mit Christus sterben und auferstehen – ins Wasser hinein und wieder hinaus. Das Abendmahl dagegen erinnert an das, was wir immer wieder brauchen: Vergebung und neue Hingabe. Für beides braucht es den Körper.
Eine neue Bestimmung
Noch einmal zu dieser Szene am Strand in England: 170 Menschen kommen aus dem ganzen Land, um ihren Körper ins Wasser tauchen zu lassen. Man kann sich nur vorstellen, was diese Körper schon alles erlebt haben. Viele tragen zum Beispiel Tattoos. Nun werden sie ins Wasser getaucht, und der Segen des dreieinigen Gottes wird über ihnen ausgesprochen. Sie «sterben und werden wieder lebendig» (Römer 6).
Dann kommen diese Körper wieder aus dem Wasser – und sind plötzlich ein «Tempel des Heiligen Geistes» (1. Korinther 6,19). Der Körper bekommt eine neue Bestimmung:
Er wird zum Wohnort Gottes.
Gegen den religiösen Dualismus
Bei der Taufe im biblischen Vollsinn wird nicht nur ein wenig Wasser über den Kopf gesprengt – der ganze Leib geht ins Wasser. Das steht gegen jeden Dualismus und jede fromme Vergeistigung.
Im antiken Korinth gab es Christen, die sagten: «Wenn ich zu einer Prostituierten gehe, betrifft das doch nur meinen Körper. Mit meinem Geist glaube ich ja an Jesus.» Paulus wandte sich entschieden gegen diese Vorstellung, die aus der griechischen Gnosis stammte: Der Leib sei minderwertig, nur der Geist zähle und Erlösung bedeute letztlich die Befreiung vom Körper.
Die Bibel steht dieser Vorstellung diametral entgegen. Am Ende geht es nicht um reine Geistigkeit, sondern Leiblichkeit. Wir bekommen einen neuen Körper – Version 2.0 – als Teil einer neuen, realen Erde. Wir werden nicht als «selige Geister» im Himmel herumflattern.
Die Anzahlung
Klar: Auch ein getaufter Körper bekommt Falten, wird alt, krank und stirbt. Auch die Tattoos verschwinden nicht. Aber die Taufe ist eine Anzahlung. Sie weist darauf hin, dass Gottes Erlösung den ganzen Menschen umfasst: Geist, Seele – und eines Tages auch einen neuen Leib.
Darum: Achte auf deinen Körper. Er ist wie ein Samenkorn, aus dem der endgültige Leib hervorgehen wird.
«Tu deinem Leib heute mal etwas Gutes, damit die Seele gern drin wohnt», soll Teresa von Ávila gesagt haben. Und: Lass dich taufen, wenn du es noch nicht getan hast.


