Da ist diese Frau. Jeden Tag läuft sie morgens ungefähr fünf Mal die gleiche Runde durch die Nachbarschaft. Dabei kommt sie alle drei bis vier Minuten an unserem Grundstück vorbei. Wenn ich gerade draussen bin und sie begrüsse, lächelt sie immer freundlich.
Irgendwie hat sie mich zum Nachdenken gebracht. Warum läuft sie immer die gleiche Runde? Es gibt doch so viele, schöne Spazier- und Wanderwege in der nahen Umgebung. Jeden Tag das Gleiche – ist das nicht furchtbar langweilig? Immerhin bewegt sie sich regelmässig, denke ich weiter.
Ist es in unserem Leben nicht manchmal ähnlich? Wir tun etwas immer und immer wieder, weil wir darin sicher sind und weil wir wissen, dass wir das schaffen.
Routinen schenken Halt
Routine schenkt uns Geborgenheit und lässt uns zur Ruhe kommen. Sie ist uns vertraut. Wir haben schon unzählige Male erlebt, wie es eben genau so bestens funktioniert. Auch in der Natur ist vieles «wiederkehrend» und läuft immer gleich ab. Die Jahreszeiten, das Wachstum der Pflanzen, Tag und Nacht. Ist das nicht langweilig? Nein!
Routinen geben uns die Sicherheit, dass etwas in einer bestimmten Zeit abläuft, kommt und geht und sich in einer mehr oder weniger vorhersehbaren Weise verändert oder wiederholt.
Stell dir vor, du könntest nie wissen, ob morgen 35 Grad oder minus 10 Grad herrschen. Man wüsste nie, wann man etwas pflanzen oder heizen sollte. Das würde in unserem Leben viel Unsicherheit schaffen, wodurch mehr auf ein Ereignis «reagieren» müssten, statt selber aktiv zu werden oder vorausschauend zu handeln. In der Welt geschehen genug unvorhersehbare Dinge, Katastrophen, Unfälle, Krankheiten und Tragödien. Da brauchen wir den Halt durch das, was wir kennen.
Was übst du ein?
Statt Routine könnte man auch «Übung» sagen. Was übe ich in meinem Leben immer und immer wieder?
Es gibt gute Routinen und Rituale, die uns aufatmen lassen und unseren Tag strukturieren. Auch das Leben mit Kindern und Familie ist einfacher mit einem gewissen Tagesablauf. Solche Gewohnheiten schaffen Sicherheit und Ordnung.
Es gibt aber auch Routinen und Übungen, in denen wir feststecken. Konsum von Alkohol, abweisende Reaktionen auf Worte, die mich verletzt haben, oder eine andere Handlung, die ich immer wieder tue, weil ich Angst habe, daraus auszubrechen – das Neue kenne ich ja nicht.
Bestimmtes wiederkehrendes Verhalten bringt mir allenfalls einen Nutzen. Vielleicht übertreibe ich gerne bei einer Erzählung und ernte so mehr Aufmerksamkeit. Oder ich flüchte mich in Ausreden, damit ich keine Verantwortung übernehmen muss.
Aber mal ganz ehrlich: So ein Verhalten hält mich in meinen Bedürfnissen gefangen.
Es nährt meine Unsicherheiten, Ängste, Abhängigkeiten und Bequemlichkeiten. Ich drehe mich nur um mich selber.
Was ist die Lösung?
Um ungute Routinen durch gute zu ersetzen, brauche ich die Bereitschaft, meine Routinen zu überdenken. Zunächst geht es darum, den eigentlichen Grund der Handlung zu finden und dann auch eine Idee, mir eine andere Routine anzugewöhnen, die mir guttut.
Warum bei einem wiederkehrenden verletzenden Wort nicht einmal überlegen, warum es mich verletzt? Die Person wollte mir vielleicht gar nichts Böses antun. Was war mein Bedürfnis in diesem Moment? Konnte die Person das wissen?
Aus solchen Mustern gilt es auszubrechen – nicht gleich «zurückzugeben», einfach mal darüber nachzudenken und die Gefühle wieder setzen zu lassen. Danach kann ich klarer denken und mich besser hinterfragen.
In der Bibel heisst es:

«Lasst euch stattdessen einen neuen Geist und ein verändertes Denken geben.»
Epheser 5,23
NLB
«Lasst euch geben» heisst, dass ich mich danach ausstrecken und Gott darum bitten kann. Gott sagt seinerseits, dass er uns einen neuen, guten Geist (neues, gutes Denken) gibt, der unser Leben verändern kann. Es bedingt aber meinerseits eine Bereitschaft zur Veränderung.
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