Um Gottes Willen – bloss das nicht!

Sich zu sorgen ist mehr als eine sympathische Schwäche. Es gibt kaum ein Verhalten, vor dem Jesus so viel warnt, wie sich Sorgen zu machen. Heute wissen wir, warum.

14.8.2026
3 min
geschrieben von
Reinhold Scharnowski
nachdenklicher-mann
Unsplash
Welche Rolle spielen Sorgen in deinem Leben?

Die Geschichte der Menschheit ist bekanntlich eine Geschichte voller Kriege und Krisen. Zu allen Zeiten haben Menschen mehr als genug Gelegenheiten und Gründe gehabt, sich massiv zu sorgen. Heute leben wir – zumindest im Westen – in einer finanziellen, gesundheitlichen und gesellschaftlichen Sicherheit, die die Menschheit noch nie erlebt hat. Und wir haben, über alles gesehen, ein konstant hohes Mass an Zufriedenheit in der Schweiz.

Trotzdem bleiben Sorgen ein sehr aktuelles Problem, das intensiv medial bewirtschaftet wird und eine junge Generation voller Angst hervorgebracht hat. Sorgen sind keine liebenswerte menschliche Schwäche, sondern eine ernsthafte Macht.

Keine Empfehlung, sondern Verbot

Die Weisung von Jesus, sich nicht zu sorgen – z.B. in der Bergpredigt (Matthäus Kapitel 6, Verse 25 bis 34) – ist keine Empfehlung, sondern ein klares Verbot. Paulus schlägt in die gleiche Kerbe: «Macht euch keine Sorgen! Ihr dürft in jeder Lage zu Gott beten. Sagt ihm, was euch fehlt, und dankt ihm!» (Philipper Kapitel 4, Vers 6; HFA).

Wohlgemerkt – in einer Gesellschaft, die keine Gesundheitsfürsorge und keine Sozialversicherung kannte und in der die meisten Menschen nicht wussten, ob sie morgen Arbeit haben. Aber Jesus wusste: Sorgen haben Macht. Ja, sie SIND eine Macht.

Sorgen entstehen von selbst, da keiner von uns die Zukunft kennt. Sorgen tun immer so, als seien sie notwendig. Sie sind die Vorstufe der Angst – ein Gift, das unsere Seele angreift.

«Sorgen machen die Probleme von morgen nicht kleiner, aber sie rauben uns heute die Kraft.»

Corrie ten Boom

«Einfach nicht sorgen»?

Natürlich kann man versuchen, sich die Sorgen auszureden und sie zu verdrängen. Laut bekannten Studien (wie einer Untersuchung der Cornell University) erweisen sich bekanntlich rund 85 bis 92 Prozent aller Sorgen im Nachhinein als unbegründet. Das bedeutet, dass nur etwa acht bis 15 Prozent der Dinge, über die wir uns den Kopf zerbrechen, tatsächlich eintreten. Aber für viele ist es unmöglich, sich einfach nicht zu sorgen. Man kann doch Gedanken nicht einfach abstellen, oder?

Es gibt gute Hilfen im Umgang mit Sorgen; vielleicht die wichtigste finden wir im Paulus-Text selbst:

«4 Freut euch zu jeder Zeit, dass ihr zum Herrn gehört. Und noch einmal will ich es sagen: Freut euch! 5 Alle Menschen sollen eure Güte und Freundlichkeit erfahren. Der Herr kommt bald! 6 Macht euch keine Sorgen! Ihr dürft in jeder Lage zu Gott beten. Sagt ihm, was euch fehlt, und dankt ihm! 7 Dann wird Gottes Friede, der all unser Verstehen übersteigt, eure Herzen und Gedanken bewahren, weil ihr mit Jesus Christus verbunden seid. 8 Schliesslich, meine lieben Brüder und Schwestern, orientiert euch an dem, was wahrhaftig, vorbildlich und gerecht, was redlich und liebenswert ist und einen guten Ruf hat. Beschäftigt euch mit den Dingen, die auch bei euren Mitmenschen als Tugend gelten und Lob verdienen. 9 Haltet an der Botschaft fest, die ihr von mir gehört und angenommen habt. Richtet euch nach dem, was ich euch gelehrt habe, und lebt nach meinem Vorbild. Dann wird Gott, von dem aller Friede kommt, bei euch sein.» 

Philipper Kapitel 4, Verse 4 bis 9

HFA

Die Gegen-Strategie

Wie immer sagt die Bibel nicht einfach «Tu das nicht» – in diesem Fall, sich zu sorgen (siehe Vers 4) –, sondern gibt eine praktische Alternative: «Betet für alles und packt euer Gebet in Dank ein.» (siehe Vers 6b) Das ist die aktive Gegen-Strategie gegen Sorgen.

Versuche einmal, «1» zu denken und es dann wieder zu vergessen. Die «1» wird in deinen Gedanken bleiben, bis – ja, bis du «5» oder sonst eine andere Zahl denkst. Falsches Verhalten nicht einfach vermeiden, sondern es durch ein anderes – möglichst das Gegenteil – ersetzen, das ist oft die konkrete Hilfe, von der die Bibel spricht. Darum vertieft und erweitert Paulus sein Sorgen-Verbot in Vers 8: «Alles, was wahrhaftig ist und Respekt gebietet, alles, was gerecht ist und ohne falsche Motive, alles, was es sich lohnt zu lieben und zu loben, sei es eine gute Eigenschaft oder vorbildliches Verhalten – beschäftigt euch mit solchen Dingen!»

Ich setze den Hebel also tiefer an: Mit was beschäftige ich mich? Worüber reden wir? Müsste ich manche Unterhaltung auch unter Christen nicht manchmal deutlich unterbrechen und in eine andere Richtung lenken?

Der tägliche Entscheid, sich nicht zu sorgen, ist nicht naiv, sondern ein aktiver geistlicher Kampf, der mit unserem ganzen Denken zu tun hat. Und: «Sorgt euch nicht» gilt nicht nur für mich persönlich, sondern auch für den Spirit, den ich verbreite. «Sich nicht zu sorgen» ist mehr als nur «positives Denken», sondern: Letztlich mache ich mir immer wieder klar, wer im Regiment sitzt, wer der Herr der Welt ist – und wer mein Leben bis ins Kleinste in der Hand hat.

Teile diesen Beitrag
Das könnte dich auch interessieren
Thema
Jesus erinnert uns daran, dass er selbst für uns sorgen wird

Auf dem Weg zum Besten – Sorge dich nicht!

Durch unseren Glauben an Jesus haben wir immer wieder die Freiheit, selbst zu entscheiden, wer oder was Zutritt zu unserem Lebenshaus bekommt. Gedanken von Pastor Konrad Blaser.
Thema
Echte Transformation benötigt eine ehrliche Auseinandersetzung mit den dunklen Seiten des Lebens

Traumatheologie – Vom Loben zum Klagen

Im christlich geprägten Denken entwickelt man sich vom Klagen zum Loben. In der Bibel ist das aber nicht überall so – genauso wie im Leben. Traumatherapeuten zeigen, dass Klage Raum braucht und dass dies attraktiv für suchende Menschen sein kann.
Thema
Wir können unsere negative Gedanken erneuern (Symbolbild)

Biblische Perspektive – Das Schlachtfeld der Gedanken: 21 Tage-Detox

«Du wirst immer wieder versagen.» «Du wirst das niemals können.» Solche Aussagen prägen und begleiten uns ein Leben lang. Doch wir sind nicht einfach Opfer unserer negativen Gedanken. Sowohl die Bibel als auch die Wissenschaft beweisen uns das.
Thema
Für was lebe ich?

Biblische Perspektive – Das Schlachtfeld der Gedanken

Jeden Tag schwirren tausende von Gedanken durch unseren Kopf. Darunter sind neutrale, gute aber auch schlechte. Wie können wir mit diesen Gedanken umgehen. Und was sagt eigentlich die Bibel dazu?