Als Beispiel nehmen wir das «Grabtuch von Turin»: Immer wieder werden neue Theorien und vermeintliche Erkenntnisse veröffentlicht. Der öffentliche Diskurs reisst nicht ab, und es wird viel Aufwand betrieben, um weiterzuforschen. Daran ist grundsätzlich nichts falsch. Doch angesichts all der Details – etwa eines vermeintlichen Abdrucks des Gesichts von Jesus – kann leicht die eigHauptsache aus dem Blick geraten: Jesus Christus selbst.
Das ist nur ein Beispiel von vielen. Denn das Gute kann zum Feind des Allerbesten werden. Warum sich also mit dem Zweitbesten begnügen?
Wir wollen deshalb gemeinsam diesem Leitsatz auf die Spur kommen:
Nicht nur über Gott reden und Wissen über ihn sammeln, sondern mit Gott selbst in Kontakt sein – und ihn dadurch wirklich kennenlernen.
Mehr als Materie
Das Ziel ist, Gott besser kennenzulernen: mit ihm in Kontakt zu treten und eine Beziehung zu ihm zu pflegen. Weil sich das Glaubensleben weniger körperlich, sondern vor allem geistig abspielt, geschieht dies insbesondere durch Sprechen und Hören, durch Gedanken und Gefühle – und natürlich durch Gebet.
Dazu gehören auch unterschiedliche Erfahrungen, in denen sich das Göttliche zeigen kann: etwa besondere Gebetserlebnisse oder die wunderbar-geniale Schöpfung. Gerade darin erleben viele Menschen, dass vor ihnen mehr ist als reine Materie. Ein Moment, in dem sie sagen: «Da fühle ich mich Gott nahe.»
Schöpfer plus Schöpfung
Die eindrückliche Natur ist wohl das Paradebeispiel dafür, wie wir uns «ergötzen» können, ohne den Schöpfer dahinter wahrzunehmen. Die Natur ist so faszinierend, dass es scheinbar gar nichts Zusätzliches braucht – oder? Umso genialer ist es, wenn wir sagen können:
Wir kennen den, der das alles geschaffen hat, und stehen mit ihm in Kontakt. Das gibt dem Ganzen eine zusätzliche, bombastische Dimension.
Und ja: Es ist absolut in Ordnung, die Natur einfach zu geniessen und sich von ihr berühren zu lassen. Vielleicht könnten wir diese Momente aber noch öfter nutzen, um mit Gott in Kontakt zu treten – etwa indem wir ihm für das Gesehene danken oder ihn dafür loben.
Das zeigt auch: Glaubensleben ist nicht nur etwas für «superspirituelle» Typen. Es gibt ganz unterschiedliche Wege, eine Beziehung zu Gott zu pflegen. Manche sind stark auf der Gefühlsebene unterwegs und finden etwa im musikalischen Gebet Zugang. Andere kommen über Bibelwissen, Nachdenken oder Forschung Gott näher. Entscheidend ist die Beziehung. Sie macht den Glauben lebendig und bewahrt ihn davor, reine Theorie oder etwas Unfassbares und Kaltes zu bleiben.
Mütter, Männer und andere Menschen
Apropos Nähe: Menschen können uns nahe sein – Gott ist dagegen ein Geistwesen. Und gerade deshalb wurde er Mensch. Dieses Mysterium können viele nicht annehmen und bleiben lieber bei einem Jesus stehen, der für sie nicht Gott ist, oder wenden sich anderen Religionsstiftern wie Mohammed oder Buddha oder unzähligen Heiligen zu.
Auch Pfarrer können im Glaubensleben eine zu grosse Rolle einnehmen. Und natürlich sind Ehepartner und Kinder naheliegende «Angebetete»: Sie sind fassbar, sichtbar und körperlich präsent. Schnell können sie dadurch wichtiger werden als Gott.
Immer wieder hört man von Menschen, für die «meine Familie» das Allerwichtigste im Leben ist. Umso tiefer kann der Fall sein, wenn eine solche Beziehung zerbricht oder ein geliebter Mensch verstirbt. Und was ist mit Menschen, die keine Familie haben? Ist ihr Leben deshalb weniger wert oder gar sinnlos? Natürlich nicht.
Gerade hier wird der dreieinige Gott als Gegenüber, Beistand und Tröster besonders kostbar. Er ist unsichtbar und doch gegenwärtig. Er steht dem Menschen in vielem unendlich weit voraus – und will uns trotzdem Freund sein.
Auch Musiker, Sportler, Influencer oder andere bekannte Persönlichkeiten können diese Rolle eines «Angehimmelten» einnehmen. Die Frage bleibt:
Wem geben wir letztlich den ersten Platz?
Forschung, Archäologie und Schriften
Braucht es also Dinge, Personen oder Orte wie Kirchen, um dem Himmelvater zu begegnen? Orthodoxe Ikonen sind ein Beispiel für diese Gratwanderung. Sie sollen dabei helfen, sich auf Gott auszurichten und mit ihm in Kontakt zu treten. Doch wenn man am Bild selbst hängen bleibt, wird es mehr als eine Brücke zu Gott – und man kann den eigentlichen Zweck aus dem Blick verlieren.
Ein guter Prüfstein könnte deshalb die Frage sein:
Kann ich darauf verzichten und auch ohne dieses Mittel meine Beziehung zu Gott pflegen? Oder habe ich das Gefühl, es unbedingt zu brauchen?
Auch zum Thema Forschen hat die Bibel ein interessantes Wort zu sagen. In Prediger heisst es:

«Im Übrigen, mein Sohn, lass dich warnen! Es nimmt kein Ende mit dem vielen Bücherschreiben, und das viele Lernen macht den ganzen Körper müde. Zu guter Letzt lasst uns hören, welche Schlussfolgerung sich aus all dem ergibt: Begegne Gott mit Ehrfurcht und halte seine Gebote! Das gilt für jeden Menschen.»
Prediger 12,12-13
HFA
Das Entdecken und Forschen nimmt kein Ende. Und natürlich stösst die Wissenschaft dort an Grenzen, wo es nicht mehr allein um Wissen, sondern um Glauben und Beziehung geht. Die Bibel lenkt den Blick deshalb auf etwas anderes: Gott mit Ehrfurcht zu begegnen.
Doch wie macht man das konkret?
Gott: Liebevoller Kommunikator
Zuerst sollte das Ziel klar sein: Gott selbst erleben und kennenlernen. Dabei können uns verschiedene Hilfsmittel unterstützen, ohne zu wichtig zu werden. Hilfreich ist, den dreieinigen Gott als lebendiges und kommunikatives Gegenüber zu verstehen.
Gebet – im Alltag oder bewusst eingeplant –, die Bibel, der Austausch mit anderen Gläubigen oder andere Impulse können die Beziehungspflege unterstützen.
Es darf locker und easy sein: Es gibt keinen Grund, dass es Stress auslöst.
Wie bei menschlichen Beziehungen gilt:
Durch regelmässigen Kontakt und gegenseitiges Kennenlernen entsteht mit der Zeit eine tiefere Beziehung.
Auch Theologie und Bibel eine Versuchung?
(für Fortgeschrittene ;-))
«Götzen» ist ein deftiges Wort. Für Gläubige, die schon länger im kirchlichen Umfeld und im Glauben unterwegs sind, mögen die folgenden Gedanken etwas ketzerisch klingen. Sie sollen jedoch nicht beunruhigen. Der Fokus bleibt: die persönliche Beziehung mit Gott.
Stellen wir uns doch einmal folgende Fragen:
Können Gottes Manifestationen – ein Stück Himmel auf Erden – wie Heilungen, Wunder, Versorgung, Wetter, die Vermehrung von Speisen und vieles mehr wichtiger werden als Gott selbst?
Können auch Geistesgaben oder geistliche Früchte, die uns erfreuen, von Gott ablenken?
Und die Bibel: Geht es irgendwann mehr darum, über Gott zu erfahren, als mit Gott gemeinsam mehr Erfahrungen zu machen?
Geformtes Herz: Liebe statt Leistung
Auch Kirche, Gottesdienst oder Bibellesen können eine persönliche Beziehung mit Gott ersetzen – gerade wenn daraus Leistung statt «Leben mit Gott teilen» wird. Wo beginnt Routine, die tötet, und wo Ritual, das Leben fördert?
Es geht um eine Liebesbeziehung, nicht um (fromme) Leistung. Darf Gott unser Herz, unser Wissen und unser Bild von ihm selbst formen? Sind wir offen für seine Impulse?
Das Leben mit Gott ist nicht immer bequem. Wenn er uns korrigiert, kann es sogar wehtun, weil es unserer Art zuwiderläuft. Doch wenn wir uns darauf einlassen, beschenkt er uns mit viel Gutem, Neuem und Schönem. Und vor allem: Beim Himmelvater geschieht das garantiert aus Liebe.
Das höchste Gebot ist das Dreifachgebot der Liebe. Jesus sagt im Matthäus-Evangelium:

«Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand. Das ist das erste und wichtigste Gebot. Ebenso wichtig ist aber ein zweites: Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.»
Matthäus 22,37-39
HFA
Es geht um sprudelnde Liebe, Beziehung und Bereicherung – nicht nur um ein tröpfelndes Bächlein.





