Symbole stehen metaphorisch für bestimmte Themen und werden entsprechend gedeutet. Beim Kreuz vergessen wir dabei oft, dass es ursprünglich ein Folterinstrument war – im Römischen Reich eingesetzt, um Menschen auf brutalste Weise hinzurichten. Heute nehmen wir das kaum noch wahr. Das Kreuz verbinden wir mit Frieden und der frohen Botschaft.
Ein Symbol des Leidens wurde zum Symbol der Freiheit.
Neue Symbole
Ich frage mich manchmal, was es bei den Betrachterinnen und Betrachtern auslösen würde, wenn ich ein Kreuz an eine Wand malen würde. Würde es Widerstand auslösen? Oder eher Gleichgültigkeit, weil man es schon tausendmal gesehen hat und sich längst eine Meinung dazu gebildet hat?
In meinem künstlerischen Schaffen suche ich deshalb nach neuen Wegen, meinen Glauben auszudrücken und andere dazu anzuregen, eigene Gedanken zu einem Thema zu machen. Klare und plakative Symbole sind hilfreich – und die braucht es auch. Gleichzeitig wirken sie auf mich manchmal zu offensichtlich oder etwas «abgedroschen», obwohl ihre Aussage für mich nach wie vor zum Kern des christlichen Glaubens gehört.
Die Schuhe von Jesus
Bei meinem letzten Mural (Wandgemälde) im Graffland habe ich deshalb nach einem anderen Symbol gesucht, um auf Jesus hinzuweisen. Dabei wurden Schuhe für mich wichtig.
Schuhe brauchen wir, um einen Weg zu gehen. Sie tragen uns an einen bestimmten Ort, schützen unsere Füsse, sorgen dafür, dass es möglichst bequem ist. Sie helfen uns, unser Ziel zu erreichen – je nach Gelände mit ganz unterschiedlichen Anforderungen. An einem Galaabend tragen wir andere Schuhe als bei einer Wanderung in den Bergen.
Für mein Sujet habe ich einfache Alltagsschuhe gewählt, keine luxuriösen Designer-Schuhe. Ich stellte mir die Frage:
Welche Schuhe würde wohl Jesus heute tragen?
Für mich passten einfache «Chucks» perfekt. Ein bisschen abgelatscht und ohne Luxus. Trotzdem cool, praktisch und mit einer ganz eigenen Schönheit. Meiner Meinung nach werden Converse-Schuhe ohnehin erst richtig schön, wenn sie ein wenig abgetragen sind.
Der Weg in die Freiheit
Jesus ist wohl den schwersten Weg gegangen, den ein Mensch je gehen musste. Als Gottessohn nahm er alle Last, unsere Schuld und die Widrigkeiten der Menschheit auf sich, um uns mit Gott zu versöhnen.
Das Blut an den Schuhen steht symbolisch für diesen harten Weg. Jesus ist nicht einfach durch Blut gelaufen – es ist sein eigenes Blut an seinen Füssen, das durch seine Schuhe dringt.
Es ist das kostbarste Blut, weil es unschuldig vergossen wurde. Jesus ging diesen schweren Weg stellvertretend für uns.
Nun hält Jesus diese blutdurchtränkten Schuhe siegreich in die Höhe – als Zeichen des Friedens und der Versöhnung mit Gott.

Er muss diese Schuhe kein zweites Mal tragen. Einmal genügte. Sie dürfen nun sinnbildlich zurück ins Schuhregal.
Schuhe der Bereitschaft
Im Epheserbrief heisst es:

«… und tragt an den Füssen das Schuhwerk der Bereitschaft, das Evangelium des Friedens zu verbreiten.»
Epheser 6,15
NGÜ
Der entscheidende Unterschied: Wir müssen in diesen Schuhen nicht mehr bluten. Sie sind bequem und tragen uns dorthin, wohin wir berufen sind. Das «Joch», das uns Jesus auflegt, ist leicht. Denn er ist den Weg bereits vor uns gegangen. Wir dürfen in seine Fussstapfen treten und die Werke tun, die er für uns vorbereitet hat.
«Seine Gnade ist so gross, dass er unsere Freiheit mit dem Blut seines Sohnes erkauft hat, sodass uns unsere Sünden vergeben sind.»
Epheser 1,7
NLB



