Vom Banker zum Verschenker – Der Geldverteiler vom Mirabellplatz

23.2.2019
3 min

Mitten in Salzburg verteilt Max Luger regelmässig Geld. Jeder, der etwas braucht, kann zu ihm kommen. Für viele Menschen ist der grossherzige Christ ihre letzte Rettung...In einem Baucontainer am Mirabellplatz in Salzburg verteilt Max Luger Geld. Sein Projekt nennt er «Fair Share»: Faires Teilen. «Jene, die mehr haben, als sie brauchen, geben Geld ab. Und jene, die Geld dringend benötigen, bekommen es. So funktioniert die Umverteilung», erklärt der Pensionär.

Ein Gespür für Bedürftige entwickelte Luger schon früh: «Ein Bruder meines Vaters ist als Obdachloser gestorben. Als ich ein Kind war, kam er öfter zu uns. Aber er merkte, dass sich alle für ihn schämen und irgendwann kam er nicht mehr. Das sensibilisierte mich früh für Menschen in Not.»

Bank, Kloster, Kirche 

Der Österreicher arbeitete zehn Jahre lang in einer Bank, doch dann interessierte ihn das «ständige Beschäftigen mit dem Geld» nicht mehr. Er ging ins Kloster und lebte vier Jahre mit den Mönchen. Danach arbeiteet er bis zur Rente in der Kirche. In dieser Zeit wurde er erneut mit der Armut vieler Menschen konfrontiert. «Ich war in den zwei ärmsten Stadtpfarreien von Salzburg tätig und habe gesehen, wie viele Menschen es gibt, die fast nichts zum Leben hatten und gerade über die Runden gekommen sind. So kam die Idee zu der 'Umverteilung'.»

Ein Container der Nächstenliebe

Montag bis Donnerstag von 9 bis 14 Uhr sitzt Luger in seinem Container und ist damit für viele Menschen die letzte Hoffnung. Im Monat kommen etwa Hundert Bedürftige zu ihm und bitten ihn um Unterstützung. «Mir geht es darum, den Leuten über den Berg zu helfen», erklärt der Pensionär. Es kommen Frauen, wenn der Kindsvater keine Alimente zahlt. Wenn bürokratische Hürden ein Überleben schwer machen. «Ich bin eine Art letzte Anlaufstelle», erzählt Luger. Menschen in Not bekommen von ihm ausschliesslich Geld. Und nie unter 100 Euro. «Das ist dann eine finanzielle Zuwendung und keine Almosen mehr» und das ist dem gläubigen Christen wichtig.

Zu Beginn des Projekts 2013 flossen dank medialer Aufmerksamkeit wesentlich mehr Spenden. Inzwischen musste der ehemalige Banker aufgrund der knapperen Ressourcen Regeln erstellen: Alleinerziehende bekommen zuerst etwas, dann Ältere und Kranke. Und wenn dann noch etwas übrig ist: Alleinstehende.

«Liebe gibt bedingungslos»

Dass seine Hilfe ausgenutzt werden könnte, darüber macht Luger sich keine Sorgen. «Ich kann nicht in die Herzen der Menschen blicken. Aber die Aussage Jesu ist für mich sehr tröstlich: Gib jedem, der dich bittet. Und wenn dir jemand etwas wegnimmt, verlang' es nicht zurück. Liebe gibt bedingungslos.»

Der Geldverteiler vom Mirabellplatz ist froh darüber, dass er seinen Container mitten in der Stadt aufstellen durfte: «Das ist für mich der schönste Platz, weil er mitten im Zentrum der Stadt ist. Das habe ich mir so gewünscht: dass die Armut ins Zentrum gerückt wird. Ich hasse es, wenn man von 'Menschen am Rande der Gesellschaft' spricht und die Armen meint. Ich möchte, dass die Armen in der Mitte sind und die Reichen am Rande, damit man sieht: Die Reichen tragen die Armen mit.»

Seine Geschichte erzählt Max Luger hier, ein Beitrag von ERF Medien:

Zur Webseite:
Fair Share

Teile diesen Beitrag
Das könnte dich auch interessieren
Story
Verena Läuchli-Plüer

Wenn Schönheit auf den Schöpfer verweist

Farben begeistern Verena Läuchli-Plüer seit jeher. Als Farb- und Stilberaterin hilft sie Menschen, ihre natürliche Schönheit zu entdecken. Doch ihr eigentliches Anliegen geht tiefer: Sie möchte, dass in ihrem Leben und in ihren Begegnungen etwas von der Schönheit und Liebe Gottes sichtbar wird.
Story
rolf-brennwald

Verschiedene Hüte und die eine Beziehung zu Gott

Rolf Brennwald ist 65 Jahre alt und wohnt mit seiner Frau Brigitte in Wangen bei Olten. Seine Beziehung zu Jesus pflegt er auf verschiedene Art und Weise. Das beginnt bei ihm schon am Morgen. So habe ich ihn für unser Interview gleich «in flagranti» erwischt, in der Stille.
Story
Tyler White legt als DJ bei den «Autism-Speaks-Walks» auf

Getragen von Hoffnung als Inspiration für andere

Tyler White, auch bekannt als «DJ TyWy», wuchs mit einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS) auf. Die Musik half ihm, soziale Hürden zu überwinden. Sein Glaube ist die tragende Säule in seinem Leben.
Story
Melissa Ferguson unterstützt Menschen durch ihre Bücher den Blick auf die Wahrheit zu richten

Den Blick für wahre Prioritäten nicht verlieren

Sie selbst sei oft zu beschäftigt gewesen, um beispielsweise zu beten. Doch heute rät Melissa Ferguson dazu, die Prioritäten so festzulegen, dass echter Frieden ins Leben kommt.