«Unser Leid ist ein Segen» – Eine Nachricht aus Nordkorea

Nordkorea
Imported Image
Nordkorea
12.2.2022
3 min

Da das Christentum in Nordkorea total untersagt ist, weiss niemand so genau, wie viele Christen es dort gibt. Manche glauben, es gäbe kaum noch welche. Vereinzelte Briefe und Berichte zeigen aber: Die Christen sind aktiv und brauchen Gebet.

Jeden Morgen steht Bae in den Bergen von Nordkorea im Morgengrauen auf, um ihre Arbeit als Erntehelferin zu beginnen. Dort erhält sie eine armseelige Essensration von der Regierung und arbeitet dann den ganzen Tag. Voll ist ihr Magen nie – falls sie mal eine Pause machen darf, eilt sie in die nahegelegenen Wälder, um mit Pilzen oder anderen Pflanzen etwas zusätzliches Essen zu erhalten.

Baes eigentlicher Job

Bis in die Abenddämmerung muss sie arbeiten. Nach einer weiteren winzigen Essensration eilt sie nach Hause – dann beginnt ihre wahre Arbeit. Im Dunkeln schleicht sie sich aus dem Haus, durch das Dorf bis in den Wald. An einem bestimmten Baum beginnt sie in der Erde zu schaben, zieht eine Plastiktüte heraus und eilt wieder nach Hause. Dort wartet bereits der Rest der Familie, sie haben die Fenster schon mit Decken abgedeckt und eine Kerze angezündet. Bae öffnet das Buch und flüstert: «Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.» Ein ganz normaler Tag in einer nordkoreanischen Untergrundgemeinde.

Glück gehabt – «nur» zwangsversetzt

Die Organisation Open Doors schätzt, dass in Nordkorea um die 400'000 Christen im Untergrund leben. Zu ihnen gehören Bae und ihr Mann. Als die Regierung bei ihnen eine Bibel fand, wurden die zwei in das Dorf, in dem sie jetzt leben, zwangsversetzt und zu lebenslanger, harter Feldarbeit verurteilt. Sie wissen, dass sie hier bis zu ihrem Tod leben werden – und sie wissen, dass sie es viel besser haben als viele andere Christen ihres Landes, die in einem Arbeitslager enden und dort häufig sterben. Doch auch Bae und ihr Mann werden überwacht, weglaufen wäre sinnlos.

«Kein Fluch, sondern Segen»

Einmal gelang es Bae, nach China zu fliehen. Dort traf sie Christen und kam auch mit Open Doors in Kontakt. Sie erhielt Lebensmittel, Medizin und eine neue Bibel – sowie die Chance, dort zu bleiben. Doch sie lehnte ab, kehrte mit den Geschenken in ihr Land zurück. Und dort leitet sie nun eine eigene kleine Untergrundkirche.

Erst kürzlich gelang es ihr über Umwege, Open Doors einen Brief zukommen zu lassen. Sie schrieb: «Aus der Sichtweise anderer Menschen muss unser Leben voll von Leiden wie ein Fluch erscheinen; doch dieses Leiden ist ein Segen von unserem himmlischen Vater, der es in unserem Leben erlaubt, weil es uns ihm näherbringt. Er kennt unser Leiden und hört unsere Gebete. (…) Ich danke dem Vater Gott vor allem dafür, dass er mich als seine Dienerin gebraucht. Ich möchte ihm mein Leben bis zum Tod widmen, um ihn zu ehren!»

Teile diesen Beitrag
Das könnte dich auch interessieren
Story
andreheiniger

Vom Spitzenkoch über den Ruin zu neuem Leben

Nach einer schwierigen Kindheit startet André Heiniger voller Elan ins Berufsleben und hat sofort grossen Erfolg. Er wird reich, macht sich selbstständig und lebt für seine Karriere. Doch dann bekommt er eine schwierige medizinische Diagnose.
Story
Sophia im Studio

Ihr war alles egal – bis ihre Welt zusammenbrach und plötzlich Friede kam

Eigentlich war Sophia mit dem Grundgefühl durchs Leben gegangen, dass alles egal sei. Doch als sie mit 18 Jahren ungeplant schwanger wurde, brach dieses Gefühl plötzlich auf. Sie war verzweifelt und hilflos – und zugleich fühlte sich dieser Moment so real an wie lange nichts mehr. Zum ersten Mal ...
Story
privat-rene-schoop

René Schoop – Von der Krise in die Selbstständigkeit

René Schoop ist ein Machertyp. Er ist 69 Jahre alt und gelernter Maler. Mit 40 Jahren hatte er eigentlich alles erreicht, was er wollte: einen guten Job, eine tolle Familie mit drei Kindern und ein Haus... Doch irgendwie war er gesättigt und er wollte mehr...
Story
maria-tranchida

Festhalten, wenn alles wankt

Erst eine schwierige Familiensituation, dann der plötzliche Tod ihres Ehemanns: Maria Tranchida hat erlebt, was es bedeutet, wenn einem der Boden unten den Füssen wegbricht. Doch was sie in dieser Zeit gelernt hat, hat ihr Leben für immer verändert und bereichert.