Ehemaliger Drogendealer – «Ich habe vielleicht kein Geld, aber ich habe Frieden»

22.8.2017
3 min

Um seine Musik finanzieren zu können, beginnt Júlio Santana mit Drogen zu dealen. Je mehr er dealt, desto weniger interessiert ihn aber seine Musik – alles dreht sich ums Geld. Doch etwas fehlt ihm: der innere Frieden. Als sein Vater stirbt, macht er sich auf die Suche nach Änderung.Gründe, um in die Welt der Drogen einzusteigen, gibt es viele. Für Júlio Bomfim Santana de Jesús war es die Musik. Der Brasilianer wollte schon immer Sänger sein – doch ihm fehlte das nötige Geld, um eine CD aufzunehmen und seine Musik ins Radio zu bekommen. Da tat sich ihm eine Möglichkeit auf: der Drogenhandel.

Zuerst Musik, dann das Geld

Júlio begann klein, arbeitete sich dann weiter hoch, bis er zum Anführer der organisierten Kriminalität der Stadt Salvador im Staat Bahía wurde. Und die Musik? «Ich trat mit diversen Künstlern auf», berichtet der heute 36-Jährige. Doch etwas liess ihm keine Ruhe. «Ich hatte keinen Frieden beim Singen, weil ich wusste, dass ich mich auf die falsche Szene eingelassen hatte…» Er rappte, seine Texte handelten von Kriminalität, aber je mehr er mit den Drogen dealte, desto weniger interessierte ihn seine Musik – es ging nur noch ums Geld. «Als ich in dies Geschäft reinkam, verlor ich das Interesse an der Musik.»

«Schlechter Mensch mit gutem Herzen»

Stattdessen wurde er als «Robin Hood» bekannt. Denn das Geld, das er sich illegal beschaffte, verteilte er an bedürftige Menschen. «Das Geld wurde unrechtmässig erworben, aber ich half dadurch vielen Leuten. Nach einem Raubüberfall kam ich jeweils nach Hause und verteilte es. Ich gab ihnen Körbe voller Grundnahrungsmittel und Gas-Kanister [zur Nutzung von gasbetriebenen Herden]. Ich war ein schlechter Mensch mit einem guten Herzen», erinnert sich Júlio.

Doch dann starb sein Vater. Der Schmerz war für Júlio fast unerträglich. Er konnte sich nicht einmal von ihm verabschieden oder zur Beerdigung gehen aus Angst, die Polizei könnte ihn schnappen. Dann rief ihn seine Mutter an und flehte ihn an, doch sein Leben zu ändern. «Mein Sohn, wenn du dieses Leben weiterführst, wirst du sterben, und wenn du stirbst, dann sterbe ich auch.» Diese Worte drangen tief in sein Herz. Doch wie konnte er sich ändern? Wie konnte er seinem Leben eine Kehrtwendung geben?

Geweint vor Freude

Júlio wandte sich an den einzigen, der wirkliche Veränderung schenken kann: Jesus. Er bekannte ihm all seine Sünden und Fehler. Und dann tat er den nächsten logischen Schritt: Er übergab sich der Polizei. Nun würde er seine verdiente Strafe erhalten. Doch statt sich zu sorgen, wie viele Jahre er ins Gefängnis müsste, brachte ihm diese Entscheidung Frieden – einen Frieden, den er seit Jahren nicht mehr gespürt hatte. Er fühlte sich frei, sogar hinter Gittern. «Wenn ich mich schlafen legte, weinte ich vor Freude über die Freiheit, die ich in Christus gefunden hatte. Ich wusste, dass ich meine Kinder wiedersehen würde. Ich wollte ganz neu mit meiner Familie zusammen sein.»

Neue Mission: Kriminellen helfen

Nur elf Monate verbrachte Júlio hinter Gittern. Als er freigelassen wurde, begann sein neues Leben an der Seite seiner Familie. Heute ist der ehemalige Drogenhändler Pastor einer evangelischen Kirche. Er setzt sich dafür ein, anderen vom Evangelium zu erzählen – insbesondere Menschen, die im Sumpf der Kriminalität stecken. Ihnen möchte er helfen. «Ich habe vielleicht kein Geld, aber ich habe Frieden – und ich weiss, dass ich gerettet bin!»

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