Leben im Rollstuhl – Texas-Gouverneur: «Gott hat oft einen anderen Lebensplan»

26.4.2017
3 min

Gerade erst hat Greg Abbott den Juraabschluss gemacht, da wird er bei einem Unfall gelähmt und an den Rollstuhl gefesselt. Doch inmitten von Schmerz und Zweifeln lernt er Gott ganz neu kennen – und beginnt eine erstaunliche politische Karriere. Heute ist er Gouverneur von Texas.

Es ist ein Tag wie jeder andere. Der 26-jährige Greg Abbott joggt durch die Strassen der wohlhabenden Gegend River Oaks in Houston. Gerade erst hat er seinen Jura-Abschluss abgelegt und steht kurz vor dem Antritt seines ersten Jobs. Doch dann passiert es: Eine 22 Meter hohe Eiche, die von innen morsch geworden ist, fällt auf den jungen Jogger und zertrümmert seine Wirbelsäule. «In einem Moment konnte ich gehen und rennen und alles tun, was ich mein ganzes Leben lang getan hatte. Und im nächsten konnte ich nicht mehr gehen. Ich wusste nicht, ob ich weiterarbeiten könnte, ob ich überhaupt irgendetwas in meinem Leben tun konnte.»

Durch die schweren Verletzungen ist Greg von der Hüfte an gelähmt. Doch der junge Mann, der erst drei Jahre zuvor geheiratet hat, hat keine Krankenversicherung – wie es für viele in den USA üblich ist. Alle seine Lebensträume wurden unter der Eiche begraben. Was jetzt?

Prüfung stärkte seinen Glauben

Was ihn durch die schwere Zeit nach dem Unfall trägt, ist der Glaube, den er von klein auf mitbekommen hat, der für ihn bisher aber eher Tradition war. Und auch seine Frau Cecilia, eine aktive Katholikin, hilft ihm ungemein. «Wenn man eine schwierige Zeit im Leben durchmachen muss […], wird der eigene Glaube geprüft. Mein Glaube wurde geprüft und ich fragte mich, warum das geschehen musste – aber dann spürte ich schon bald, wie Gott mich führte. Ich merkte, dass Gott einen anderen Weg für uns hat, als wir vielleicht denken. Wir können uns nicht auf einen bestimmten Weg versteifen, nein, wir müssen auf Gottes Führung hören. Und durch jeden einzelnen Schritt meiner Erholung nach dem Unfall bin ich näher und näher zu Gott gekommen. Seit damals ist meine Beziehung mit ihm stärker und besser als vor dem Unfall.»

Lebenskern bleibt unverändert

Greg verklagt den Grundstückbesitzer und erhält eine Abfindung. Doch das gibt ihm seine Beine nicht zurück. Er beginnt, verstärkt seine Arme zu trainieren. «In den folgenden Monaten beginnt man, das Leben wieder zusammenzubringen und dann realisiert man erst, dass man im Rollstuhl sein wird, dass man nicht mehr laufen kann, dass das eigene Leben sich komplett verändert hat. Aber hier ist der springende Punkt: Das Leben hat sich eigentlich nicht verändert. Was sich verändert hat ist die Form, wie man sich darin bewegt. Doch der Kern des Lebens hat sich nicht verändert und wenn dieser Lebenskern auf Gott konzentriert ist, dann wird alles sich irgendwie lösen.»

Durch den gestärkten Glauben findet Greg Mut und Kraft, eine Karriere im Obersten Gerichtshof von Texas zu beginnen, wo er nach vielen Jahren zum Staatsanwalt ernannt und 2014 letztlich zum Gouverneur von Texas gewählt wird. Als Gouverneur gibt es ebenfalls immer wieder Herausforderungen, doch auch hier hilft ihm sein Glaube. Denn wie er es sieht, hat Gott ihn dazu berufen, «gut zu reagieren und mich mehr um andere zu kümmern als um mich selbst».

Teile diesen Beitrag
Das könnte dich auch interessieren
Story
andreheiniger

Vom Spitzenkoch über den Ruin zu neuem Leben

Nach einer schwierigen Kindheit startet André Heiniger voller Elan ins Berufsleben und hat sofort grossen Erfolg. Er wird reich, macht sich selbstständig und lebt für seine Karriere. Doch dann bekommt er eine schwierige medizinische Diagnose.
Story
Sophia im Studio

Ihr war alles egal – bis ihre Welt zusammenbrach und plötzlich Friede kam

Eigentlich war Sophia mit dem Grundgefühl durchs Leben gegangen, dass alles egal sei. Doch als sie mit 18 Jahren ungeplant schwanger wurde, brach dieses Gefühl plötzlich auf. Sie war verzweifelt und hilflos – und zugleich fühlte sich dieser Moment so real an wie lange nichts mehr. Zum ersten Mal ...
Story
privat-rene-schoop

René Schoop – Von der Krise in die Selbstständigkeit

René Schoop ist ein Machertyp. Er ist 69 Jahre alt und gelernter Maler. Mit 40 Jahren hatte er eigentlich alles erreicht, was er wollte: einen guten Job, eine tolle Familie mit drei Kindern und ein Haus... Doch irgendwie war er gesättigt und er wollte mehr...
Story
maria-tranchida

Festhalten, wenn alles wankt

Erst eine schwierige Familiensituation, dann der plötzliche Tod ihres Ehemanns: Maria Tranchida hat erlebt, was es bedeutet, wenn einem der Boden unten den Füssen wegbricht. Doch was sie in dieser Zeit gelernt hat, hat ihr Leben für immer verändert und bereichert.