Juli Rudolph lebt heute in Frankfurt (D) und stammt ursprünglich aus Braunschweig (D). Die angehende Erzieherin ist die Älteste von fünf Geschwistern und wuchs in einer Familie auf, in der der Glaube und Kirchenbesuche selbstverständlich waren. Lange war für sie klar: Es gibt einen Gott.
Doch diese Gewissheit begann sich schleichend zu verblassen. «Mit 14 oder 15 Jahren gab es in unserer Kirche kaum Gleichaltrige», erzählt sie. Der Glaube hatte immer weniger mit ihrem Alltag zu tun. Ihre Freundinnen gingen in Clubs, tranken viel Alkohol und führten Beziehungen, die sie heute kritisch sieht. «Ich habe schon immer einfach das gemacht, worauf ich Lust hatte», sagt sie rückblickend. Also machte sie mit.
Frei zu tun, was sie wollte
Juli betont, dass ihre Haltung, tun und lassen zu können, was sie wollte, weder aus fehlender Liebe ihrer Eltern noch aus Frust über zu wenig Freiheit entstand. Im Gegenteil: Ihre Eltern gaben ihr viel Sicherheit und bedingungslose Liebe. Dadurch fühlte sie sich frei und selbstbewusst genug, ihren eigenen Weg zu gehen – auch wenn dieser zunehmend in eine andere Richtung führte als der ihrer Eltern.
Mit der Zeit verlor Juli jedoch immer mehr Hemmungen. So blieb es nicht nur beim Schule-Schwänzen: Sie begann regelmässig zu stehlen, missbrauchte die Kreditkarte eines Bekannten und nutzte Streaming-Dienste auf unrechtmässige Weise. «Wenn ich etwas wollte, war mir alles andere egal», gibt sie zu. Auch ihre Eltern belog sie häufig.
Dann ging es bergab
Zwischen ihrem 18. und 20. Lebensjahr war Juli in einer Beziehung, die von psychischer und körperlicher Gewalt geprägt war. Ihr Expartner isolierte sie zudem zunehmend von ihren Freunden. Die On-off-Beziehung belastete sie stark.
Während ihre Geschwister und Cousinen in Kirchen und Hauskreisen Gemeinschaft erlebten, fühlte sich Juli einsam. Deshalb entschied sie sich, selbst einen Hauskreis zu besuchen – weniger aus Interesse am Glauben als aus der Hoffnung, neue Menschen kennenzulernen.
Kurz darauf trennte sie sich endgültig von ihrem Freund. Es folgte die dunkelste Zeit ihres Lebens. «Mir ging es so schlecht wie noch nie», erzählt sie. Der Hauskreis wurde in dieser Zeit zu einem kleinen Lichtblick. Mit den Gesprächen über Gott konnte Juli zunächst allerdings wenig anfangen. Einmal wartete sie sogar im Treppenhaus vor der Wohnung, in der sich der Hauskreis traf, bis die Worship-Zeit vorbei war, weil sie keine Lust darauf hatte.
Nach einigen Wochen stand sie kurz davor, sich zur Ablenkung erneut auf eine lockere Beziehung einzulassen. Doch irgendetwas hielt sie zurück.
Der Abend, der alles veränderte
An einem Donnerstagabend blieb Juli wegen einer Erkältung zu Hause und sagte den Hauskreis ab. Sie lag im Bett, als ihr plötzlich ein ungewöhnlicher Gedanke kam: Sie sollte sich ein altes Video anschauen. Es war ein Video, das sie Jahre zuvor bei einem Worship-Abend in der MoveChurch in Wiesbaden aufgenommen hatte. Seit Jahren hatte sie weder Worshipmusik gehört noch ernsthaft über Gott nachgedacht. Auch damals war sie nur bei dem Abend dabei gewesen, weil sie ihre Familie begleitet hatte.
Doch sie folgte dem Gedanken. Als sie das Video anschaute, trafen sie die Liedtexte über Gottes Liebe tief. Gleichzeitig hatte sie den Eindruck, Jesus sage zu ihr: «Ich war immer da.» Dieser Moment traf sie mitten ins Herz. Plötzlich wurde ihr klar, dass der Glaube, mit dem sie aufgewachsen war, wirklich wahr ist. Zugleich wurde ihr bewusst, wie viel in den vergangenen Jahren schiefgelaufen war. Sie begann zu weinen – und gleichzeitig vor Freude zu lachen. Stundenlang kniete sie auf dem Boden.
«Tief in mir dachte ich, dass Gott mir vieles nicht vergeben könnte», erzählt sie. «Aber ich spürte nur Liebe und Freude.» Etwas später begann sie zu beten und Worship zu machen. Dabei fing sie sogar wieder an, in Sprachen zu beten – etwas, das sie als Kind gekannt, aber jahrelang nicht mehr praktiziert hatte.
Eine Freude, die blieb
Seit diesem Abend hat sich Julis Leben grundlegend verändert. Die Freude, die sie damals erlebte, blieb. Ihre Arbeitskollegen im Kindergarten fragten sie, warum sie plötzlich so glücklich wirkte. Auch ihren wenigen Freunden erzählte sie offen von ihrer Begegnung mit Jesus. Ihren Eltern davon zu berichten, fiel ihr zunächst schwerer. «Ich dachte damals: Jetzt muss ich ihnen wohl doch recht geben», sagt sie lachend. Als ihre Mutter später davon erfuhr, reagierte sie zunächst eher nüchtern – das sei einfach ihre Art. Ihr Vater hingegen war so bewegt, dass ihm die Tränen kamen.
Etwa eine Woche später bemerkte Juli eine weitere Veränderung: Sie hatte aufgehört, an ihren Fingernägeln zu kauen – eine Gewohnheit, die sie jahrelang begleitet hatte. Es war, als hätte Gott ihre innere Unruhe durch Ruhe ersetzt. «Das ist bis heute ein Wunder für mich», erzählt sie. «Wenn ich einmal zweifle, schaue ich einfach auf meine schönen Fingernägel.»
Auch im Hauskreis fühlte sie sich zunehmend zu Hause. In einer Kirche fand sie zudem echte Freundschaften. Eine davon entstand mit Annick, mit der sie bis heute in engem Kontakt steht (oben im Bild).
Neue Orientierung im Leben
Die intensive Freude der ersten Monate wurde mit der Zeit ruhiger. Herausforderungen und Probleme gibt es weiterhin. Doch Julis Begegnung mit Jesus hat ihre Sicht auf das Leben, ihre Werte und ihre Orientierung grundlegend verändert.
Menschen, die glauben, sie hätten zu viel Schuld auf sich geladen, möchte sie Mut machen: «Jesus hat sogar denen vergeben, die ihn ans Kreuz gebracht haben. Er liebt dich unendlich und wartet auf dich.»
Juli freut sich immer, wenn sie Menschen ermutigen kann. Wenn du also Fragen zu ihrer Geschichte hast oder selbst etwas mit ihr teilen möchtest, darfst du ihr gern auf Instagram schreiben.

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