Angefangen hat dieser Weg 2020 mit ihrer Hebammenausbildung. Den Entschluss dazu fasste Anna-Maria bereits drei Jahre zuvor während eines fünfwöchigen Praktikums in einem Gebärsaal – und zwar in Ghana. Damals war sie gerade einmal 18 Jahre alt und noch Schülerin.
Nach der dreijährigen Ausbildung zur Hebamme begann Anna-Maria zunächst auch noch das Studium der Hebammenwissenschaften. Viele Hebammen mit Abitur entscheiden sich dafür. Doch nach einigen Monaten brach sie das Studium ab. Für ihre beruflichen Ziele, so stellte sie fest, brauche sie dieses Studium nicht. Stattdessen machte sie sich als Hebamme selbstständig und betreut seither schwangere Frauen und frischgebackene Mütter bei Hausbesuchen.
Anna-Maria ist Christin. Bei ihrer Berufswahl habe sie sich deshalb damals auch gefragt, ob sie sich beruflich stärker im Glauben engagieren und beispielsweise in einer Kirche arbeiten sollte. «Aber das muss ja nicht jeder machen», sagt sie. «Gott kann Menschen in jeder Branche gebrauchen.»
Eine unschöne Erfahrung wird zum «Calling»
Schon länger träumte Anna-Maria davon, irgendwann ortsunabhängig arbeiten zu können. Gleichzeitig wollte sie ihr Fachwissen als Hebamme weiterhin nutzen. Der Gedanke daran beschäftigte sie über mehrere Monate.
Durch ihre Selbstständigkeit musste sie sich auch intensiv mit Themen wie Finanzen und Altersvorsorge auseinandersetzen. Dabei machte sie eine unschöne Erfahrung: Mehrfach liess sie sich beraten, hatte aber das Gefühl, dass es vor allem darum ging, ihr etwas zu verkaufen – nicht darum, was für sie tatsächlich sinnvoll war. Am Ende machte sie sogar Verluste.
Was zunächst wie eine mühsame Erfahrung wirkte, wurde zum Anstoss für etwas Neues. «Was, wenn es vielen Hebammen genauso geht?», fragte sich Anna-Maria damals. Für solche könne das Thema Finanzen in ihrer Selbstständigkeit schnell zu einer Hürde werden. Oder wichtige Fragen würden aus Unwissenheit gar nicht erst gestellt.
Vielleicht sei das ihr «Calling», dachte sie dann: angehende und bereits freiberufliche Hebammen in finanziellen Fragen aufzuklären.
Glaube wirft Fragen in neuer Branche auf
Um ihre eigene Berufsgruppe vor ausnutzender Beratung zu bewahren und gleichzeitig dazu beizutragen, dass Hebammen selbst verstehen, worauf es bei ihrer finanziellen Absicherung ankommt, arbeitet Anna-Maria deshalb seit kurzem zusätzlich in der Finanzbranche – hauptsächlich online. Ihren Wunsch nach ortsunabhängigem Arbeiten konnte sie damit zumindest teilweise verwirklichen.
Auch hier spielt ihr Glaube eine Rolle. «Ich habe mich gefragt, was Gott etwa zum Thema finanzielle Absicherung und Altersvorsorge sagen würde», erzählt sie. Für Anna-Maria gehört dazu vor allem der Gedanke der Verantwortung. Das zeige sich beispielsweise darin, sich bewusst damit auseinanderzusetzen, in welche Unternehmen man etwa über Fonds investieren möchte – und in welche nicht. Gleichzeitig wolle sie ihren Kunden keine Entscheidungen abnehmen, sondern ihnen Wissen vermitteln, damit sie selbst gute Entscheidungen treffen können.
Bei einer Ansprache des Geschäftsführers des Finanzunternehmens vor den Mitarbeitenden fühlte sie sich darin bestätigt. Er sagte, Finanzberater seien in erster Linie Dienstleister – und deshalb müsse es ums Dienen gehen. Für Anna-Maria passt dieser Gedanke zu ihrem Verständnis von Beratung.

«Ob das Dienen gelungen ist und echtes Dienen ist, zeigt sich vor allem daran, ob man langfristig Vertrauen vom Kunden zurückbekommt.»
Anna-Maria Brese
Selbstwirksamkeit als roter Faden
Selbstwirksamkeit zieht sich wie ein roter Faden durch Anna-Marias beruflichen Weg. Sie möchte Menschen so beraten und stärken, dass sie sich selbst ein Bild machen und Verantwortung übernehmen können.
Das gilt für ihre Arbeit als Hebamme ebenso wie für ihre Tätigkeit in der Finanzbranche. Eine schwangere Frau soll ihrer Ansicht nach nicht einfach gesagt bekommen, was sie tun oder lassen soll. Vielmehr möchte Anna-Maria sie darin stärken, ihre eigene Situation einzuschätzen und für ihre Bedürfnisse einzustehen.
Auch ihr eigener beruflicher Weg ist von diesem Wunsch nach Freiheit geprägt. «Ich möchte für Menschen da sein können, wenn sie mich brauchen», sagt sie. Es treibe sie an, irgendwann noch selbstständiger über ihre Zeit verfügen zu können – und sie für sich und andere einzusetzen. «Gerade ist natürlich vieles im Aufbau», erzählt sie. «Ich wünsche mir für die Zukunft wieder mehr Leichtigkeit.»
Jesus in all dem
Wie begegnet Anna-Maria Jesus konkret in ihrer Arbeit? Eine Erfahrung als Hebamme ist ihr besonders geblieben. Sie betreute einmal eine Kolumbianerin, die Christin ist. «Sie hat dafür gebetet, dass ihre zukünftige Hebamme Englisch sprechen kann und Christin ist», berichtet Anna-Maria. Für die Frau sei es ein Wunder gewesen, dass beides auf sie zutraf. Der Kontakt zwischen den beiden besteht bis heute.
Inspiriert von Jesus möchte Anna-Maria in ihre Arbeit hineintragen, dass sich Menschen wirklich gesehen und ernst genommen fühlen. Entscheidend sei für sie die Haltung, mit der sie einem Menschen begegne: «Ich möchte immer das Beste für die Person suchen.» Gerade in der Finanzbranche ist ihr das wichtig. Sie habe auch schon erlebt, wie nach einer Beratung negativ über eine Kundin gesprochen wurde. «Mich macht das wütend», erzählt sie.
Eine weitere Botschaft von Jesus, die Anna-Maria wichtig ist: Menschen sollen ihr Leben selbstbestimmt gestalten und Verantwortung dafür übernehmen können. «Mir ist wichtig, dass Menschen nicht ausgenutzt werden können oder sich ausgeliefert fühlen», erklärt die junge Hebamme und Finanzberaterin.
Wer selbst gerade beruflich etwas aufbaut und dabei mit Herausforderungen zu kämpfen hat, dem rät sie deshalb: den eigenen Werten treu zu bleiben und sich nicht beirren zu lassen. Auch wenn der Weg noch nicht fertig ist, kann der Glaube dabei Orientierung geben – und den Mut, ihn Schritt für Schritt weiterzugehen.

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