Mach den Mund auf!

Wir hören heute oft: «Worte bringen nichts. Taten reden mehr als Worte.» Wieso ist das eine vielzitierte Halbwahrheit?

26.10.2026
3 min
geschrieben von
Reinhold Scharnowski
Gespräch unter Freundinnen
Unsplash
Ohne Worte bleibt der Glaube unscharf.

Ratschläge – auch solche, die du auf dieser Webseite findest – gehen häufig in eine bestimmte Richtung:

«Nicht so viel reden, sondern lieber handeln.»

Worte gibt es genug, gefragt sind Taten. Das haben wir alle schon gehört und wahrscheinlich auch selbst schon gesagt. Und sagt nicht sogar der Apostel Paulus, dass das Reich Gottes nicht aus Worten, sondern aus Kraft besteht (1. Korinther 4,20)? Also lassen wir die Worte und tun stattdessen etwas.

Die Ermahnung ist gut gemeint. Die Welt leidet sicher nicht an einem Mangel an Worten. Und Glaube bedeutet nicht nur reden, sondern auch handeln. Keine Frage. Doch die starke Betonung von Taten gegenüber Worten kann zu einer gefährlichen Halbwahrheit werden. Denn das Evangelium braucht auch Worte. Dass es heisst «Am Anfang war das Wort», ist kein Zufall. Worte schaffen Klarheit.

Ohne Salz bleibt es fad

Kürzlich sah ich ein Interview, in dem ein christlicher Unternehmer gefragt wurde, woher er die Kraft nehme, so viel anzupacken und zu erreichen. Er nannte einige Gründe: sein gutes Team und die Unterstützung seiner Frau. Alles nachvollziehbar. Doch Gott, der in ihm wohnt, Jesus oder auch nur das Gebet erwähnte er nicht. Schade. Warum ist es so ein Tabu, Gott wenigstens zu erwähnen?

Was denken Menschen, wenn sie vorbildhafte und gesellschaftlich engagierte Christen sehen? «Das ist ein cooler Typ» oder «tolle Familie». Der Blick bleibt auf den Menschen gerichtet. Doch coole Typen gibt es auch ausserhalb des Christentums – dazu muss man schliesslich kein Nachfolger von Jesus sein, oder? Wenn Christen nicht irgendwann den Mund aufmachen und von Gott oder Jesus sprechen, bleiben sie unscharf und austauschbar.

Das muss keine Predigt sein, sondern einfach ein Stück Klarheit. Meint Jesus vielleicht genau das, wenn er sagt: «Eure Rede soll mit Salz gewürzt sein»? Eine Prise genügt, keine Handvoll. Aber ganz ohne Salz bleibt es irgendwie fad: allgemein nett, aber unverwechselbar ist es nicht.

Die andere Dimension

Natürlich: Heutzutage will niemand andere «anpredigen» oder ihnen gar «die Wahrheit um die Ohren hauen». Gleichzeitig soll – wer auf Gott vertraut – aus Rücksicht auf andere nicht so weit gehen, Jesus und Gott ganz zu verschweigen.

Derselbe Paulus, der sagte:

«Denn Gottes Reich gründet sich nicht auf Worte, sondern auf seine Kraft.»

1. Korinther 4,20

HFA

fragte auch:

«Wie sollen sie zum Glauben an ihn finden, wenn sie nie von ihm gehört haben?»

Römer 10,14

HFA

Die Erfahrung zeigt: Wenn sich Nachfolger von Jesus zu ihm bekennen, öffnen sich oft Türen zu Gesprächen über eine Dimension, die sonst verschlossen bliebe.

Darum meine Aufforderung an alle, die mit Jesus leben: Lass uns Zeugen von Jesus sein – und wo es angebracht ist, auch mit Worten. Benennen und bekennen wir ihn.

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