Schon wieder bin ich in einer Schublade gelandet. Nicht physisch natürlich, sondern im übertragenen Sinn. Ich dachte zwar, dass ich mich klar und differenziert ausgedrückt hätte. Doch mein Gartenprojekt, die Planung des nächsten Anlasses in einem Arbeitsteam oder das ersehnte Ehewochenende kommen beim Ehepartner, bei der Familie oder bei Kollegen auf den Seziertisch und werden kritisch beurteilt; aus dem Befund werden die Schubladen befüttert.
Diese Schubladen könnten heissen: Einsatzfreudig. Kreativ. Oder: Arbeitswütig. Hartnäckig. Unflexibel. Kompliziert. Wir alle kennen solche Momente, in denen unser Tun oder Sein infrage gestellt wird. Bei kleinen und eher unbedeutenden Dingen lässt sich das verschmerzen, doch bei grösseren, gewichtigen Themen ‒ da kann es existentiell werden. Gerade dann, wenn es nicht mehr nur ums Thema geht, sondern letztlich um meine Person.
Selbst- und Fremdwahrnehmung versachlichen
Wer sagt mir, wer ich bin? Meine Selbstwahrnehmung, so wie ich mich sehe? Oder die Fremdwahrnehmung eines Menschen, der mich mehr oder weniger gut kennt, vielleicht viel oder auch wenig von meinem Leben weiss, mir beruflich oder privat nahesteht? Wer sagt mir, wer ich bin, wenn ich etwas aussergewöhnlich gut hinkriege oder wenn ich versage, wenn ich Erwartungen nicht erfülle?
Man lernt sich ja kennen, so über die Jahre und Jahrzehnte, man probiert sich aus, entdeckt Stärken und Schwächen. Persönlichkeitstests können ausgesprochen hilfreich sein, verborgene Strukturen der Persönlichkeit zu zeigen und ein ganzheitliches, versachlichtes Bild der eigenen Fähigkeiten und Begrenzungen zu erhalten.
Das Ich hat Geschichte
Ich bin ja nicht nur so, wie ich mich jetzt im Kontext des Gartenprojekts, der Anlassplanung oder des Ehewochenendes zeige. Hier kannst du natürlich ein beliebiges Stichwort, das in deine Situation passt, einsetzen. Es gibt eine Geschichte, eine Historie, die uns geprägt hat, die oft gerade dann aktiv mitmischt, wenn uns etwas stresst, nahe geht, herausfordernd an unseren empfindlicheren Stellen trifft.
Die Historie kann aber auch eine positive sein: Herausforderungen, die man uns zutraut, können ungeahnte Kräfte wecken und Fähigkeiten zur Bestform auflaufen lassen, die bis anhin nur verborgen in uns schlummerten. Wie gut, wenn ich mich gut kenne, die Eigenschaften meiner Persönlichkeit reflektiert wahrnehme, Gelingen und Misslingen auswerte und daraus zu lernen versuche.
Wert, Würde und Leistung
Doch sagen Leistung, Erfolg, Gelingen oder Misslingen oder die manchmal unnatürlich und exzessiv betriebene Selbstoptimierung wirklich etwas über den Wert eines Menschen aus? Ist das Glück, das wir erreichen, das Ziel, das aus den Augen schwindet, der Gewinn oder der Verlust das, was uns definiert, uns sagt, wer wir sind? Gott sei Dank nicht, ist meine Überzeugung. Wer wir sind, das geht tiefer. Das geht in eine Dimension hinein, die nicht einfach von unserem Tun abhängt.
Wir sind in die ganz grosse Geschichte eingefügt, in der Gott uns sagt, wer wir sind. Das, was er sagt, überrascht vielleicht. Er liebt uns zutiefst. Wir sind in seinem Ebenbild geschaffen, haben Wert und Würde aus dem allerhöchsten Schöpfer. Er möchte mit uns in Beziehung treten. Er möchte uns zurückhaben; unser Daheim ist im Vaterhaus, wir aber sind Verirrte und davongelaufen aus der schützenden Geborgenheit der Gottesheimat.
Gott liebt uns nach Hause
Gott selber hat den Weg zurück ermöglicht. Er macht uns gerecht durch den gerechten Jesus: Wenn wir ihm glauben und zu diesem Herrschaftswechsel einwilligen, dass wir nun unter seiner Macht leben und nicht mehr in Zielverfehlungen herumirren wollen, dann geschieht etwas Wunderbares: Er schenkt uns eine neue Identität. Sie gilt für jeden, der sich zu Gott flüchtet und sich von ihm retten lässt.
Identität auf biblisch
Was die Bibel uns zuspricht, das musste ich mir in einer Phase meines Lebens, die ich als sehr schwierig erlebte, einmal glasklar vor Augen führen. Ich suchte nach aussagekräftigen Bibelversen, nach Tatsachen, was die Bibel über mich sagt, ganz unabhängig von meinen Gefühlen oder meiner Leistungsfähigkeit. Diese Zusammenstellung druckte ich mir aus und hängte sie über meinen Schreibtisch. Trotz der Einfachheit berührt und stärkt mich die Auflistung immer noch und macht mir deutlich: ER sagt, wer ich bin! Magst du das für dich auch ergreifen?
Wie nennt Gott mich?
Prinz und Prinzessin: Lukas Kapitel 6, Vers 35
Seine Königskinder: Johannes Kapitel 1, Vers 12
Sohn und Tochter: Matthäus Kapitel 5, Vers 45
Geliebter und Geliebte: Römer Kapitel 1, Vers 7
Erlöster und Erlöste: Jesaja Kapitel 43, Vers 1
Auserwählter und Auserwählte: Römer Kapitel 8, Vers 33
Freund und Freundin: Johannes Kapitel 15, Vers 15
Priester und Priesterin: 1. Petrus Kapitel 2, Vers 9
Gesegnete in Ewigkeit: Psalm 37, Vers 22





