Von Gott angenommen – und von mir selbst?

Selbstannahme – für viele ein unscheinbares Wort. Es klingt einfach, ist es aber nicht. Mir war lange nicht bewusst, wie viel Kraft darin steckt und was es mit dem Glauben an Gott zu tun hat. 

18.8.2026
4 min
geschrieben von
Valentina Hepp
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Jesus sagt, dass wir werden sollen wie die Kinder

Aus der Psychologie wissen wir, wie wichtig es ist, unsere Gefühle und letztlich uns selbst anzunehmen. Wer zum Beispiel häufig Scham oder Angst empfindet, versucht diese Gefühle oft zu verdrängen oder zu ignorieren. Doch genau dadurch werden sie schnell stärker. Denn Gefühle wollen wahrgenommen werden. 

Tun wir das nicht, leiden wir eigentlich doppelt: zuerst unter dem eigentlichen Gefühl und anschliessend darunter, dass wir uns auch noch dafür verurteilen. Gedanken wie «Warum passiert das immer mir?», «Ich bin ein Versager!» oder «Ich habe es einfach nicht verdient!» sind typische Anzeichen dafür. 

Viele Menschen glauben, belastenden Gefühlen möglichst wenig Aufmerksamkeit schenken zu dürfen. Sie befürchten, der Schmerz werde dadurch nur grösser. Doch oft ist das Gegenteil der Fall. Wer seine Gefühle bewusst wahrnimmt und liebevoll annimmt, erlebt mit der Zeit mehr Leichtigkeit und innere Freiheit.

Doch so einfach dieser Weg klingt – er ist alles andere als leicht. Sich selbst wirklich anzunehmen, gehört zu den schwersten Aufgaben überhaupt. 

Gefühle wollen gesehen werden 

Stell dir vor, hinter deiner Angst oder deiner Scham sitzt ein kleines Mädchen oder ein kleiner Junge – dein jüngeres Ich. Dieses Kind hat Angst, nicht angenommen zu werden. Es schämt sich vielleicht für seine Bedürfnisse oder sehnt sich nach Nähe, die es nie wirklich erfahren hat. 

Wie würdest du diesem Kind begegnen? Mit Kritik und Vorwürfen? Oder würdest du es in den Arm nehmen und ihm zeigen: Du bist nicht allein. Und du bist gut so wie du bist? Genau deshalb ist es so wichtig, den eigenen Gefühlen Aufmerksamkeit zu schenken.

Vielleicht hast du diese Annahme als Kind wirklich nicht erleben dürfen, denn unsere Eltern sind nun einmal nicht perfekt. Vielleicht hast du sogar gelernt, deine Gefühle zu übergehen oder dich für sie zu schämen. Schnell übernehmen wir als Erwachsene diesen Umgang mit uns selbst. Doch Selbstverurteilung und Minderwertigkeitsgedanken über uns selbst stehen genau im Gegensatz zu dem, was die Bibel sagt. 

Gottes Annahme verändert unseren Blick auf uns selbst

Jeder Christ weiss: Gott ist Liebe. Dass wir von ihm zutiefst angenommen sind, ist das Herzstück des Evangeliums. Ein Bibelvers – eine Aussage Jesu – hat mich in diesem Zusammenhang neu berührt: 

«Und wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf.» (Matthäus Kapitel 18, Vers 5; HFA)

Kurz zuvor erklärt Jesus, dass im Reich Gottes nicht die Grossen besondere Anerkennung verdienen, sondern die Demütigen. In Vers 4 sagt er: «Wer aber so klein und demütig sein kann wie ein Kind, der ist der Grösste in Gottes himmlischem Reich.» Das sind Menschen, die ihre Stärken kennen, aber auch ihre Schwächen nicht verstecken müssen. Jesus vergleicht solche Menschen mit Kindern. Kinder sind verletzlich und bedürftig. Sie brauchen Annahme. Und Jesus macht etwas Erstaunliches: Er identifiziert sich mit ihnen. Wer ein solches Kind aufnimmt, nimmt ihn selbst auf, sagt er.

Wir dürfen gut mit uns selbst umgehen 

Sind wir nicht oft selbst dieses Kind, das sich danach sehnt, so angenommen zu werden, wie es ist? Vielleicht sind wir die Ersten, die lernen dürfen, genau das zu tun: uns selbst anzunehmen. Denn oft sprechen wir von Gottes Liebe, gehen mit uns selbst aber hart und verurteilend um. Wir machen unsere Bedürfnisse klein und halten das fälschlicherweise für Demut. 

Vielleicht verstehen wir Gottes Liebe besser, wenn wir erkennen: Er hat das kleine Mädchen oder den kleinen Jungen in uns – mit all seinen Gefühlen, Bedürfnissen und Verletzungen – längst liebevoll angenommen. Und er lädt uns ein, das ebenfalls zu tun. 

Echte Annahme anderer Menschen beginnt bei uns selbst 

Wahre Selbstannahme hat nichts mit Hochmut zu tun. Manche denken, ein Christ müsse klein von sich denken. Doch wahre Demut beginnt nicht mit Selbstverachtung, sondern mit Selbstannahme. Wer sich selbst angenommen hat, einschliesslich aller Schwächen und Fehler, muss sich nicht ständig mit anderen vergleichen oder andere Menschen abwerten, um sich besser zu fühlen. Erst, wenn wir anerkennen, dass wir selbst zutiefst angenommen sind, können wir anderen auf Augenhöhe und mit aufrichtiger Liebe begegnen. Nichts wünscht sich Gott mehr von uns als das: den Nächsten zu lieben wie uns selbst (Matthäus Kapitel 22, Vers 39).

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