Von wegen «nicht gesehen» – Juri Gagarin flog ins All – und fand Gott

9.4.2018
4 min

Er war der erste Mensch im All: Der russische Kosmonaut Juri Gagarin (1934-1968). Dort fand er Gott, wie sich nun herausstellt. Das berühmte Statement «Ich war im All und habe Gott nicht gefunden» wurde ihm im sozialistischen Staat zu Propaganda-Zwecken in den Mund gelegt. Damals konnte er die Sache noch nicht per Facebook oder Twitter richtigstellen.

Juri Gagarin ist in Russland eine Legende. Die wichtigste Trophäe im mit Abstand wichtigsten Sport der Nation ist nach ihm benannt: Der Pokal in der länderübergreifenden, aber vorwiegend mit russischen Teams bestückten Kontinental Hockey League (KHL) heisst «Gagarin-Cup»; ähnlich dem «Stanley Cup» in der nordamerikanischen NHL.

Die Hochachtung vor dem Ausnahme-Kosmonauten im grössten Flächenstaat der Erde ist gigantisch. Mehr und mehr dringt nun aber durch, dass sein berühmtestes Zitat nicht von ihm stammte, sondern ihm in den Mund gelegt worden war.

Opfer der Propaganda-Maschine

Am 12. April 1961 flog der sowjetische Raumfahrer und Luftwaffen-Testpilot Juri Gagarin als erster Mensch ins Weltall. Die Sowjet-Propaganda-Maschine gab anschliessend umgehend bekannt, dass Gagarin nach der Landung sagte: «Ich war im Weltall und bin Gott nicht begegnet.» Doch das stimmte nicht.

Der russische Journalist Anton Pervushin sprach mit engen Freunden von Juri Gagarin. Dies ergibt (nicht zum ersten Mal), das Bild, dass Gagarin ein Christ war, der seinen Glauben nie aufgegeben hat; wie verschiedene weitere Quellen wie etwa «beliefnet.com» und mehrere orthodoxe Portale festhalten, die ihn als getauften, orthodoxen Christen und nicht als Atheisten darstellen.

Wendepunkt in der Geschichte

Dieser erste Raumflug dauerte eine Stunde und 48 Minuten – doch dieses Ereignis, das nur etwas länger als ein Fussball-Match dauerte, bedeutete den Wendepunkt in der Geschichte.
Auf dem Höhepunkt des Kalten Kriegs waren diese 108 Minuten im Weltraum nicht weniger als Wasserfälle auf die Propaganda-Mühlen der UdSSR.

Dieser uneingeschränkte Triumph war der erste gewonnene Schritt im «Space Race» («Weltraum-Rennen»). Und ein Sowjet hatte natürlich – jedenfalls wenn er Weltgeschichte schrieb – gottlos zu sein und nicht gottesfürchtig, wie der «Feind» aus «God’s own country».

Kein Geheimnis

Vor seinen engen Freunden verbarg Gagarin seinen christlichen Glauben nicht. Er war ein getauftes Mitglied der russisch-orthodoxen Kirche und sprach im Kreise seiner Bekannten gerne über den Glauben. Als hochrangiges Mitglied in den Streitkräften musste er natürlich damals, vor bald sechzig Jahren vorsichtig sein. Die Welt hinter dem Eisernen Vorhang war eine andere als wir sie heute kennen; und noch heute sind verschiedene Einschränkungen auszumachen. Laut der deutschen evangelischen Nachrichtenagentur «epd» hatte er sich für den Wiederaufbau einer zerstörten Basilika in Moskau eingesetzt.

Das Regime damals war atheistisch. Zwar wussten die Offiziellen um Gagarins Glauben, doch solange er diesen nach aussen für sich hielt, war dies nebensächlich.

Aussenlandung

Die Kapsel mit Gagarin an Bord landete fernab vom geplanten Platz. Anton Pervushin: «Die Kapsel landete rund 400 Kilometer entfernt vom vorgegebenen Ort. Niemand wartete dort auf ihn. Als erstes musste er nach der Landung nach Leuten Ausschau halten, um sich anschliessend bei der Führung bemerkbar machen zu können um zu beschreiben, wo er war.»

Natürlich wurde dem Rest der Welt anschliessend mitgeteilt, dass die Landung perfekt verlaufen war – obschon Gagarin herausgesprungen war, um mit einem Fallschirm zu landen.

«Er hat das nie gesagt!»

In seinem Buch «180 Minuten, die die Welt veränderten» (frei übersetzt) bestätigt Anton Pervushin sowohl Gagarins Glauben wie auch, dass er sein angeblich bekanntestes Zitat gar nie gesagt hatte. Auch General und Professor Valentin Petrov teilte die offizielle Linie nicht: «Gagarin war getauft und glaubensvoll während seinem ganzen Leben. Er bezeugte Gott immer, wenn er darauf angesprochen wurde, völlig egal, wo er war.»

Laut weiteren Stimmen besuchte er an seinem 30. Geburtstag ein Kloster und traf sich mit dem Prior. Dort liess er ein Foto von sich mit dem Geistlichen machen. Er schrieb darauf: «Das ist für jene, die nicht glauben. Mit meinen besten Wünschen, Juri Gagarin».

Der Parteichef sagte es

General Petrov sagte: «Diese prominente Phrase, die ihm zugeschrieben wird, hat in Wirklichkeit Chruschtschow gesagt.» Es sei bei einem Treffen des Zentralkomitees gefallen, dessen Verlangen es war, ein anti-religiöses Statement zu sehen. «Chruschtschow sagte dabei: 'Warum stehst du vor Gott nicht auf die Bremse? Hier haben wir Gagarin, der durch das All geflogen ist und er hat Gott nirgendwo gesehen.'»

Petrov: «Die Worte wurden dann umgehend in Gagarins Mund gelegt, da die Leute ihm mehr glaubten, als Chruschtschow.» Nikita Chruschtschow war damals Parteipräsident und Regierungschef der Sowjetunion.
In Wirklichkeit sei Juri Gagarin zu einem völlig anderen Schluss gekommen, hält Anton Pervushin fest: «Wenn man sich an Gagarin erinnert, sollte man an völlig andere Worte denken. Ich erinnere mich, dass er sagte: 'Ein Astronaut kann nicht ins All fliegen und Gott nicht in seinem Kopf und in seinem Herzen haben!'»

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