Ich bin kein geborener Held. Wenn eine Wendeltreppe einen Gitterboden hat, wird mir schwindlig. Wenn zwei Events gleichzeitig stattfinden, leide ich unter akuter «Fear of Missing Out» – am liebsten würde ich auf drei Hochzeiten gleichzeitig tanzen.
Und am meisten Bauchweh macht mir der Gedanke, Menschen auf ihren Glauben anzusprechen. Mein Gehirn schlägt sofort Alarm: «Was, wenn es peinlich wird? Was, wenn die Person gar nichts davon wissen will?»
Kurz gesagt: Ich bin ein Angsthase.
Meine Trotz-Strategien
Trotzdem heisst mein Motto: «Face your Fears». Ich versuche, genau das zu tun, wovor ich «Schiss» habe.
Trotz meiner Höhenangst: Bungee-Jumping. Meine Frau hat mir einen Gutschein geschenkt – danke dafür! Danach gab es kein Zurück mehr. Drei, zwei, eins – Augen zu und los!
Trotz FOMO: Ich sage bewusst geniale Angebote ab oder halte einen freien Abend ohne Programm aus. Manchmal verbringe ich sogar freiwillig ein paar stille Tage ganz allein – ohne ständig aufs Handy zu schielen.
Und beim Glauben: beten. Immer und immer wieder bete ich darum, dass Gott mir Mut und Möglichkeiten schenkt, meinen Glauben mit anderen zu teilen.
Ich ahnte nicht, dass Gott dieses Gebet schon bald auf eine ziemlich nasse Art und Weise beantworten würde.
Eine verlockende Einladung
Ich kannte diesen Typen nur vom Hörensagen – den inoffiziellen «Dorfschreck» aus dem Ort meiner Frau. Glatze, durchtrainiert, tätowiert und Ärger mit dem Gesetz. Mein Angsthasen-Hirn schaltete sofort auf Sicherheitsabstand.
Doch dann lud er einen Freund und mich zum Wakeboarden auf seinem Motorboot ein. Mein Verstand schrie: Gefahr! Meine Abenteuerlust schrie: Motorboot! Also sagten wir zu.
Wir waren kaum auf dem See, da löcherte er uns mit Fragen. Ob Jesus ihn wohl auch von seiner Drogensucht befreien könne? Natürlich, Jesus kann alles!
Ein ganzer See voll Wasser
Ich war komplett überrumpelt. Hier war die Gebetserhörung, auf dem Serviertablett. Ich packte die Gelegenheit beim Schopf und erzählte ihm begeistert die beste Botschaft der Welt – anhand von den vier Anhaltspunkten von THE FOUR.
Diese Botschaft hat meine Geschichte auf den Kopf gestellt. Sie bewegt die Welt. Und sie kann jedes Leben verändern.
Der Motorboot-Typ hörte aufmerksam zu, stellte tiefgründige Fragen und wurde still. Dann fragte er ganz trocken: «Was hindert mich eigentlich daran, genau jetzt und hier getauft zu werden? Auf meinem Boot. Mitten auf dem See?»
Ich schluckte kurz. Kein Taufvorbereitungskurs. Keine Taufgemeinde. Keine Taufkleider. Dafür ein ganzer See voller Wasser. «Absolut gar nichts!», antwortete ich. «Wenn du Jesus als deinen Gott, deinen Retter und deinen besten Freund in deinem Leben haben willst …»
«Ja, ich will. Könnt ihr mich jetzt taufen?»
Kurzerhand schubsten wir ihn von seinem eigenen Boot und tauften ihn im Namen von Jesus. Anschliessend beteten wir von dem schwankenden Deck aus für ihn. Ihr hättet sein Gesicht sehen sollen, als er wieder auftauchte: reine, strahlende Freude! Als wäre eine tonnenschwere Last direkt auf den Grund des Sees gesunken.
Vom Getauften zum Taufenden
Was danach passierte, haut mich bis heute um. Aus eigenem Antrieb ging er wenige Tage später zur Polizei und gab seine illegalen Schusswaffen ab. Von diesem Tag an war Schluss mit Drogen und Alkoholexzessen. Stattdessen meldete er sich sogar für eine Abendbibelschule an.
In seinem Umfeld schlug diese Verwandlung ein wie eine Bombe. Freunde, Familie, alte Kumpels – alle sahen, dass sich etwas Grundlegendes verändert hatte. Und er hatte keine Hemmungen, mutig davon zu erzählen, was Jesus in seinem Leben getan hatte.
Doch das Allerschönste kam erst noch: Nur wenige Wochen später fuhren wir wieder mit seinem Boot hinaus. Diesmal war er nicht derjenige, der getauft wurde. Er taufte seinen eigenen ehemaligen Drogenkumpel, den er inzwischen zu Jesus geführt hatte! Später folgten seine Schwester und sein bester Freund.
Was auf einem Motorboot mitten auf dem See begann, wurde zu einer unaufhaltsamen Kettenreaktion:
Ein veränderter Mensch erzählt von Jesus – und wird selbst zum Jünger, der andere zu Jüngern macht.
Dein Sprung wartet schon!
Ich erzähle dir diese Geschichte nicht, weil ich ein Evangelisations-Profi bin. Ich bin immer noch derselbe Angsthase wie vorher. Aber ich habe etwas Wichtiges gelernt:
Die grössten Abenteuer mit Gott beginnen oft genau dort, wo unsere Angst am grössten ist.
Der Sprung beim Bungee-Jumping dauert nur wenige Sekunden. Die Überwindung, jemanden auf Jesus anzusprechen, vielleicht auch. Doch was daraus entsteht, kann ein Leben für die Ewigkeit verändern.
Vielleicht gibt es auch in deinem Alltag gerade so einen Moment. Eine leise Stimme, die dir zuflüstert:
«Biete diesem Arbeitskollegen an, für ihn zu beten.»
«Teile diese ermutigende Geschichte in deinem Status.»
«Bezahle der Person vor dir an der Kasse spontan den Einkauf.»
«Bete für diese Freundin. Hör auf Gott. Und schick ihr eine Sprachnachricht mit dem, was er dir aufs Herz gelegt hat.»
Vielleicht zögerst du noch, weil dein Angsthasen-Hirn sofort Alarm schlägt. Dann lass uns heute gemeinsam beten:

Gott, schenke uns Mut, auf deine Stimme zu hören, und offene Augen für die Möglichkeiten, die du uns schenkst. Gib uns den Mut, unseren Glauben zu teilen – und den Glauben, dir die Ergebnisse zu überlassen. Amen.





