Palästinenser Tariq (17) – «Gott lässt seine Kinder nie im Stich»

2.2.2019
4 min

Als sein Vater sich entschied, Muslim zu werden, wurde das Leben des Jugendlichen Tariq (Name geändert) entscheidend verändert. Doch er fand wieder Hoffnung und sagt heute: «Gott lässt seine Kinder nie im Stich!»«Ich erinnere mich noch an den Moment, als ein Mann zu meinem Vater kam und ihm sagte: 'Wenn du zum Islam konvertierst, wirst du ein reicher Mann sein und eine andere Frau heiraten.' Mein Vater war ein einfacher und ungebildeter Portier, der auf dem Markt arbeitete, aber er war der Versorger unserer fünfköpfigen Familie», erinnert sich Tariq.

«Wir waren eine sehr arme Familie, die darum kämpfte, mit dem wenigen Geld durchzukommen, das mein Vater während eines langen und anstrengenden Tages verdiente. Er trug die Taschen und Produkte, die die Leute auf dem überfüllten Markt gekauft hatten, zum nächsten Taxi oder Fahrzeug.»

Das unmoralische Angebot

«Wir lebten in einem Dorf, in dem 99 Prozent der Bevölkerung Muslime waren, während unsere christliche Familie kaum die Kirche besuchte oder dem Wort Gottes folgte.» Unter diesen Umständen war Vater überzeugt, dass er reicher werden und von der Gesellschaft unterstützt würde, wenn er seine Religion wechselt.

Doch damit wurde die Familie ins Unglück gestürtzt: «Meine Mutter weigerte sich, die Entscheidung zu akzeptieren. Sie nahm mich mit und floh zurück zum Haus ihrer Eltern. Mein älterer Bruder blieb bei meinem Vater. Fünf Monate später bekam meine Mutter ein neues Baby. Mein Vater heiratete sofort eine muslimische Frau, während meine Mutter vier Jahre später einen christlichen Mann heiratete. Mein Stiefvater lehnte meine Schwester und mich ab, also wurden wir zwei getrennten Waisenhäusern anvertraut.»

«Warum bin ich hier?»

«Während dieser Zeit schwebten viele Fragen in meinem Kopf herum, ohne dass ich klare oder vernünftige Antworten fand: Warum bin ich hier? Warum stehe ich nicht unter der Obhut meines Vaters oder meiner Mutter? Warum bin ich allein, während die anderen bei ihren Eltern wohnen?» Dann geschah eine Tragödie: Sein Vater kam, um Tariq zu sich zu holen. Auf dem Weg zum Dorf hielt er an, um einzukaufen. Als er die Strasse überquerte, fuhr ihn ein Auto an und er starb sofort.

Tausende Fragen quälten Tariq – er fragte sich, ob das der Wille Gottes gewesen war. Oder eine Art Bestrafung. Oder ein Fluch des Teufels.

Tariq wurde in die Obhut eines Priesters gebracht, der versuchte, ihn in seinem Beruf auszubilden. Das passte Tariq aber nicht, er lehnte sich auf, bis er rausgeworfen wurde. Nun waren für ihn alle Türen verschlossen.

Der Rückstand

Völlig verloren wurde er von jemandem angesprochen und auf die «Hope School» gebracht. «Hier wurde mir klar, dass ich ein neues Leben beginnen würde. Sie ermutigten mich, wieder von vorne anzufangen, und ich wurde in die 8. Klasse aufgenommen.» Allerdings gestaltete sich das zunächst schwierig, da Tariq vom Alter her zwar in die 8. Klasse gehörte, aber gerade erst die 2. Klasse beendet hatte.

Eine Kursänderung erfolgte. «Mit Hilfe der Schule begann ich zu lernen und nebenher auch in einem nahegelegenen Berufsbildungszentrum neue Fähigkeiten zu erwerben, im Olivenholzhandwerk, Kochen und Landbau.» Dem Direktor gelang es, Tariqs älteren Bruder ebenfalls an die Schule zu holen und auch ein Treffen mit der Mutter konnte eingefädelt werden.

«Gott lässt seine Kinder nie im Stich»

«Mein Vater ist zum Islam übergetreten und wir sind nicht reich geworden. Er konvertierte zum Islam und unser Leben wurde auf den Kopf gestellt. Eine Lüge hat das Leben unserer ganzen Familie verändert. Mein Vater ist gestorben, meine Mutter hat wieder geheiratet und lebt von ihren Kindern getrennt, ihre Tochter lebt in einem Waisenhaus.»

Doch an der «Hope School» hat Tariq wieder Hoffnung gefunden. «Ich glaube, dass Gott seine Kinder nie im Stich lässt, und ich habe immer noch Hoffnung im Herzen. Ich erhalte Hilfe von meinen Mitschülern und den Mitarbeitern der Schule.»

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