Ruth Stutz ist viel unter Menschen. Beruflich führt sie als Podcasterin Gespräche, privat lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Wetzikon im Zürcher Oberland. In ihrem Alltag ist viel los – manchmal so viel, dass sie sich überreizt fühlt. Deshalb sucht Ruth immer wieder bewusst Momente der Ruhe.
Meditation als ein Weg zu Gott
Meditation ist für sie ein solcher Weg. In der Stille begegnet sie Jesus. Dabei lässt sie gerne ihrer Fantasie freien Lauf und nutzt innere Bilder, um eine tiefere Begegnung mit Gott zu erleben und sich neu bewusst zu machen, wer er als ihr Retter und Schöpfer ist.
Morgens setzt sie sich dafür gerne für zehn Minuten aufs Sofa und lässt sich auf eine Meditation ein. Da sie eher ein Morgenmensch ist, erlebt diese Zeit als eine Phase, in der ihre Seele leicht und sie geistlich besonders offen ist.
Musik und Garten als Inspiration
Für Ruth ist klar: «Ein Leben ohne Gott kann ich mir nicht vorstellen.» Er sei immer da – auch wenn sie sich dessen nicht jederzeit bewusst sei. Im Alltag begegnet ihr Gott auf ganz unterschiedliche Weise. Sie hört gerne Musik, und auch Gespräche mit ihren Kindern schenken ihr Leichtigkeit und bereichern ihren Glauben.
Kinder liebt Ruth über alles. Sie erlebt sie als ungeniert, fröhlich, ungezwungen und frisch. Gerne teilt sie ihren Alltag mit ihnen und spricht mit ihnen manchmal – möglichst unkompliziert – über Gott.
Daneben findet Ruth in der Gartenarbeit einen ganz eigenen Zugang zu Ruhe und Erdung. Dort fühlt sie sich im Einklang mit der Natur und ihrem Schöpfer. «Im Garten brauche ich keine Gemeinschaft, es ist eine Arbeit für mich alleine, bei der ich voll zur Ruhe komme», erklärt die naturverbundene Familienfrau. Im Garten werde gepflanzt, gepflegt und Neues hervorgebracht – gleichzeitig gehöre auch das Sterben zum natürlichen Kreislauf.
Ruhe als Superkraft
Ruth möchte mehr Momente der Ruhe in ihren Alltag integrieren: ein Buch lesen, ein schönes Lied hören, in die Natur gehen oder auch einfach mal «sein». Diese Zeiten braucht sie nicht nur für sich selbst, sondern auch, um bewusst in ihre Beziehung mit Gott einzutreten. Von ihrem Naturell her würde Ruth am liebsten bereits am Morgen voller Energie in den Tag starten und eine Runde joggen gehen. Aber sie möchte lernen erst einmal bewusst zur Ruhe zu kommen.
Sport tue ihr natürlich aber auch gut. Neben dem Joggen hat Ruth eine neue Beschäftigung entdeckt: «Ich habe in diesem Sommer das Kraulen gelernt, das macht mir viel Freude!»
Ruths innerer Garten
Gemeinsam mit ihrer Familie besucht Ruth regelmässig eine Freikirche in der Umgebung. Diese schätze sie sehr, doch es sei auch ein Setting, dass sie herausfordere. Viele Menschen, viele Eindrücke und viel, was gleichzeitig läuft. Danach sei sie häufig müde.
Ruth bezeichnet sich selbst als hochsensitiv. Viel spricht sie darüber nicht – für sie ist es eher etwas Persönliches. Sie nimmt gewisse Dinge intensiver wahr als andere. Was manchmal anstrengend sein kann, erlebt sie gleichzeitig als Geschenk: «Hochsensitivität ist für mich auch eine Begabung. Auch in den Interviews, die ich beruflich führe. Ich nehme ganz viel wahr und das hilft mir, gute Fragen zu stellen.»
Doch die vielen Eindrücke, Bedürfnisse und Stimmungen ihrer Gegenüber zu filtern, falle ihr nicht immer leicht. Deshalb versucht sie, ihren «Energietank» bewusst im Blick zu behalten. Ihr persönliches Credo bringt sie mit einem Bild aus dem Garten auf den Punkt: «Ich muss manchmal meinen (inneren) Garten ein bisschen mehr pflegen – aber deswegen dreht sich trotzdem nicht alles um mich.»
Für andere da sein
Trotz ihres Bedürfnisses nach Rückzug ist Ruth ein Gemeinschaftsmensch. Für sie gehöre es zu einem erfüllten Leben, für ihre Kinder, Nachbarn und ihr Umfeld da zu sein. «Ich probiere ein gesundes Leben zu leben und gleichzeitig anderen Menschen zu helfen», hält sie fest. Sie lädt gerne andere Kinder zum Zmittag ein und hat ein offenes Ohr, um die Freuden und Sorgen anderer Menschen mitzutragen.
Ruth versteht ihr Leben als Reisende. «Ich glaube, dass ich in diesem Leben niemals perfekt sein werde, sondern immer wieder auf die Hilfe von Gott und meinen Mitmenschen angewiesen bin», reflektiert die Zürcher Oberländerin. Deshalb schätze sie auch die Beziehung mit Gott so sehr: Bei ihm muss sie nicht perfekt sein. Sie darf einfach sein und darauf vertrauen, geliebt zu sein. So, wie Eltern ihre Kinder lieben. Ein Bild, das perfekt in ihre Lebenswelt als Mutter passt und das vielleicht auch erklärt, warum ihr Glaube für sie nicht nur etwas ist, worüber sie spricht, sondern etwas, das sie mit allen Sinnen in ihrem Alltag erfahren möchte.





