«Wie geht’s?» wird meistens beantwortet mit «Danke, gut». Was, wenn das aber wirklich mal stimmt? Einem grossen Prozentsatz unserer Leserinnen und Leser geht es, statistisch gesehen, im Moment wirklich gut. Nicht perfekt, aber gut. Man is(s)t gesund, hat genug Geld zum Leben, den Kindern und Enkeln geht’s gut, die Ferien werden toll und Trump ist weit weg.
Auf Probleme fixiert?
Klar: Man müsste nur die Tageszeitung lesen, und das Glück ist getrübt. Aber wir haben inzwischen auch gelernt, mit einem Übermass an Informationen richtig umzugehen und nicht alles an uns ranzulassen. Und klar ist auch: Es gibt Menschen in meinem Umfeld, denen es nicht so gut geht. Ich müsste sie nur anrufen.
Aber lassen wir es mal zu: Es geht mir gut. Und das schon seit längerer Zeit. Darf ich das zugeben? Oder sehen wir im Hintergrund schon den drohenden Zeigefinger unserer therapeutischen Gesellschaft: Es muss doch irgendwo ein Problem geben, sonst bist du halt nicht ehrlich.
Wirklich? Es ist erstaunlich, wie viel die Bibel von guten Zeiten redet. Da wird gedankt, gelobt und sich gefreut. Könnte es sein, dass das sogar eine Art «Normalzustand» ist? Dann kommt die nächste Frage: Was können wir tun, dass Zeiten, in denen es uns wirklich gut geht, nicht zu flachen Zeiten werden, sondern mit Tiefgang erlebt werden? Ein paar Hinweise könnten helfen.
Nimm es überhaupt wahr
Allzu oft leben wir in einer «Medien-Lebenshaltung»: Nur das Schlechte, Schlimme oder Schwere wird wahrgenommen. Nimm es wahr, dass es dir gut geht! Aktiviere die Glücks-Rezeptoren in deiner Seele. Der nächste Rat hilft, das Glücks-Bewusstsein in unserem Inneren zu erweitern und zu vertiefen.
Danke und lobe
Dank-Sagung ist eine der wichtigsten Grundhaltungen eines christlichen Lebens. Mein Glück hat eine Quelle: Ich verdanke es dem Geber aller guten Gaben. Aus dem Dank (für das, was ich erlebe und bekommen habe) erwächst das Lob Gottes: Das staunende Aussprechen, wer er ist. Natürlich, man soll auch danken, wenn es Schweres gibt im Leben – aber wie viel mehr, wenn es gut geht! Und wenn du Gott lobst, dringst du immer tiefer in ein Bewusstsein seiner Güte ein. «Hat einer Grund zur Freude, singe er Gott ein Loblied», sagt Jakobus (in Kapitel 5, Vers 13).
Genuss ist gut
Man muss es gerade asketisch geprägten Christen immer wieder sagen: Genuss ist gut. Gott hat uns Geschmacksknospen, Riechrezeptoren und Fingerkuppen gegeben. Die Tatsache, dass andere Menschen nicht viel haben, soll uns selbst nicht am Geniessen hindern (höchstens am übermässigen). Beschenke dich und geniesse das Geschenkte. Genuss mit allen Sinnen ist eine Form des Gottesdienstes.
Rede davon
Wenn es dir gut geht, lass es andere wissen – mit und ohne Worte. Atmosphäre-Vergifter gibt es genug. Weise dezent auf den Geber aller guten Gaben hin – durch den Duft der Rose werden Menschen vielleicht eher offen für Gott, als wenn man immer über Dornen redet.
Gib weiter
Glück vervielfältigt sich, wenn man es teilt: nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten. Verschenke dich. Verschenke Geld. Verschenke Zeit. Nicht aus schlechtem Gewissen, sondern aus dem Überfluss.
Merke es dir
Zeiten, in denen es dir wirklich gut geht, können schnell vergessen gehen. Ein paar dankbare Tagebuch-Einträge können helfen, das Kapital der guten Tage für die schweren Zeiten fruchtbar zu machen. «Vergiss nicht, was Gott dir Gutes getan hat», ist ein Stück Lebensweisheit.
«Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen», sagt der Volksmund. Diese paar Hinweise können helfen, dass gute Zeiten nicht zu flachen, sondern zu tiefen Zeiten unseres Lebens werden.



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