An einem Nachmittag komme ich von der Arbeit nach Hause und entdecke ein Paket in meinem Briefkasten. Das neue Modem ist angekommen. Auspacken und los geht's. Auf der ersten Seite der Bedienungsanleitung finde ich eine Beschreibung, in welche Steckdose und wie genau der Stecker eingesteckt werden muss. Ich denke mir: «Ist doch logisch, dass man den Stecker so einstecken muss. Warum beschreiben die das bloss so genau?» Gedacht – getan.
Leider funktioniert es einfach nicht mit der Einrichtung. Immer wieder wird die Fehlermeldung «keine Verbindung» angezeigt. Blöd. Okay, nochmal die Bedienungsanleitung anschauen.
Ganz hinten finde ich das Kapitel «Fehlerbehebung»: «Erstens: Haben Sie den Stecker richtig eingesteckt?» Na klar hab ich das! Ich verdrehe die Augen. Nach einigem erfolglosen Hin- und Herprobieren rufe ich den Support an. Die erste Frage: «Haben Sie den Stecker korrekt eingesteckt?» Na klar, hab ich … Ich schaue aber zur Sicherheit doch mal nach. Dreimal dürft ihr raten … Er war falsch drin! Wie peinlich!
Besser als andere?
Kennst du solche Sätze wie der aus dem Titel? Hast du ihn selber schon gesagt oder gedacht? Oder jemanden anderes sagen hören? Es gibt da noch weitere Sätze wie: «Das würde ich nie tun!» Oder: «Wie kann man nur?»
Wie schnell bin ich der Meinung, dass ich es doch kann und somit allen anderen überlegen bin. Na ja, eigentlich würde ich ja nie zugeben, so zu denken, aber es ist doch genau das, was diese Gedanken aussagen. In dem Moment mit dem falsch eingesteckten Stecker wurde mir das so richtig bewusst.
Auch in anderen Situationen ist mir dieses Denken bei mir schon aufgefallen. Früher oder später bin ich gestolpert, weil mir genau das passiert ist, was ich eigentlich nie tun würde.
In diesem Denken steckt Stolz. Eine Art von Stolz, die nicht gut ist. Solcher Stolz bewirkt, dass wir mit der Zeit immer überheblicher und unbarmherziger mit unseren Mitmenschen werden und selber das Gefühl haben, «besser» zu sein.
Ich, ich und nochmals ich
Auf keinen Fall will ich es so weit kommen lassen! Wie aber kann ich dieses Denken angehen und ändern?
Zuerst muss ich erkennen, dass ich so denke und dass das nicht gut tut, ja sogar Sünde ist.

Ein stolzer Blick, ein selbstgerechtes Herz – alles, was die Gottlosen tun, ist Sünde.
Sprüche
Kapitel 21, Vers 4
Ich glaube, dass wir es oft gar nicht «böse» meinen. Vielleicht will ich es einfach gut oder besser machen als die anderen. Will mich an die Regeln halten, weil das doch so wichtig und richtig ist. Ich möchte beweisen, dass ich es erkannt habe und nun genau weiss, wie es geht. Ich weiss doch, was die Wahrheit ist und wie man richtig leben sollte. Und wenn jemand nicht so lebt, dann hat er die Wahrheit halt noch nicht erkannt.
Fallen dir die Satzinhalte auf? «Ich, ich, ich…» Und genau das steckt hinter diesem Denken. Ich gehe von mir aus. Ich vergleiche die anderen mit mir, meiner Denkweise und meinen Erfahrungen und Einstellungen. Aber der andere ist nicht wie ich. Gott hat uns verschieden geschaffen.
Jeder hat seine eigene Geschichte, seine eigenen Kämpfe und seine eigene Persönlichkeit. Was weiss ich schon über einen anderen Menschen? Vielleicht hat er schon sehr viel durchgemacht und auch schon vieles ins Positive verändert, aber in meinen Augen ist es trotzdem noch nicht gut genug. Es stecken so viele Ursachen hinter einem Verhalten oder einer Tat. Wir können nie alles ergründen. Und das müssen und sollen wir auch nicht.
Darauf achten, steuern und stoppen
Die Bibel, und somit Gott, fordert uns heraus, dass wir einander in Liebe annehmen. Gott ist so unendlich barmherzig mit uns. Lasst es uns doch auch untereinander sein.

Die Liebe ist geduldig und freundlich. Sie ist nicht neidisch oder überheblich, stolz oder anstössig. Die Liebe ist nicht selbstsüchtig.
1. Korinther
Kapitel 13, Verse 4+5a
Wenn man das erkannt hat, ist es wichtig, auf das eigene Denken zu achten und sensibel zu werden. Welche Situationen lösen bei mir welche Gedanken aus? Gibt es Muster? Was schadet und zieht runter? Aufschreiben hilft da sehr.
Gott sei Dank sind wir unseren Gedanken nicht hilflos ausgeliefert! Wir können es lernen, die Gedanken zu steuern und zu stoppen. Dass ein Gedanke einfach so kommt, dagegen können wir oft nicht viel machen. Wie im Strassenverkehr kann plötzlich etwas unseren Weg kreuzen und wir müssen blitzschnell reagieren. Wenn wir aufmerksam waren und diesen negativen Gedanken erkannt haben, können wir schnell reagieren, ohne dass er uns schadet.
Ja, Gedanken kann man aktiv stoppen oder ersetzen! Wie hilfreich ist da die Bibel! Hier nur einige Aussagen Gottes: «Du bist wunderbar gemacht.» – «Ich habe nur gute Gedanken über dir.» – «Ich sorge für dich.» – «Du brauchst keine Angst zu haben.» – «Ich helfe dir.» – «Ich kenne dich.» – «Ich führe dich zu frischem Wasser.» – «Ich lasse die Sonne über Gerechte und Ungerechte scheinen.» Mit diesen Sätzen lassen sich so einige negative und auch stolze Gedanken ersetzen. Das braucht Zeit und Übung.
Eine Entscheidung
Ich möchte mit diesen Zeilen vor allem Mut machen! Auch wenn das mit dem Stecker nur eine Kleinigkeit war, ist dieses Ereignis bis heute eine grosse Lehre für mein Leben. Gott liebt mich und jeden einzelnen Menschen bedingungslos. Bedingungslos bedeutet, trotz meiner Fehler, meinem Versagen und meinen falschen, manchmal stolzen Gedanken. Er liebt uns, weil er sich dafür entschieden hat. Diese Entscheidung gilt für alle Zeit!
Und genau deshalb will ich mich nicht von meinen stolzen Gedanken bestimmen lassen, sondern mich entscheiden, in der Liebe Gottes zu leben, denken und handeln. Wie schön, dass Gott uns in seiner Liebe nicht in unserem menschlichen Denken alleine lässt. Wenn wir mit ihm verbunden sind, zeigt er uns immer wieder Dinge auf, lässt uns erkennen und gibt uns jedes Mal eine neue Chance, um uns mit seiner Hilfe zu ändern und befreit weiter gehen zu können.
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