Angedeutete Mehrdeutigkeit – oder klare Ansage?

Der Streit, ob es bei der Eröffnung der Olympischen Spiele um eine dem Letzten Abendmahl nachgestellte Szene oder «nur» ein heidnisches Göttermahl ging, schwelt. Was, wenn das Problem tiefer liegt?

31.7.2024
2 min
Ja und Nein
Envato Elements / vgardner32
Ja und Nein

Die Gemüter ereifern sich, kein Wunder. Nachdem sich Christen auf der ganzen Welt (und auch Angehörige anderer Religionen sowie viele Garnichtgläubige) über einige Szenen der aufwändigen Installation von Paris ärgern – und andere sie verteidigen – muss man vielleicht einen Schritt zurücktreten und sich fragen: Haben wir es hier vielleicht mit einer subtilen Mehrdeutigkeit zu tun, die genau das erreicht, was sie will: Verwirrung und Streit? Will die bewusste Szene nicht nur «Diversität» (ein Zauberwort) der Geschlechter, sondern auch Diversität der Realität vermitteln, nach dem postmodernen Motto «Jeder liest halt in eine solche Szene hinein, was er will»?

Natürlich: Kunst ist oft mehrdeutig, auch Worte können es sein. Kommunikation ist ein Schlachtfeld – bis hin zu den Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz, die es vollends unmöglich macht, eine Aussage über den Wahrheitsgehalt von Texten, Bildern oder Filmen zu machen.

Ja Ja oder Nein Nein

Zurück zur Mehrdeutigkeit: Es ist klar, dass die Wirklichkeit nicht Schwarzweiss ist. Es gibt im Leben noch viel mehr als 50 Grautöne. Das wusste auch Jesus, er war nicht naiv. Trotzdem sagt er «Eure Rede sei Ja Ja oder Nein Nein. Was darüber ist, ist vom Bösen» (Matthäus Kapitel 5, Vers 37). Man soll nicht dazu sagen «Ich schwöre, dass es so ist», sondern: das, was ich sage, stimmt einfach. Was darüber hinausgeht, «ist vom Bösen». Wow!

Naivität? Weit davon entfernt. Jesus fordert keine fundamentalistische Reduktion der Wirklichkeit auf ein ständiges «Entweder-Oder» oder Schwarzweiss. Er zeigt an anderen Orten, dass er sehr differenziert denken kann. Aber mit dem Aufruf zu klarer Kommunikation ermöglicht er eine ganz wichtige zwischenmenschliche Qualität: Vertrauen. Und Mut. Menschen sollen bei mir wissen, woran sie sind – und ich soll es natürlich auch wissen, wozu ich Ja Ja und Nein Nein sage. 

Jesus fordert uns zu einem Leben in Wahrheit und Eindeutigkeit heraus. Natürlich sind das irgendwo altmodische Begriffe. Aber wetten, dass ein Mensch, der liebevoll «Ja» und «Nein» kommuniziert, auf die Dauer mehr Vertrauen bekommt als einer, der sich ständig in Mehrdeutigkeiten windet und sich nie so richtig festlegt?

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