Geistliche Formung – Wie verändert sich ein Mensch?

Der heilige Gott des Universums fordert uns auf, Menschen zu werden, die vollkommen und heilig sind. Dass das nicht einfach so der Fall ist, dürfte jedem klar sein. Wie kommt es zu diesem Reifungsprozess? Und können wir etwas dazu beitragen? 

24.8.2026
5 min
privat-Tobias-Trajan
geschrieben von
Tobias Trojan
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Wo stehst du gerade in deinem Reifungsprozess?
  • «Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.» (1. Petrus Kapitel 1, Vers 16; HFA)

  • «Setzt alles daran, mit jedem Menschen Frieden zu haben und so zu leben, wie es Gott gefällt. Sonst werdet ihr den Herrn niemals sehen.» (Hebräer Kapitel 12, Vers 14; HFA)

  • «Ihr aber sollt in eurer Liebe vollkommen sein, wie es euer Vater im Himmel ist.» (Matthäus Kapitel 5, Vers 48; HFA)

Dies ist nur eine kleine Stichprobe der wohl herausforderndsten Verse des Neuen Testaments: Der heilige Gott des Universums fordert uns auf, Menschen zu werden, die vollkommen und heilig sind.

Lange Zeit habe ich geglaubt, dass diese Aufforderung zur Heiligkeit nicht wirklich ernst gemeint sein kann – sie dient doch bestimmt nur als Hinweis auf meine tiefe Sündhaftigkeit und als Erinnerung an die Notwendigkeit der Gnade von Golgatha, oder? Heilig werden? Das ist doch unrealistisch und anmassend – dachte ich.

Durch gegenwärtige Stimmen der neuentfachten, weltweiten «Spiritual Formation»-Bewegung, bin ich in den letzten Jahren auf lang vergessene, biblische Schätze der Jesus-Nachfolge gestossen, die meine Perspektive auf «Heiligung» deutlich verändert haben.

Was «Heiligung» wirklich bedeutet

«Heiligung» umfasst in der Bibel die Veränderung unseres Charakters – unsere Umgestaltung in das Ebenbild Jesu. Ein grundlegender Schritt, damit diese Veränderung passieren kann, ist, dass wir das tun, wozu Jesus uns in Johannes 15 einlädt – in ihm zu verweilen. Nur dann kann die Frucht des Geistes (Galater Kapitel 5, Verse 20 bis 25) erkennbar in uns wachsen.

«Ich bin der Weinstock, und ihr seid die Reben. Wer mit mir verbunden bleibt, so wie ich mit ihm, der trägt viel Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts ausrichten.» (Johannes Kapitel 15, Vers 5; HFA)

Das «Verweilen in Jesus» war für mich lange eine eher abstrakte Angelegenheit. Was soll damit gemeint sein – die stille Zeit oder der Gottesdienst? Das ist zwar alles hilfreich, aber echtes Verweilen in Jesus geht noch so viel tiefer.

In Jesus verweilen 

Um zu begreifen, wie Verweilen zu echter Veränderung führen kann, müssen wir erstmal verstehen: Charakterliche Formung in unserem Leben geschieht seit unserem ersten Atemzug kontinuierlich – ob wir uns bewusst dafür entscheiden oder nicht. Unser heutiges Wesen, unsere Gedankenwelt, Worte und Handlungen entstehen nicht aus einem Vakuum heraus, sondern sind die natürlichen Resultate, Outputs und Früchte eines Herzens, das zu dem geformt wurde, was es heute ist.

Unser Herz wird dauerhaft geformt von äusseren und inneren Kräften – egal, ob wir Jesus nachfolgen oder nicht. Wie in der folgenden Grafik dargestellt, gehören zu diesen Kräften erstens unsere engste Gemeinschaft, zweitens unsere alltäglichen Gewohnheiten und drittens die Glaubenssätze, die wir im Laufe unseres Lebens internalisiert haben. Ein weiterer, wichtiger Aspekt unserer geistlichen Formung ist viertens Schmerz und Leid.

1. Gemeinschaft

Unsere engste Gemeinschaft sind die Menschen, die am meisten Einfluss auf uns haben beziehungsweise hatten und deren Wesen und Weltanschauung mit der Zeit auf uns abgefärbt haben. Sie beeinflussen sowohl triviale Dinge wie unseren persönlichen Musikgeschmack, aber auch komplexere Dinge wie unseren Umgang mit Geld oder Sexualität.

2. Gewohnheiten

Eine häufig unterschätzte Kraft sind die Gewohnheiten unseres alltäglichen Lebens. Wie wir zum Beispiel morgens die erste Stunde nach dem Aufwachen verbringen, hat einen entscheidenden Einfluss auf den Rest unseres Tages. Setzen wir uns direkt vor den ewigen Nachrichtenfluss unseres Handys? Oder nehmen wir uns erstmal etwas Zeit in der Ruhe mit Gott? Was machen wir, wenn es tagsüber zu ungeplanter Wartezeit kommt, zum Beispiel an der Kasse des Supermarkts? Kleben wir dann sofort am «leuchtenden Rechteck»? Oder bleiben wir geistesanwesend in dem Moment und achten auf unsere Mitmenschen?

Das sind zwar nur kleine Momente des Alltags, aber:

«Wie wir unsere Tage verbringen, ist, wie wir unser Leben verbringen.»

Annie Dillard

«The Writing Life»

Die kleinen Handlungen unseres Lebens formen uns, egal, ob wir diese bewusst oder jahrzehntelang im «Autopilot» tun. Wichtig ist, dass wir mitentscheiden können, wie unsere Gewohnheiten unserem Leben eine gewisse «Architektur» geben, die uns entweder unterstützt oder daran hindert, bei Jesus zu verweilen.

3. Glaubenssätze

Unsere inneren Glaubenssätze haben bekannterweise einen zentralen Einfluss auf unseren Charakter. Wer zum Beispiel in einer Familie mit einer «Mangel-Mentalität» aufgewachsen ist, der wird von diesem Narrativ meist länger begleitet. Oder: Wenn uns nie vermittelt wurde, dass wir intrinsisch wertvoll sind, dann wird dieses unbewusste Narrativ einer gefühlten Wertlosigkeit unsere Interaktion mit anderen Menschen massgeblich prägen.

Denn das, was wir glauben und womit wir unser Bewusstsein immer wieder beschäftigen, formt uns. Deswegen ermutigt uns Paulus, uns an dem zu orientieren, «was wahrhaftig, vorbildlich und gerecht, was redlich und liebenswert ist und einen guten Ruf hat» (Philipper Kapitel 4,Vers 8; HFA), damit unser Wesen in eine göttliche Richtung geformt wird.

4. Schmerz und Leid

Unser Umgang mit Schmerz und Leid spielt auch eine wesentliche Rolle in unserer Transformation. Je nach Lebensbiographie sind wir schon mehr oder weniger vertraut mit der ungeheuren Gewalt dieser beiden Kräfte, die schon so viele Leben «aus den Angeln» gehoben haben und Menschen desillusioniert und verzweifelt zurückgelassen haben.

Schmerz und Leid sind anders als die zuvor genannten Kräfte – denn hier haben wir kaum «Mitspracherecht», weil wir im Leid passiv geformt werden durch Umstände, die wir in unserem Leben nicht haben wollen. Daran können wir entweder verzweifeln oder wir lassen uns dadurch zu Menschen machen, die lernen, die Idealvorstellung ihres eigenen Lebens loszulassen und, wie Jesus zu sagen «nicht was ich will, sondern was du willst, soll geschehen» (Lukas 22, Vers 42; HFA).

Abschliessend möchte ich dich ermutigen, neu zu glauben, dass echte Veränderung möglich ist.  Durch das Zusammenwirken des Heiligen Geistes und der bewussten Mitgestaltung deiner alltäglichen Gewohnheiten, deiner Gemeinschaft und deiner inneren Glaubenssätze, ist es sogar mitten im Leid möglich, zu einem Menschen zu werden, der Jesus ähnlich wird – ein Mensch der Liebe.

Möge Gott, der Vater, dich auf deiner persönlichen Reise begleiten, möge er dir immer wieder die Liebe seines Sohnes vor Augen führen und dich mit der Gemeinschaft des Heiligen Geistes segnen.

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