Es ist der letzte Feriensonntag, und in der Gemeinde wird für all die gebetet, für die morgen am Montag eine neue Saison anfängt – Schülerinnen und Schüler, Lernende und Lehrende können nach vorne kommen und werden persönlich gesegnet. Für den «Ernst des Lebens», der irgendwie wieder losgeht.
Der Knirps
Ich stehe mit vielen anderen vorn und warte, dass mir jemand zugeteilt wird, für den ich beten kann. Wer kommt als erstes? Ein Dreikäsehoch von vielleicht vier Jahren steuert zielstrebig auf mich zu. Ich denke erst, der hat sich verlaufen. Trotzdem gehe ich in die Knie, auf Augenhöhe, und frage ihn: «Wofür kann ich für dich beten?» Seine Antwort: «Morgen gehe ich in die Spielgruppe.» Schluck. Ich nehme seine Hände in meine und befehle den kleinen Kerl für die Spielgruppe Jesus an. Strahlend zieht er danach von dannen.
Später kommen grössere Schüler, ein Lehrling und eine Lehrerin mit herausfordernder Klasse zum Segnungsgebet. Aber der Kleine geht mir nicht mehr aus dem Sinn.
Kinder jeden Alters
Dass Jesus gern mit Kindern spielte, sie segnete und ihren Glauben als Muster für uns alle hinstellte, ist bekannt. Der kleine Bub vor der Spielgruppe hat genau das gemacht, was Jesus damit meinte: Die Herausforderung, die jetzt gerade vor mir liegt – da brauche ich Jesus und vertraue, dass er mir hilft. Ob das die Spielgruppe, die Schule, die Lehre oder der Beruf ist: Jede Situation auf jeder Schwierigkeitsstufe ist einzigartig, und für Jesus ist keiner zu klein oder zu gross. «Denen gehört das Reich Gottes, die sich naiv und vertrauend mir überlassen», sagte Jesus sinngemäss mit ein paar Kindern im Arm (Matthäus Kapitel 18, Vers 3).
Nur die Netten?
Jeder, der mit Kindern zu tun hat, weiss, dass sie auch ganz schön nerven können. Kinder können egoistisch, störrisch, stur und – ja, auch bisweilen brutal sein. Hat Jesus die auch gemeint, als er sagte: «Werdet wie die Kinder» (Matthäus Kapitel 18, Vers 5)? Eine interessante Frage. Vielleicht hatte er ja nur nette und wohlerzogene hebräische Buben und Mädchen um sich rum.
Nun, Jesus war nicht naiv. «Er wusste, was in jedem Einzelnen vor sich geht», heisst es einmal (Johannes Kapitel 2, Vers 25). «Werdet wie die Kinder» heisst nicht, dass Gott uns nur liebt, wenn wir nett sind. Jesus war nicht nur ein Freund der Kinder, sondern auch ein Freund der Sünder. Aber er macht deutlich: Auch Sünder sollen nicht versuchen, an sich herumzudoktern und sich nur im Sonntagskleid vor Gott wagen, sondern echt zu Jesus kommen. Nicht so, wie ich gern wäre, sondern «so, wie ich bin». Diese Art von naivem Vertrauen – die für viele ein riesiger Schritt ist – lässt uns erst richtig erkennen, wer Jesus ist. Und wer Gott ist.





