Falsche Erwartungen – Schluss mit dem Zwang, allen gefallen zu wollen

Jeder möchte geschätzt und gemocht werden. Es ist ja auch nicht unwichtig, was andere von uns denken. Trotzdem kann man es nicht allen Recht machen. Wie man mit Erwartungen umgeht, und den Zwang, allen zu gefallen, ablegen kann.
29.9.2025
3 min
Junger Mann macht ein Selfie mit Graufilter. (Symbolbild)
Unsplash / Antoine Beauvillain
Junger Mann macht ein Selfie mit Graufilter. (Symbolbild)

Auch wenn du kein Filmstar oder Model bist, sind doch auch Augen auf dich gerichtet. Wir Menschen beobachten einander und nehmen Feedback wahr. Wenn man es anderen aber immer Recht machen möchte, kann man ganz schön unter Druck kommen. Es ist nicht leicht, den Erwartungen von Familie und Freunden gerecht zu werden.

Prinzipiell ist es ja gut, für andere da zu sein und Rücksicht auf sie zu nehmen. Doch wenn dabei die eigenen Bedürfnisse, Charaktereigenschaften und Werte untergehen, sollte man überprüfen, ob man da nicht in eine ungesunde Abhängigkeit geraten ist.

Lebe ich unter dem Zwang, gefallen zu wollen?

Folgende Sätze können helfen, ein ungesundes Verhaltensmuster aufzudecken:

  • Ich fühle mich verantwortlich dafür, dass mein Umfeld sich wohl fühlt.
  • Ich versuche oft, die Erwartungen anderer herauszufinden und richte mich danach.
  • Es ist mir wichtig, von anderen zu erfahren, ob ich meine Sache gut gemacht habe.
  • Ich stelle meine Wünsche und Bedürfnisse zugunsten anderer zurück.
  • Es ist mir unangenehm, andere Leute zu kritisieren.
  • Wenn jemand sich über mich ärgert, tue ich alles dafür, dass wieder Harmonie herrscht.

Die Angst vor Konflikten und Ablehnung treibt einen manchmal dazu, sich für andere zu verbiegen. Man sehnt sich nach Harmonie und einer guten Beziehung und ist bereit, einen (zu) hohen Preis dafür zu bezahlen.

Wann der Preis zu hoch ist

Überlege dir, wie weit du deine eigenen Bedürfnisse und Gefühle in die Beziehungen einbringen darfst. Was prägt dein Handeln? Die Meinung und Wünsche anderer? Die Angst vor Kritik, Missfallen und Konflikten?

Wer sich viel nach den Erwartungen anderer richtet, verlernt, eigene Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen. In einer gesunden Beziehung halten sich diese aber in einer Waage mit den Erwartungen und Meinungen der anderen.

Sich der Realität stellen

Mach dir bewusst, dass es gar nicht möglich ist, es allen recht zu machen. Du kannst auch nicht von jedem gemocht werden, egal, wie sehr du dich darum bemühst. Befrei dich da von deinen eigenen falschen Erwartungen und Schuldgefühlen.

Hab den Mut, dich der Realität zu stellen, in der es nicht immer harmonisch zugeht. Unterschiedliche Meinungen, Konflikte und Dissonanzen sind nichts Schlimmes, sondern gehören zum Leben dazu.

Wie man zu einem gesunden Mittelweg findet

Mach dir bewusst, dass nicht die Meinung anderer deinen Wert bestimmt. Gott hat dich wunderbar und einzigartig geschaffen. Er hat dir deinen Charakter geschenkt und Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche gegeben, die du äussern darfst. Du bist wertvoll, genau so, wie du bist, ohne etwas dafür tun zu müssen.

Lerne, deine Gedanken, Wünsche und Gefühle wahrzunehmen und zu achten. Um auf eine gute Art für andere da sein zu können, musst du dich, deine Bedürfnisse und deine Grenzen kennen.

Lerne, deine Meinung zu Dingen zu äussern. Übe, «Ja» und «Nein» zu sagen und auch: «Das sehe ich anders», «Das möchte ich nicht», «Das wird mir gerade zu viel», «Da überrumpelst du mich jetzt, ich brauche noch etwas Zeit» oder «Da erwartest du zu viel, das schaffe ich nicht».

Bitte Gott, dass er dir Selbstvertrauen schenkt. Und dass er dir zeigt, was in bestimmten Situationen wahr und richtig ist.

Lerne, Disharmonie auszuhalten. Es ist nicht richtig, um des «lieben Frieden willen» alles zu ertragen und zu erdulden. Setz dir Grenzen gegen die Manipulation anderer und zum Schutz für dich selbst.

Dieser Beitrag erschien im April 2021 auf Jesus.ch

Teile diesen Beitrag
Das könnte dich auch interessieren
Thema
frau-zieht-sich-roten-pulli-ueber-das-gesicht

Wer sagt mir, wer ich bin?

Zwischen Selbstbild und fremden Urteilen geraten wir schnell in Schubladen – oft gerade dann, wenn es uns am meisten betrifft. Doch was bestimmt wirklich, wer wir sind: unsere Leistung, die Meinung anderer oder eine tiefere Wahrheit über unsere Identität?
Thema
Junge Erwachsene gehen immer wieder auf die Strasse, um die wertschätzende Liebe Gottes zu verkünden

Gott meint genau dich – Die grösste Wertschätzung im Universum

Sich wertlos zu fühlen, ist schlimm. Doch gerade für Versager, Gescheiterte, Nutzlose, Abgelehnte und Ungeliebte gibt es eine gute Nachricht. Gott verleiht ihnen unvorstellbaren Wert!
Thema
Ist Perfektionismus immer schecht?

Charakterschwäche? – Perfektionismus ist nicht immer schlecht

Bloss keine Fehler machen! Alles unter Kontrolle haben. Bin ich der Einzige, der weiss, wie es richtig geht? – Viele Perfektionisten stehen ständig unter Druck und verurteilen sich und andere schnell. Cornelia Mack weiss: Davon kann man frei werden.
Thema
Durch Jesus vollkommen sein

Durch Jesus vollkommen werden – Nicht perfekt, aber vollkommen

Jesus verlangt von den Menschen, die ihm nachfolgen, vollkommen zu sein. Das klingt unerreichbar, ist es aber nicht. Wie das sein kann und warum das nichts mit Perfektionismus zu tun hat, erklärt Theologin und Coach Cornelia Schmid.